Eine Entwicklerin will uns mit ihrem Computerspiel zu mehr digitaler Liebe ermutigen

Freundschaften und Beziehungen spielen sich zunehmend auf digitalen Kanälen ab. Die Programmiererin Nina Freeman beweist mit einem Computerspiel, dass sie dadurch nicht an Wert verlieren.

© Nina Freeman

Nina Freeman glaubt an die Liebe auf allen Kanälen. © Nina Freeman

„Mit 14 war ich total schüchtern“, erzählt Nina Freeman. Geschenkt, das waren wir alle. Doch während wir uns die lebenswichtige Portion Selbstbewusstsein auf dem Schulhof, im Sportverein oder beim Rumcornern – damals noch: mit Freunden rumlümmeln – holten, begann Nina zu zocken. Im Online-Rollenspiel „Final Fantasy XI“ schloss sie enge Freundschaften. Mit 18 fand sie in der virtuellen Welt von Vana’diel sogar ihre erste Liebe.

Die Zeit des ersten Schwärmens und des ersten Sex hat die heute 25 Jahre alte Spieleentwicklerin aus Portland, Oregon in ihrem Game „Cibele“ nacherzählt. „Ich arbeite darin nichts auf“, sagt Nina mit Nachdruck. „Wenn ich persönliche Spiele mache, dann nur, wenn ich bereits eine kritische Distanz zu den Themen eingenommen habe.“ Viel mehr ist „Cibele“ ein Plädoyer für die Liebe auf allen Kanälen. Es soll uns zu mehr digitaler Liebe ermutigen.

Monster metzeln und flirten

In dem knapp zwei Stunden langen Spiel nehmen wir Ninas Rolle ein, unser Desktop wird zu ihrem Desktop: Wir können in ihren Ordnern stöbern, ihren Mailverkehr checken und ihre Zeichnungen und Fotos durchsuchen. Und wir können uns, das ist der spannende Part, mit einem gewissen Blake in ein Rollenspiel-Abenteuer stürzen, Monster metzeln – und flirten. Wir erleben mit, wie sich Blake und Nina über das Spiel näherkommen, Nina Unterwäschefotos für ihn schießt und sich das Paar schließlich trifft. Was wir nicht erleben: ein Happy End. Nach einer gemeinsamen Nacht erklärt Blake, für eine Beziehung reiche es ihm gefühlsmäßig nicht.

Nina sagt, es sei ihr wichtig gewesen, Blake keine Arschlochrolle auf den Leib zu schreiben. Und das ist ihr gelungen: Der Kerl ist kein Aufreißer, der das Online-Rollenspiel für Real-Life-Eroberungen nutzt. Er ist wie Nina einfach auf der Suche, auf allen Kanälen. „Als ich mich in Blake verliebt habe, war Online-Dating noch nicht im Mainstream angekommen“, sagt Nina. „Und von Gamern hatten die Leute auch noch viel mehr negative Klischeevorstellungen im Kopf. Mit dem Spiel wollte ich auch zeigen, wie stark sich das zum Guten gewandelt hat.“

„Wir werden uns auch in Virtual-Reality-Welten verlieben“

Seit „Cibele“ Anfang November erschienen ist, nahmen viele Spieler mit Nina Kontakt auf, um sich mit ihr über ähnliche eigene Erfahrungen auszutauschen. „Es ist toll, dass wir jetzt endlich offen über diese Erlebnisse sprechen können, die uns früher noch peinlich waren.“ Auf diese Weise würden nach und nach immer mehr Spielräume für die Liebe erschlossen.

„Menschen wollen sich verlieben – und es gibt immer mehr Kommunikationswege, um sich zu verlieben“, sagt Nina. Diese Wege sollten wir ihrer Meinung nach häufiger und vorurteilsfreier nutzen. Auch Virtual Reality werde eines Tages sicher genutzt, um darüber mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, einander kennenzulernen und Beziehungen zu knüpfen. „Die Art und Weise, wie das geschieht, wird eine neue sein. Aber das Gefühl, das diese Kommunikation auslöst, wird immer das gleiche bleiben. Auf jedem Kanal.“