Eine Hand sagt mehr als tausend Worte

Hände erzählen Geschichten. Sie sind der Spiegel des kundigen Lebens, stecken voller Erfahrung und Arbeit. Und das sieht man ihnen an.

Eigentlich war es der libanesische Hobbyfotograf Omar Reda gewohnt, Menschen zu porträtieren, indem er ihre Gesichter ablichtet. Doch im vergangenen Juli kam ihm die Idee: Hände können genauso ausdrucksstark sein wie Gesichter und Augen. Vor allem, wenn es sich um Handinnenflächen handelt, in die die tägliche Arbeit ihre Spuren eingraviert hat. Diese Spuren erzählen von Anstrengung und Belastung, aber auch von Krankheit und Gesundheit, kurz: vom Leben.

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So begann Reda Aufnahmen der Hände von unter anderem Gärtner*innen, Friseur*innen oder Menschen eines Stammes zu machen – jeweils einmal nahe und einmal noch näher, ohne die ganze Person zu zeigen. Sein Projekt startete er vergangenen September, als er Urlaub in Tansania machte. „Ich besuchte eine Kaffeeplantage und bat dort eine Bäuerin, ihre Handinnenfläche fotografieren zu dürfen“, erzählt Reda. „Sie war anfangs von meiner Frage so irritiert, dass sie ablehnte. Nach ein wenig Überzeugungsarbeit willigte sie schließlich ein.“

Und so würde es ihm bei jedem Foto ergehen. „Oft muss ich stundenlang durch die Gegenden wandern, bevor ich ein einziges Fotos schießen kann“, sagt Reda. Die meiste Zeit würden seine Anfragen auf ein Foto abgewiesen werden. „Manche hatten sogar Angst, ich sei ein Polizist und würde Fingerabdrücke sammeln“, erzählt er. „Viele Leute bezeichneten mich als Idioten, als verrückt.“

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Redas liebstes Fotos ist das des kleinen Jungen aus der ostafrikanischen Volksgruppe der Massai, er ist ungefähr drei Jahre alt. „Die Details seiner Hand sind sehr beeindruckend“, sagt Reda. „Wenn man sich seine Hand, seine Nägel und seine Haut genau ansieht, spürt man, dass dieses Kind viel in seinem alltäglichen Leben leidet. Seine Hand hat mir klar gemacht, wie gesegnet ich mit meinem Leben bin.“ Daher habe er später seinen Fokus verlegt, weg von den Händen bestimmter Berufsgruppen, hin zu sehr jungen und alten Händen. Die meisten seiner Fotomotive hat Reda in Indien, Nepal, Pakistan, Äthiopien und Tansania gemacht.

Egal wie unterschiedlich Menschen in Sachen Hautfarbe, Abstammung oder Religion sind, ihre Gemeinsamkeiten werden immer größer sein. In diesem Fall sind es vom Leben geprägte Hände.


Omar Reda postet auch regelmäßig auf Instagram.