Eine Präsidentin und ein Trump: So verlief die erste TV-Debatte

Das war also die Fernsehsendung mit der vermutlich höchsten Einschaltquote in der Geschichte der USA. Trump gegen Clinton, was für eine Nacht! 

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Hillary Clinton blieb souverän, auch wenn Trump sie mehr als 40 Mal unterbrach. © Pool/Getty Images

Um es kurz zu machen: Die ersten zwanzig Minuten hat Trump sich gut gehalten. Danach bestimmte Clinton die Debatte. Ihr Auftritt dürfte Clinton im Wahlkampf weitergeholfen haben. Die TV-Zuschauer sahen sie als klare Gewinnerin. Wir fassen die Höhepunkte des Abends für euch zusammen.

Teil 1: Mehr alles für alle!

Der Abend war in drei Teile aufgeteilt. Zum Auftakt sollte es um Wirtschaft gehen und Clinton fuhr schnell die erste Attacke: Trumps Reichtum basiere auf einem 14-Millionen-Dollar-Kredit von seinem Vater. Ihr Vater habe eine kleine Fabrik besessen, sie verstehe die Mittelschicht besser.

Trumps Gegenargument: Clinton habe 30 Jahre lang Zeit gehabt und nichts erreicht. Schnell drehte er das Gespräch auf sich und lobte sich dafür, sie „Secretary Clinton“ zu nennen: „Ist doch in Ordnung, oder? Ich will, dass Du glücklich bist.“

Clinton sagte, dass in der Finanzkrise neun Millionen Amerikaner ihren Job verloren hätten. Trumps Antwort: „So ist’s halt im Leben.“

Plötzlich wird es lauter. Clinton: „Ich glaube, am Ende des Abends werde ich an allem Schuld sein, was je passiert ist.“ Trump: „Warum nicht?“

Immer wieder ging es im Wahlkampf bisher um zwei Punkte: Trump hat seine Steuererklärung nicht veröffentlicht, Hillary hat ihren E-Mail-Server missbraucht. Trump sagte, er werde seine Steuerakte dann veröffentlichen, wenn Clinton ihre 33.000 gelöschten Mails veröffentlicht. Clinton parierte aber souverän und sagt sinngemäß: „Ja, war halt ein Fehler.“

Clintons Gegenangriff: Vielleicht sei Trump nicht so reich, wie man denkt. Vielleicht unterstütze er weniger wohltätige Organisationen als er behauptet. Vielleicht habe er Wohltätigkeitsorganisationen nicht so viel Geld gespendet, wie er behauptet. Vielleicht habe er Geschäftspartner, von denen die Menschen nichts wissen sollen. Vielleicht bezahle er keine Einkommensteuer.

Seine Antwort? „That makes me smart.“

Im Publikum saß ein Handwerker, der für Trump gearbeitet hatte und bis heute auf Geld wartet. Trump: Vielleicht hat er einfach mies gearbeitet.

Das Fazit nach dem ersten Teil der Debatte nach:

Teil 2: Wohin mit Amerika?

Teil 2 der Debatte begann mit der Frage nach den wachsenden Spannungen zwischen Schwarzen und Weißen in den USA. Clinton lobte die Arbeit der Polizei, konnte aber nicht überzeugen.

Auf den Umgang mit Farbigen angesprochen, zeterte Trump sofort über Kriminalität. Ihm läge das Thema Gewalt am Herzen, schließlich besäße er Immobilien in vom Rassenunruhen geplagten Charlotte, South Carolina.

Clinton: „Wir alle haben Vorurteile.“

Plötzlich Clintons stärkster Moment. Warum sie denn nicht in South Carolina gewesen sei, fragt Trump. „Ich bin zuhause geblieben. Ich habe mich vorbereitet auf diese Debatte. Ich habe mich darauf vorbereitet, Präsidentin zu sein. Ich glaube, das ist eine gute Sache.“ Trump rollt die Augen.

Immer wieder kann Trump nicht an sich halten, fällt Clinton ins Wort.

Was sage er denn nun zu farbigen Amerikanern? Na, nix.

Irgendwann war man dann doch bereit für eine Pause. Zum Beispiel für einen Hund, der sich nach hinten fallen lässt.

Teil 3: Aber sicher!

Vor dem dritten Teil der Debatte blicken wir auf eine kurze Zwischenfrage. Trump schnieft so oft. „Koks?“ fragt ein hochrangiger Demokraten-Vertreter.

Als nächstes ging es um den Datendiebstahl bei den Demokraten. Viele Hinweise deuten darauf hin, dass Russland hinter dem Hackerangriff steckt. In der Debatte antwortete Trump, dass es möglicherweise ja auch China war, oder „ein 400 Pfund schwerer Typ, der auf seinem Bett sitzt.“

Trumps 10-jähriger Sohn sei aber wohl total super in Sachen Computer und „Cyber“, sagt der Kandidat.

Das war Trumps schwächster Moment: Es ging um die Frage, ob er den Irak-Krieg unterstützt habe oder nicht. Hat er, es gibt Beweise. Gibt er aber nicht zu.

Jetzt war Trump in Fahrt und schnatterte weiter. Er habe ja nicht nur ein bessere Wesensart, er wisse auch, wie man gewinnt. Clinton wisse das gar nicht.

Das kam nicht gut an. Clintons Reaktion: „Wow. OK.“

Gegen Ende beleidigte Trump seine Gegenkandidatin ein weiteres Mal. Ihr fehle es am „Stehvermögen“, Präsidentin zu sein. Als Konter zählt Clinton ihre Verdienste als Außenministerin auf. Sobald er in Diplomatiefragen 112 Länder bereist hat, könne er sich mit ihr über „Stamina“ unterhalten.

Trumps Antwort: Sie möge Erfahrung haben. Ist aber schlechte Erfahrung.

Und schon war der Abend rum. Letzte offene Frage: Wo war eigentlich Obama?

Epilog: Und jetzt?

Egal, wie in den nächsten Tagen das Geschehen bei der Debatte gedeutet wird: Es war in der Vergangenheit für das Wahlergebnis nicht so wichtig, wie viele denken.

Wer jetzt bis zur nächsten Debatte am 9. Oktober eine Pause braucht: Hier ein kleiner Tanz, das GIF des Abends.