Anna möchte keinen Freund!

Anna* möchte keinen Freund. Hier erklärt sie, warum das so ist.

Joerg Koch/Getty Images

Ist das Leben alleine besser als das Leben zu zweit? Joerg Koch/Getty Images

Ich brauche keinen Partner, um glücklich zu sein. Die einzige Beziehung, die ich bislang hatte, war mit einem Typen, in den ich nicht richtig verliebt war. Dabei habe ich mir immer einen Partner gewünscht. Aber ich habe niemanden getroffen, der sich in mich verliebt hat, und in den ich mich zurückverlieben konnte. Das ist für mich die Grundvoraussetzung, um eine Beziehung zu führen. Und so kommt es, dass ich schon viele Jahre Single bin.

Vielleicht denken die Leute auch, dass mit mir etwas nicht stimmt. Vielleicht bin ich ihnen zu wählerisch, habe zu hohe Erwartungen. Egoistisch, komisch.

Einige Jahre lang war ich unglücklich; ich habe mir gewünscht, es wäre anders. Auch jemanden zu haben, mit dem man in den Urlaub fahren kann, den man seinen Eltern vorstellen kann. Für die einsamen Stunden. Für Sex. Für die Ablenkung. Damit jemand da ist, der mich aufbaut. Der mir sagt, dass ich schön bin. Toll bin. Der mir in den Arsch tritt, damit ich meine Ziele weiter verfolge, wenn mich der Mut verlassen hat. Wir alle brauchen doch jemanden, der uns unterstützt, der uns stärker macht, als wir eigentlich sind.

„Irgendwann habe ich aufgehört zu suchen.“

Ja, es gab Zeiten, in denen mich all das sehr unglücklich gemacht hat. In denen ich Pärchenabende und gemeinsame Urlaube mit Paaren gemieden habe. Die skurrilsten Ausreden habe ich mir einfallen lassen, um nicht mit meiner Situation konfrontiert zu werden.

Irgendwann habe ich aufgehört zu suchen. Ich habe aufgehört, meinen eigenen Wert daran zu messen, ob ich einen Freund habe oder nicht. Meine Umwelt hat das trotzdem nicht verstehen können. Und ich habe sie nicht verstanden. Mitleidige Blicke habe ich während meines Studiums immer dezent ignoriert.

„Ich kann mittlerweile behaupten, mir selbst zu genügen.“

Mit dem Job wurde vieles besser. Ich verdiene jetzt mein eigenes Geld, reise um die Welt, habe tolle Freunde. Es ist die beste Zeit meines Lebens. Ich bin jetzt keines der Single-Mädchen, die einfach nur behaupten, dass sie gerne Single sind. Und dabei doch neidisch auf andere Pärchen schiele. Ich kann mittlerweile behaupten, mir selbst zu genügen. Ich brauche keinen Partner mehr, um glücklich zu sein. Ohne dabei egoistisch zu wirken.

Andere sagen von mir, ich wirke fröhlich und unbeschwert, mit mir selbst im Reinen. Viele Männer denken wahrscheinlich, ich sei schon sehr lange in einer festen Beziehung. Ich wirke selbstsicher. Gerade habe ich mein Referendariat beendet, suche nach einer eigenen, schönen Wohnung. Für was brauche ich jetzt noch einen Partner?

Ehrlich gesagt vermisse ich nichts.

Ob ich ihn wegschicken würde, wenn er mir dann doch eines Tages begegnet, hat mich meine Mutter gefragt. Und habe keine Antwort gefunden. Wegschicken würde ich ihn wahrscheinlich nicht. Ich habe ja kein Problem mit Männern. Aber ich gehe eben auch nicht aktiv auf die Suche. Und damit gehört ich nicht zu den Frauen, deren Glück alleine von einer Beziehung, einem gemeinsamen Urlaub und einem Nest zu zweit abhängt.

„Ich fühle mich manchmal einsam.“

Natürlich habe ich nicht ständig diese verrückte Kribbeln im Bauch, wie andere in meinem Alter. Und auch ich fühle mich manchmal einsam. Aber auch in einer Beziehung können wir uns alleine fühlen. Das wissen wir alle.

Manchmal habe ich Angst, dass mir dann doch eines Tages jemand begegnet, der mich umhaut. Ich glaube, dass ich ziemlich platt wäre, wenn mir die Liebe begegnet. Nicht irgendeine, sondern die Richtige. Die Große. Der Zustand, in dem man bereit ist, sich jemandem zu ergeben. Für den man seine Träume und Pläne freiwillig nach hinten verschiebt, weil man endlich bereit ist, Verantwortung zu übernehmen.

Man potenziert ja seine Verletzbarkeit, wenn man einen anderen Menschen in sein Leben lässt.

Ich wäre unfähig zu handeln. Und würde sagen: Danke, aber ich brauche keinen Partner, um glücklich zu sein.

Es wäre nicht gelogen.

*Protokolliert von Gina Schad. Anna möchte ihren Namen nicht öffentlich nennen, er ist aber der Redaktion bekannt.