Beeindruckende Kunstaktion: Japanerin nebelt Museum ein

London wird noch nebeliger: Die japanische Künstlerin Fukijo Nakaya dunstet mit ihrer Installation London Fog die Tate Modern ein.

In der Londoner Tate Gallery of Modern Art können sich die Besucher*innen jetzt die Sicht nehmen lassen. Am Eingang der Südterrasse des Ausstellungsbereichs für Live-, Performance-, Installationskunst und Film empfängt Fukijo Nakaya sie ab Freitag mit einem mal mehr, mal weniger dichten Nebelgeschwader.

Aus 300 speziell angefertigten Düsen wird in variierender Dichte und unterschiedlichen Intervallen reiner Wasserdampf um die Besucher*innen gepustet – je nach Windbedingungen kann der Nebel auch mal komplett aussetzen. Die mehr als 80-jährige Künstlerin aus Japan hat zehn Jahre damit verbracht, die meteorologischen Daten der Umgebung zu sammeln und auszuwerten, um den Nebel möglichst unbeeindruckt vom Wetter einsetzen zu können.

„Ich wünschte, ich könnte dem Nebel sagen, wie er sich verhalten soll, dann würde ich ihm sagen, dass er sich wie echter Nebel verhalten und komplett natürlich aussehen soll“, sagte sie zu inews.

Der Bezug zur Natur, dem Natürlichen, ist für Nakaya ein wichtiger Bestandteil ihrer Kunst. Das Konzept der Nebel-Installationen entstand aus dem Interesse am Prozess des Geborenwerdens und Sterbens, dem Zyklus des Lebens. Der Nebel kommt auf und verschwindet wieder. Diese Veränderung sei das einzig Beständige am Kunstwerk.

Auch wenn Nakaya günstigste Bedingungen für guten Nebel schafft – komplett bestimmen, was passiert, kann sie nicht. „Das Konzept ist, dass die Natur sich selbst kontrolliert. Ich versuche, die Natur sprechen zu lassen“, erklärte sie dem Times Magazine.

Die Besucher*innen nehmen ihre Kunstwerke meist begeistert auf. Manche schlendern fasziniert durch den weißen Nebel, andere versuchen, den Nebel zu bewegen. Es kann aber auch negative Reaktionen geben: Einige Kinder fangen an zu weinen, wenn sie sich im dichten Nebel befinden. Aber auch das ist Absicht: „Die Natur ist nicht immer angenehm und nett. Sie ist sehr physisch – selbst Erwachsene verlieren die Orientierung“, sagt Fukijo Nakaya selbst.


Falls ihr gerade in London seid: Ab dem 24. März und bis zum 2. April 2017 könnt ihr euch die Ausstellung „Ten Days Six Nights“ in der Tate Modern anschauen. Die Installation von Nakaya ist aber dauerhaft zu sehen.

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