Reisen sind seit dem Mittelalter auch nicht weniger qualvoll geworden

Die Insekten, der Treibsand, die schweren Koffer, die ewigen Wartezeiten und diese furchtbaren fremden Menschen, die man ständig trifft … Reisen ist ja so schrecklich anstrengend. Das wussten schon die Menschen im Mittelalter. Eine Historikerin erzählt.

Hendrik Hondius/State Library of New South Wales

Die Erde war noch nicht lange rund, das Reisen aber schon viel zu anstrengend. Die Nova Totius Terrarum Orbis Tabula von Kartograf Hendrik Hondius/State Library of New South Wales

Ganz teuflisch waren ja diese Zolleintreiber, schreibt Elizabeth Archibald. Die Historikerin lehrt an der Johns Hopkins Universität im amerikanischen Baltimore. Für die Washington Post hat sie aufgeschrieben, welche Klagen sie in alten Reiseberichten entdeckt hat. Eine Pilgerreise nach Santiago de Compostela scheint besonders bedrohlich gewesen zu sein, der Autor warnt vor gigantischen Insekten und Treibsand zu seinen Füßen.

„Als Historikerin bin ich ganz verzaubert von den Ratschlägen, die Reisende niederschrieben, um ihre Nachfolger vor Katastrophen zu bewahren“, schreibt sie. Händler, Kreuzfahrer und Entdecker waren einige Reisende des europäischen Mittelalters, die meisten jedoch waren Pilger. Sie folgten oft den gleichen Wegen und lasen die gleichen Bücher. Über heimtückische Gefahren und natürlich: Abenteuer, Piraten, Schiffbruch, Eselunfälle, was einem halt so passiert.

Drei Dinge gebe es, bei denen niemand Ratschläge erteilen sollte, sei es dafür oder dagegen. Dann allzuoft endeten sie böse, ist von Eberhard Graf von Württemberg überliefert. Eines sei die Hochzeit, das andere der Krieg, und dann noch die Reise zur Grabeskirche nach Jerusalem.

Ein bisschen Fernweh🙈#nofilter #israel #jerusalem #grabeskirche #heiligenschein #holy #jesuschrist 🌟💫

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Von Simone Sigoli, einem Pilger aus dem 14. Jahrhundert, ist überliefert, dass lieber niemand ins Heilige Land reisen sollte, der nicht sucht nach Mühsal, Ärger, Kummer und Risiko sucht. Oder den Tod. Wer genau hiernach suche, der solle sich vorher aber noch kurz über den eigenen Charakter Gedanken machen. Wer anderen schnell auf die Nerven geht, begebe sich auf der Reise in höchste Gefahr.

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Anpassungsfähig sollen wir sein, das schreibt auch Jean Zuallart, der sich im 16. Jahrhundert auf Pilgerfahrt begab. Das ist doch genau wie heute. Wer reist, der trifft verschiedene Menschen. Reich oder arm, mit guten Manieren oder eher weniger, christlich, jüdisch, türkisch oder arabisch. Und dann sei da halt noch die wahre Herausforderung: dumme Menschen. Und die Tatsache, dass wir eben alle nicht perfekt sind.

Vernünftig packen solle man, schreibt der Mailänder Pilger Santo Brasca. Ein Koffer solle Geld enthalten, der andere gut gefüllt sein mit Geduld. Ingwer-Sirup helfe, wenn der Magen unter zu vielem Kotzen leidet. „Er erklärt aber nicht, wie viel Kotzen zu viel ist“, bedauert Elisabeth Archibald.

Nicht zu vergessen: Das professionelle Reisegepäck enthalte natürlich auch noch ein halbes Dutzend Hühner, die werde man brauchen.

Souveniers? Lieber zurückhaltend damit sein, schreibt der Pilger Jean Zullart. Schließlich müssen auch sie mit nach Hause geschleppt werden.

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Arg beschwerlich seien vor allem die Schiffsreisen gewesen, viel zu wenig Raum hatten die Reisenden, nun gut, damit muss man dem Flugpassagier von heute wohl nicht mehr kommen. Aber der ist wenigstens schneller da. Unliebsamem Personal sowie den Zollinspektoren wünschte man damals die Exkommunikation. Wer entsprechend wenig Trinkgeld geben wollte, dem war zu ärmlicher Kleidung geraten.

Wenn einer eine Reise tut, dann hat er was zu meckern? Das wenigstens wird sich wohl niemals ändern.