Erinnern an den Holocaust – Wie emo darf es sein?

Auf der „Reise nach Polen” besuchen jedes Jahr tausende junger Israelis ehemalige Konzentrationslager und Gedenkstätten. Helfen emotionale Zeitzeugenberichte beim Gedenken – oder geht das zu weit?

Der Holocaust ist eine Lektion fürs Leben: Man muss zusammenstehen, darf nicht naiv sein und sich andeutende Gefahren nicht ignorieren.

– Yael Zilber, Schülerin

„Meine Füße sind blutüberströmt. Mein Leib ist schwarz von Blutergüssen und sieht aus wie ein verkohltes Stück Holz.“ Tränen laufen der israelischen Schülerin übers Gesicht, als sie die Worte vorliest.

Es sind Worte aus dem Zeitzeugenbericht eines jüdischen Mädchens, das dem Tod durch das Nazi-Regime nur knapp entkommen konnte und während ihrer Verfolgung schreckliche Qualen erleiden und mit ansehen musste. Das Youtube-Video dokumentiert eine Zeremonie, wie sie jüdische Schulklassen auf ihrer Klassenfahrt nach Polen zum Gedenken an die Opfer feiern. In solchen Zeremonien werden Geschichten von Opfern vorgetragen oder sogar nachgespielt, oft werden Tänze, Musik oder Theaterstücke aufgeführt. Bei der Geschichte über die Babys, die lebendig begraben werden, kommen vielen Jugendlichen die Tränen.

Und genau das ist das Ziel der „Reise nach Polen“: Die Jugendlichen sollen nachfühlen, was ihre Vorfahren durchmachen mussten. Doch für einige der Schüler*innen ist diese emotionale und drastische Vermittlung der Geschichte einfach zu viel: Sie brechen zusammen, bekommen Albträume oder fühlen sich traumatisiert.

Auf der anderen Seite gibt es viele deutsche Schüler*innen, denen bei einer Fahrt zu einem ehemaligen KZ genau solche Emotionen fehlen. Zu trocken und abstrakt wirkt der Besuch in einer Gedenkstätte wie Auschwitz dann.

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Eine Woche lang sind Avishag, Shlomi, Ron und ihre Mitschüler*innen auf den Spuren ihrer Vorfahren, die in Polen durch das Nazi-Regime ums Leben kamen. Sieben Tage, vier Konzentrationslager, drei Massengräber, zwei Gettos, 14 Gedenk-Zeremonien, 200 Teenager in einem Hotel.

In einer fünfteiligen Reihe zeigen wir diese besondere Klassenfahrt, die als Suche jedes Einzelnen nach Spuren seiner Familiengeschichte beginnt, doch mehr und mehr zu einer Art gemeinsamer Pilgerfahrt wird, die es den Teilnehmern ermöglicht, den Verlust und das Leid ihrer Vorfahren nachzuvollziehen. Alle Videos dieser Reihe bestehen ausschließlich aus Youtube-Material von israelischen Jugendlichen.


#uploading_holocaust ist eine gebrueder beetz filmproduktion, in Koproduktion mit udiVsagi production, BR und rbb, gefördert durch das Medienboard Berlin-Brandenburg, Nationalfonds Österreich, Zukunftsfonds Österreich und der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildung.