#foodporn soll für gesündere Ernährung sorgen

Bisher war ich kein Freund des #foodporn auf Instagram. Ich war davon überzeugt, dass es mehr um die Inszenierung geht, als um gute Ernährung. Eine amerikanische Studie bringt meine Meinung jetzt ins Wanken. Ein Kommentar.

Foto: riskiers Photocase.de

Mhm, lecker schaut das aus. Kriegst du auch Hunger? Foto: riskiers Photocase.de

Im Dezember vergangenen Jahres schrieb ich ein Plädoyer für mehr Ernährungssouveränität in der eigenen Küche. Ich rief dazu auf, den Kochlöffel mit mehr Muße und Interesse zu benutzen und die Ernährung selbst in die Hand zu nehmen – ohne sich dabei in der Selbstinszenierung auf Instagram oder Foodblogs zu verlieren.

[Außerdem auf ze.tt: Zurück an den Herd]

Nun muss ich meine Meinung überdenken. Das liegt an einer amerikanische Studie, die untersucht hat, „wie Verbraucherfotos wichtige Konsumentscheidungen im Food-Bereich beeinflussen”. Diese wurde vor einigen Wochen im Journal of Consumer Marketing veröffentlicht und kam zu folgendem Ergebnis: 

Die Zeit, in der wir unser Smartphone zum Einsatz vorbereiten und unser Essen hübsch herrichten, genügt, damit sich der Körper nochmal entspannen kann. Er gewinnt eine Ruhepause, die sich, so die Studie, positiv auf die Geschmackswahrnehmung von Nahrungsmitteln auswirkt. 

Im Klartext: Wer vor dem Essen seine Mahlzeit fotografiert, isst bewusster und somit am Ende meist gesünder.

Wer sich zudem regelmäßig Fotos mit schmackhaften Gerichten anschauen würde, bekäme automatisch mehr Appetit auf das präsentierte Essen. Demnach würde also auch ein öder Karottensalat für diejenigen auf Dauer interessant, die eigentlich Kartoffelsalat mit Mayonnaise bevorzugen.

Wir speichern den Karottensalat auf den hübschen Essensfotos mit dem Hashtag #foodporn im Kopf unter „begehrenswert“ ab und haben bei der nächsten Mittagspause den selbstgemachte Karottensalat anstelle von dem im Fett getränkten Kartoffelsalat dabei. So soll #foodporn den Trend zur gesunden Ernährung katalysieren.

#foodporn funktioniert als Katalysator

Andererseits: Warum sollte das mit Fastfood nicht genauso funktionieren? Entdecken wir bei Instagram Fotos von Erdnuss-Schokomuffins, kriegen wir gewöhnlich genauso Lust darauf, wie bei dem Möhrensalat. Hauptsache es sieht schön aus.

Trotzdem sehe ich ein, dass das wahre Interesse und Wissen über gesunde Ernährung auch mit oder nach dem Inszenieren, Klicken und Posten kommen kann. Wenn also das ganze Hashtaggen, Fotografieren und Liken für einen gesunden Hype sorgt, warum soll ich das alles noch verurteilen?

Die Forscher der Studie berichten allerdings auch, dass man Konsumenten mit der richtigen Marketingstrategie dazu bringen kann, mehr Essensfotos von ihren Produkten zu schießen. Der Marketingstudie geht es also weniger um gesunde Ernährung, sondern darum, wie man Menschen dazu bewegt, bestimmte Speisen zu konsumieren und (meist unfreiwillig) zu bewerben. Am Ende dreht es sich um Geld und das Geschäft mit dem Essen. Etwas, das ich mehr verachte als Schnitzel mit Pommes.