Es gibt ein „Glory Hole“ für Tattoos

Sie müssen verwegen sein und ihren Arm durch ein dunkles Loch in der Wand stecken. Dann passiert es auch schon: Sie bekommen ein Tattoo und haben absolut nichts daran mitzureden.

© Screenshot | Youtube | CRAZY MYSTERY GLORY HOLE

"Uhm, not sure about that." © Screenshot | Youtube | CRAZY MYSTERY GLORY HOLE

Wenn man von einem „Glory Hole“ spricht, geht es in der Regel um Sex. Zwei Menschen sind bei dieser Praktik durch eine Wand voneinander getrennt. Durch ein kleines Loch stecken meist Männer ihren Penis hindurch und erhalten dann Fellatio oder andere Dinge, die man damit so anstellen kann. Umgangssprachlich wird es daher auch „Schwanzloch“ genannt. Die beiden Sexualpartner*innen sehen sich nicht, sprechen nicht. Das Unwissen soll die Lust steigern.

Scott Campbell, ein berühmter Tätowierer, fand das Konzept offensichtlich so spannend, dass er es für seine Kunst nutzen wollte. Der Unterschied: Bei seiner Aktion „Whole Glory“ wird nicht der Phallus durch ein Loch in der Wand gesteckt, sondern ein Arm. Die Person, deren Arm auf Scotts Seite wieder herauskommt, muss sich gehen lassen und viel Vertrauen schenken. Sie erhalten nämlich ein Tattoo des Künstlers – und haben kein Mitspracherecht bei Motiv oder Stelle.

Jetzt kommt der US-Amerikaner mit „Whole Glory“ erstmals nach Europa: In London etwa wird er vom 7. bis zum 9. Oktober tätowieren.

Seit 2014 steht Scotts Wand in der „Milk Gallery“ in New York City. Im November 2015 gab es dort die erste viertägige Aktion, bei der er wie bei einer Lotterie zufällig sechs Namen zog, die sich vorher in eine Liste eingetragen hatten, wie das Magazin Dazed berichtet. Die „Glücklichen“ bekamen dann ein Stück für die Ewigkeit auf den Arm.

Immerhin ist Scott nicht irgendein Tätowierer. In der Szene genießt er hohen Bekanntheitsgrad, prägte eine Tattoo-Stilrichtung und hatte schon viele Prominente unter der Nadel, darunter etwa Heath Ledger und Jennifer Aniston.

„Ich fühle, welches Design für das Gliedmaß passend ist und wende es an. Die Empfänger haben keinen Einblick. Sie müssen warten, bis das Motiv fertig gestochen ist und sie ihren Arm aus dem Loch ziehen. Es gibt keine Kommunikation und keinen Kontakt. Nur das Tattoo“, sagt Scott in einer neuen Pressmitteilung.

In London wird es gleichzeitig eine Ausstellung mit Fotos von seinen Arbeiten geben. Ob und wann Scott auch deutsche Tattoo-Freunde mit Randomtattoos beglücken wird, ist bisher nicht bekannt.

Scotts Motivation für sein Projekt ist eine künstlerische. Die Menschen sollen es einfach geschehen lassen: „Es ist eine Chance für Menschen, ihre Körper nicht so ernst zu nehmen und auf etwas zu vertrauen, das wortwörtlich ändern wird, wer sie für den Rest ihres Lebens sind.“