Es ist bewiesen: Schlechtes Wetter macht schlechte Laune

3,5 Milliarden Tweets und Facebook-Postings können nicht falsch liegen, oder? Mithilfe von Social Media will ein Team von Wissenschaftler*innen herausgefunden haben, dass unser Gemütszustand stark wetterabhängig ist.

Pfui, Regen! Quelle: Pixabay / CC0

Ich persönlich schiebe meine schlechte Laune ja gerne und oft auf das Wetter. Manchmal, weil ich keine Lust habe, mich mit der eigentlichen Ursache zu beschäftigen oder mit jemandem tiefgründige Gespräche zu führen. Das Wetter ist in diesen Fällen meine bevorzugte Ausrede. „Ach, nichts ist los. Es ist einfach so schwül draußen.“ Voilà, Erklärung abgeschlossen. Schlechtes Wetter funktioniert bestens als Argument für so ziemlich alles. Jede*r akzeptiert es, niemand hinterfragt es, viele steigen drauf ein: „Ja, ich merk’s auch, es ist richtig erdrückend.“

Manchmal aber ist das Wetter keine Ausrede, sondern scheint wirklich Grund für meine üble Laune zu sein. Wenn morgens der Wecker klingelt, wieder alles dunkelgrau und vom tagelangen Nieselregen feucht ist, kann ich förmlich sehen, wie die gute Laune aus meinem Körper hopst und sich langsam entfernt, noch einmal zurückblickt und mir zum Abschied winkt. Wie lange sie wegbleiben wird, sagt sie mir nie.

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Die universale Schlechtwetter-Ausrede ist also nicht immer eine reine Ausrede. Wie sich nun herausstellte, kann schlechtes Wetter wirklich schuld an einer emotionalen Verstimmung sein. Das hat ein Team von Wissenschaftler*innen um den Umweltökonomen Patrick Baylis an der Stanford University mithilfe von Facebook und Twitter herausgefunden.

In Zeiten, bevor Social-Media-Plattformen das Internet eroberten, hätte es wohl keine wissenschaftlichen Wege gegeben, eine Verbindungen zwischen Stimmung und meteorologischen Ereignissen zu messen. Doch dann kamen diese Plattformen ins Spiel und damit unser unstillbarer Mitteilungs- und Anerkennungsdrang. Dort wollten wir die Welt wissen lassen, wie es uns geht, was wir machen, was wir denken – um dafür so viele Daumen hoch und Herzen wie möglich zu kassieren. Kurz gesagt: Wir begannen zu posten und hörten nie wieder auf damit.

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Die Wissenschaftler*innen konnten auf der Basis von Online-Postings auf umfassende Datensätze von Stimmungsäußerungen zurückgreifen, die zusätzlich auch leicht örtlich und zeitlich zu verordnen waren. Ein Beispiel: Nehmen wir an, ich hätte am 12. Oktober 2016 ein Facebook-Posting abgesetzt. Darin würde natürlich etwas stehen, das man in seiner Essenz mit „Alles ist ganz furchtbar“ zusammenfassen könnte. Die Wissenschaftler*innen könnten damit genau feststellen, wann und wo ich dieses Posting abgeschickt habe und welches Wetter es zu genau zu diesem Zeitpunkt hatte.

Genau das taten Baylis und sein Team und sie nennen es die größte Erhebung, die jemals zum Thema gemacht wurde. Darin versuchten sie drei Fragen zu beantworten:

  • Gibt es eine Verbindung zwischen Wetterbedingungen und der Stimmung bei Menschen?
  • Falls ja, ist diese Verbindung so robust, dass sie auch ohne Gespräche über das Wetter bestehen bleibt?
  • Wie sehr beeinflusst das Wetter die Stimmung des Menschen im Vergleich zu anderen Geschehnissen, die sich ebenso auf die Stimmung schlagen? Wie zum Beispiel Naturkatastrophen oder nachrichtliche Eilmeldungen?

Wir schreiben stimmungsstarke Postings, die vom Wetter abhängig sind

Um diese Fragen beantworten zu können, analysierte das Expertenteam mithilfe eines Algorithmus 3,5 Milliarden Tweets und Facebook-Postings; alle wurden in den USA zwischen 2009 und 2016 geschrieben. Dabei suchten sie nicht nur nach expliziten Wetter-Postings wie „Boah, dieser Schneesturm ist so mühsam!“. Sie analysierten auch stimmungsstarke Postings, in denen es nicht um das Wetter geht, und verglichen sie mit den damaligen Höchst- und Tiefsttemperaturen, Luftfeuchtigkeitswerten und der Dicke der Wolkendecke.

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Das Ergebnis: „Wir konnten umfangreiche Beweise finden, dass ein Zusammenhang zwischen weniger guten Wetterbedingungen und schlechter Stimmung existiert“, schreiben die Wissenschaftlicher*innen. Niedrige Temperaturen, sehr hohe Temperaturen, Niederschlag, hohe Feuchtigkeit und viele Wolken beeinflussen uns in unserer Wortwahl. Sie wird negativer, auch wenn wir nicht über das Wetter schreiben oder sprechen.

Mehr noch: Temperaturen unter Null hätten laut Autor*innen eine ähnlich schlechte Wirkung auf unsere Stimmung wie Erdbeben und Terrorangriffe. Sie kommen zu dem Schluss, dass das Wetter ganz allgemein dazu in der Lage ist, den menschlichen Gemütszustand zu ändern und dass diese Emotionen im Geschriebenen unbewusst ausgedrückt werden.