Es wird Zeit, dass wir mehr über das Gefahrenpotenzial von Avocados reden

Britische Ärzt*innen fordern Warnhinweise auf Avocados. Ein semi-ernster Kommentar.

Die Dunkelziffer der Avocado-Opfer ist hoch. Foto: Stocksnap

Die Welt ist verdammt unsicher. An jeder Ecke lauern Gefahren, vor denen gewarnt werden muss: heißer Kaffee, mit dem man sich die Haut verbrühen kann. Bügeleisen, die die Haut verbrennen, wenn man Kleidung am Körper bügeln möchte. Mikrowellen, die Tiere töten, sollte man sie in ihnen trocknen.

Das gesellschaftliche Bild von der Avocado war bislang durchweg positiv geprägt. Die mediale Aufmerksamkeit, die der Frucht gewidmet wird, ist anhaltend groß. Jede Avocado-News wird begierig aufgeriffen. Auch ze.tt unterlag diesem Druck oftmals.

[Außerdem bei ze.tt: Wer Avocados mag, wird dieses Restaurant anhimmeln]

Der überwiegende Teil der westlichen Hemisphäre sieht die Avocado als ein Ausdruck des Fortschritts und der Modernität. Die Ausnahme sind ein paar Öko-Spinner*innen, die den unfassbaren Wasserverbrauch der Frucht anprangern. Für alle anderen ist die Avocado das iPhone unter den Obstsorten, der gesellschaftliche Hipnessfaktor liegt ungefähr auf dem Niveau von Feminismus und glutenfreien Vollkornnudeln.

Tatort Küche

Diese Wahrnehmung könnte sich nun ändern. Britische Ärzt*innen warnen vor dem oft unterschätzten Gefahrenpotenzial der Beerenfrucht. Krankenhäuser in Großbritannien verzeichnen offenbar immer mehr Patient*innen, die sich beim Aufschneiden von Avocados teils schwere Verletzungen zugezogen haben. Die britische Gesellschaft für plastische, rekonstruktive und ästhetische Chirurgie empfiehlt nun der Times zufolge, Warnhinweise einzuführen. [Anm. der Autorin: Dies ist kein Scherz. Wirklich nicht.]

Die Avocado: der verkannte Säbelzahntiger unter den Obstsorten. Es liegen keine Zahlen über Avocado-Opfer in Deutschland vor. Die Dunkelziffer ist vermutlich deshalb so hoch, weil sich viele von der Gesellschaft stigmatisiert fühlen, wenn sie über die Ursache ihrer Verletzung reden.

Es wird Zeit, dass wir uns zunehmend mit den Betroffenen solidarisieren und sie nicht einfach als dumme Vollidioten abstempeln. Es wird Zeit, dass die Gesellschaft ihre bedingungslose Liebe zu der Avocado hinterfragt – und wenn sie noch so gut auf Instagramfotos aussieht. Zum Wohle der Gemeinschaft. Und für den Weltfrieden.

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