Essena wollte beliebt auf Instagram werden. Jetzt reicht es ihr.

Essena hat genug. Die Australierin hat fast 700.000 Abonnenten bei Instagram, für jedes ihrer Fotos bekommt sie tausende Likes. Und für jedes ihrer Fotos brauchte sie hunderte Versuche.

Screenshot: Essenaoneill/Instagram

Essena O'Neill: Hunderte Bilder für diese Aufnahme. Am Ende schrie sie ihre kleine Schwester an. Screenshot: Essenaoneill/Instagram

Es war ein wunderschöner Tag, schreibt Essena O’Neill; sie war mit ihrer Mutter und Schwester unterwegs. Im Instagram-Foto steht sie ausgelassen-fröhlich in einer Höhle, ihr Bauch flach, ihre Haut nass. „Wir haben hunderte Fotos aufgenommen, um das beste Bild zu bekommen. So genießt man sein Leben nicht.“

„Social Media ist nicht das echte Leben“, steht nun in der Beschreibung ihres Profils. Und: „Lest die bearbeiteten Bildunterschriften.“

In den Bildtexten holt sie richtig aus. Wie sie sich gequält hat, um gut auszusehen, manchmal tagelang hungerte. Dass sie für ihre Kleider manchmal nicht bezahlte. Dass Fotografen sie gut aussehen ließen, durch Bildbearbeitung. Dass der Badewannen-Post Werbung für Tee war. Dass sie an Akne leidet. Dass sie ihre kleine Schwester anschrie, weil die nicht gut genug fotografierte.

Essena hat genug. Einen neuen Blog startet sie trotzdem. „Lasst uns das Spiel verändern“, letsbegamechangers.com. Das neue Projekt ist ihr Geschenk an sich selbst zu ihrem 19. Geburtstag.

Unter Tränen erklärt sie in einem Video, wie dankbar sie für die Unterstützung ist, die sie nun erfährt. Und das junge Menschen nun die Realität hinter scheinbar perfekten Instagram-Bildern sähen. „Nichts ist perfekt daran, jeden einzelnen Tag damit zu verbringen, dein Leben perfekt aussehen zu lassen. Es ist nicht real. Es ist keine Inspiration.“

In ihrem vorerst letzten Youtube-Video erklärt sie, warum sie ihr Bild in der Öffentlichkeit nun ändern will. Quintessenz: Sie hat sich selbst auf ihren eigenen Fotos nicht mehr erkannt. „Bin ich das? Sehe ich so aus?“

Essena ist Teil einer Bewegung bei Instagram. Auf gestellte Perfektion folgte gestellte Imperfektion. Nun also die ganz harte Gegenbewegung. Es sind Instagrammerinnen wie Manja, die der Welt zeigen, wie normale Frauen aussehen. Kennt ihr auch besondere Instagrammer, die wir vorstellen sollten? Meldet euch gern, ip@ze.tt.

Update, 4.11.: Essena hat ihren Instagram-Account offenbar inzwischen vollständig gelöscht. Die Bilder, die wir in unserem Artikel eingebettet hatten, sind dementsprechend nicht mehr verfügbar.

NOT REAL LIFE – paid $$$ to promote both the jeans and top. More info on how instagramer's make a lot of $$$ on www.letsbegamechangers.com

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