Estland? Warum Briten nach dem Brexit in dem baltischen Staat Unternehmen gründen

Der Brexit hat allerhand Konsequenzen – besonders die ökonomischen Folgen machen den Briten zu schaffen. Estland nutzt diese Sorgen und schafft Auffangbecken für Unternehmer*innen.

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Ein kleines baltisches Land wird zum Auffangbecken besorgter Brit*innen. © nild/photocase.de

Die Europäische Union verband zu Gründungszeiten vorerst eines: die Wirtschaft. In den 1950er Jahren gründeten sechs Staaten die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, die sich dann zur Europäischen Union entwickelte.

Mit dem Brexit werden alle Handelsvorteile, die das ursprüngliche Wirtschaftsbündnis bot, für Großbritannien schwinden und die Nachteile an den ökonomischen Kräften des Landes zerren. Schon einen Tag nach der Bekanntmachung fiel das Pfund auf den tiefsten Stand seit dreißig Jahren. Kurse einiger Unternehmen rutschen um mehr als zehn Prozent ab.

How to stay in the EU – despite Brexit

Und während auf der großen Insel alle verzweifeln, hat ein kleines Land an der baltischen Küste einen Ausweg parat: Estland entwickelte die sogenannte E-Residenz und konzipierte eine Anleitung zum Verbleib in der EU trotz Brexits, die wir hier einsehen können: howtostayin.eu.

Und die Briten so:

Estland ist der erste Staat, der einen virtuellen Wohnsitz, die e-Residenz, ermöglicht. Als e-Resident bist du kein*e Staatsbürger*in, kannst aber mit deiner digitalen ID verschiedene Dienste der estnischen Regierung beanspruchen. Zum Beispiel eben online Unternehmen gründen. Und das steuerfrei und innerhalb von 24 Stunden. Alle Unterlagen und bürokratischen Hürden können die Unternehmer*innen dezentral regeln.

Estland trat erst 2004 in die Europäische Union ein. Die Möglichkeit der E-Residenz beschert der estnischen Wirtschaft seit 2015 einen ökonomischen Kick.

Das kleine Estland ist das neue Great Britain

Seit der Einführung im Sommer 2015 bewarben sich 1.000 Unternehmen aus 135 Ländern um eine E-Residenz in Estland. 88 Prozent der Unternehmen sidn Technikfirmen und beschäftigen sich primär mit Computern und Programmierung.

Estland ist ein technikaffines Land. Die Esten erfanden die Software für Skype und entwickelten den Bezahlservice Transferwise. Die Hauptstadt Tallinn wird öfter als das europäische Silicon Valley bezeichnet.

Schon 1997 baten 94 Prozent aller estnischen Schulen Online-Tools für Schüler*innen an. 2002 richtete die estnische Regierung freies WLAN an öffentlichen Plätzen ein. Fünf Jahre später führte die Regierung Online-Wahlen ein und investierte 2012 in ein High-Speed-Internet. Heute regeln 94 Prozent der Bevölkerung ihre Einkommenssteuer übers Internet.

Seit des Brexits verzehnfachte sich die Anzahl der Bewerber*innen um die E-Residenz. Eine Woche nach dem Referendum bewarben sich insgesamt siebzig britische Unternehmer*innen um einen Firmensitz in dem baltischen Land. Tendenz steigend.