Facebook-Kommentare beeinflussen Wähler

Kommentare bei Facebook beeinflussen die Meinung der Leser. Dieser Effekt kann die Beliebtheit eines Politikers beeinflussen. Das wurde in Experimenten nun belegt.

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Meinungsbildung bei Facebook: Zustimmung verstärkt sich, Hass auch. © Justin Sullivan/Getty Images

Es sind die sehr netten oder die sehr aggressiven Kommentare, die bei Facebook viel Zustimmung bekommen. Und Kommentare mit vielen Likes stehen ganz oben unter Beiträgen. Was da nun steht, das kann einen Effekt auf unsere Meinung haben. Das haben Wissenschaftler der Universität Delaware in Experimenten herausgefunden. Ihre Studie veröffentlichten sie im Fachmagazin Journal of Experimental Political Science. Sie fanden heraus: Wenn direkt unter einem Posting positive Kommentare stehen, mochten die Leser den Politiker eher. Standen zuoberst negative Bemerkungen, sank der Kandidat in ihrem Ansehen.

Die Politikwissenschaftler um Paul R. Brewer beschäftigen sich mit politischer Kommunikation. Die hat auf der Suche nach den Wählern ihren Weg ins Internet gefunden: Politiker sammeln Fans, Angela Merkel ist deutsche Spitzenreiterin mit fast 1,4 Millionen, Peer Steinbrück hat 63.000, Gregor Gysi 308.000.

Ein Like macht beliebt

„Eine Social-Media-Kampagne ist für politische Kandidaten heutzutage obligatorisch“, sagt Brewer. „Der Schlüssel bei Social Media ist: Es ist interaktiv, im Gegensatz zur traditionellen politischen Werbung.“ Früher mussten die Menschen schon auf die Straße gehen, um ihre Meinung zum Ausdruck zu bringen. Heute reicht ein Kommentar bei Facebook.

Für ihr Experiment legten Brewer und seine Kollegen Facebook-Profile für erfundene Politiker an und schrieben Kommentare unter die Postings. Mal standen Kommentare von Unterstützern oben, mal solche, die den Politiker herausforderten. Bewohner Delawares sollten dann ihre Meinung über einen Kandidaten in einem Fragebogen zum Ausdruck bringen.

Die Befragten passten sich der Masse an, sie teilten eher die Meinung der Kommentatoren. Ob die fiktiven Politiker auf die Kommentare eingingen zeigte keinen Effekt auf die Meinung der Wähler.

Kommentare können eine Wahl beeinflussen, schließt Brewer aus seinen Ergebnissen. Er selbst kennt sich mit der Manipulation der Meinung übrigens gut aus. Als Praktikant in einer Wahlkampagne musste er einst Briefe an Zeitungsredakteure schreiben – und seinen Arbeitgeber kräftig loben.