Familie schwimmt von Spanien nach Marokko – für sauberes Trinkwasser


Andreas Rotstam wird mit seiner Schwester und seinem Vater die Straße von Gibraltar durchqueren

 – 20 Kilometer. Für die Familie ist das keine rein sportliche Sache. 

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Die Straße von Gibraltar und Andreas, Emma und Peter Rotstam (von links). © dpa / Privat

Wasser ist Andreas‘ Element, schon seit er denken kann. Zu Schulzeiten stand der 21-jährige Schwede oft um halb fünf auf, um vor dem Unterricht noch ein paar Bahnen zu schwimmen. Doch was er mit seiner Familie im Mai vorhat, das „ist eine ganz besondere Herausforderung“, wie er sagt.

Zusammen mit seiner drei Jahre jüngeren Schwester Emma und seinem Vater Peter wird er von Spanien nach Marokko schwimmen. 20 Kilometer, vier bis fünf Stunden, von dem einen zum anderen Kontinent, werden sie die Straße von Gibraltar durchqueren. Eine Meerenge, durch die täglich etwa 300 Schiffe fahren.

Drei Jahre Warten auf die Erlaubnis

Die Idee dazu hatte der 46-jährige Peter Rotstam schon vor einigen Jahren. Denn die Familie hat in Fuengirola, südlich von Málaga, ein Sommerhaus. „Bei klarem Wetter sieht man von dort bis nach Afrika“, erzählt Andreas. Da war die Idee geboren: Dorthin, ans andere Ufer des Mittelmeeres, wollte Familie Rotstam aus Stockholm schwimmen.

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Es hat drei Jahre lang gedauert, bis sie die Erlaubnis dafür bekommen haben. In der dritten Maiwoche ist es soweit. Wann genau, das entscheiden Wetter und Wellengang. Sowohl spanische als auch marokkanische Behörden müssen dieser ganz besonderen Schwimmtour zustimmen. Außerdem brauchen sie Begleitung durch ACNEG, den Schwimmverband der Straße von Gibraltar.

Zwei Boote des Verbands begleiten die drei, geben die Richtung vor und können sie mit Getränken oder zur Not auch medizinisch versorgen. Und auch Andreas‘ Mutter Terese ist auf dem Begleitboot dabei. Die war anfangs zwar kritisch, vertraut aber auf die Sportlichkeit ihrer Kinder und ihres Mannes.

Auf demselben Weg sterben Tausende Flüchtlinge

Andreas gehörte einmal zu den fünf besten Schwimmern Schwedens in seiner Altersklasse, bis ihn eine Knie-OP vor drei Jahren unfreiwillig in eine Trainingspause schickte. Der Familienvater Peter trainiert eine Elite-Schwimmklasse, seine Tochter Emma ist Profischwimmerin und reist fast jedes Wochenende für Wettkämpfe durchs ganze Land. Da sie am besten in Form ist, wird sie an der Spitze der Dreiergruppe schwimmen.

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Vor ihnen sind erst zwei Landsleute durch die Straße von Gibraltar geschwommen, entsprechend groß ist das Medieninteresse an der Familie. Doch Andreas, der als Fitnesstrainer arbeitet, gibt sich bescheiden. „Für mich ist das nur ein normales Workout“, sagt er. Zwar waren drei Stunden am Stück bisher die längste Zeit, die er geschwommen ist, „aber genau das ist ja Teil der Herausforderung.“

Die Familie schwimmt von Europa nach Afrika. Ein Weg, den umgekehrt Tausende Flüchtlinge auf sich nehmen, um nach Europa zu kommen. Ein Weg, der für viele der letzte ist. Alleine zwischen 2000 und 2013 sind laut ProAsyl geschätzt 23.000 Flüchtlinge beim Versuch, Europa übers Mittelmeer zu erreichen, gestorben.

Einsatz für sauberes Trinkwasser

Gefragt, ob es nicht einen zynischen Beigeschmack hätte, diese Strecke zu schwimmen, reagiert Andreas, als wäre das die abwegigste Frage der Welt. Er schüttelt den Kopf. „Nein, das ist eine ganz andere Sache.“

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Dennoch machen er und seine Familie die Tour nicht nur zum Spaß. Sie sammeln Spenden für WaterAid, eine Organisation, die sich für sauberes Trinkwasser einsetzt. Die Idee kommt von Andreas. „Ich dachte, das passte ganz gut. Immerhin ist das das Element, in dem wir uns bewegen.“ Immerhin sterben täglich etwa 1000 Kinder an den Folgen von schmutzigem Wasser. „Dagegen wollen wir etwas tun. Wir leben doch alle dasselbe Leben.“