Fearless Girl: An der Wall Street gibt es eine neue Feministin

Anlässlich des Weltfrauentages hat eine Investmentfirma eine Statue an der Wall Street aufstellen lassen. Das Fearless Girl soll ein Zeichen für Gleichberechtigung setzen.

Dass ihre Aktion so viel Aufmerksamkeit erregen konnte, wird die New Yorker Investmentfirma State Street Global Advisors mit Sicherheit erfreuen. Gemeinsam mit der Werbeagentur McCann hatten sie die Aufstellung der Bronzestatue geplant. Das Fearless Girl soll anlässlich des Weltfrauentages eine Aufforderung an die Firmen der Wall Street sein, mehr Frauen eine Chance in ihren Führungsebenen zu geben.

Zwei Statuen, eine Message

Auch der berühmte Charging Bull war einst nur als vorübergehendes Street Art Projekt gedacht. Ihn hatte der Künstler Arturo Di Modica gemeinsam mit Freunden in der Nacht vom 15. Dezember 1989 heimlich im New Yorker Finanzdistrikt aufgestellt. Das Kunstprojekt war Arturo Di Modicas Antwort auf den schwarzen Freitag zwei Jahre zuvor gewesen. Er wollte daran erinnern, dass es jeder mit harter Arbeit und der richtigen Einstellung in den USA zu etwas bringen könne – selbst nach solchen Rückschlägen. Der Bulle sollte den amerikanischen Kampfgeist und die männliche Kraft symbolisieren. Dass der Bulle am Ende stehen blieb, hatte er einer Petition der New Yorker*innen zu verdanken. Auf ihre Bitte hin, stimmte die Stadt einem Verbleib der Statue auf unbestimmte Zeit zu.

Die Aufstellung des Fearless Girls war weit weniger spektakulär. Die beteiligten Firmen hatten zuvor brav die Genehmigung der Stadt New York eingeholt. In der Frage nach der symbolischen Bedeutung ihrer Aktion, hatten sie sich jedoch an Arturo Di Modicas Projekt orientiert. Auf einer Bronzeplatte neben dem Fearless Girl ließen sie die Worte „Erkenne die Macht von Frauen in Führungspositionen“ eingravieren. Es scheint damit beinahe so, als ob das Fearless Girl den Charging Bull eher ergänzt, als ihm entgegenzustehen. Frei nach dem Motto: „Du warst vielleicht bisher der Chef, aber vergiss ja nicht, dass auch ich hier eine wichtige Rolle zu spielen habe.“

Eine Kunstaktion, die bleiben könnte

Geplant ist ein Verbleib der Statue für eine Woche. Aber vielleicht werden auch dieses Mal New Yorker*innen für eine Verlängerung der Installation plädieren. Diese erfreut sich bisher nämlich nicht nur bei den Tourist*innen großer Beliebtheit, sondern auch bei den New Yorker*innen selbst. Anwohner*innen statteten inzwischen sogar beide Statuen mit rosa-Pussyhats aus, wie sie beim Women’s March getragen wurden.

Es wäre wünschenswert, dass das Fearless Girl über eine bloße Werbeaktion hinaus ein Symbol für weiblichen Widerstand wird. Denn auch, wenn es einen etwas bitteren Nachgeschmack hinterlässt, dass ausgerechnet Investmentfirmen sie aufstellen ließen: Sie repräsentiert weiblichen Kampfgeist authentisch und eindrucksvoll. Sowohl die Initiator*innen als auch Anwohner*innen hoffen daher, dass sie ein Dauergast im New Yorker Finanzdistrikt wird. Immerhin würde es ja auch nicht reichen, Frauen nur für eine Woche des Jahres in Führungspositionen zu haben, oder?

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