Feinstaubalarm in Stuttgart: Warum es Zeit wird, dass wir mehr Fahrrad fahren

Nirgends in Deutschland ist die Luft so belastet wie in der Baden-Württembergischen Landeshauptstadt. Heute löste Stuttgart als erste deutsche Stadt den Feinstaubalarm aus.

©Marijan Murat/dpa

Verkehrsteilnehmende in Stuttgart werden auf den Feinstaubalarm aufmerksam gemacht ©Marijan Murat/dpa

Stuttgart ist zu dreckig. Regelmäßig überschreitet Stuttgart den EU-Grenzwert von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft. Jetzt zieht Oberbürgermeister Fritz Kuhn von den Grünen Konsequenzen daraus. Schon am vergangenen Samstag appellierte er: „Lassen Sie Ihr Auto an den Alarmtagen möglichst stehen.“

Der ausgerufene Feinstaubalarm gilt vorerst für 24 Stunden, je nach Wetterbedingungen kann er weitere 24 Stunden verlängert werden. Auf Straßenschildern, Bannern und in Verkehrsmeldungen werden die Stuttgarter dazu aufgerufen, ihr Auto in der Garage zu lassen. Stattdessen sollen die Bürger auf Fahrräder, Fahrgemeinschaften oder Öffentliche Verkehrsmittel zurückgreifen.

Oberbürgermeister Kuhn vertraut auf die Freiwilligkeit der Bürger

Bisher seien nicht bedeutsam weniger Autor auf den Straßen unterwegs, berichtet der Südwestrundfunk. Dennoch vertraut die regionale Politik auf die Freiwilligkeit der Bürger – Verbote werden gemieden. Das ist den Bürgerinitiativen, wie dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und der Deutschen Umwelthilfe (DUH) in Stuttgart zu lasch. Sie fordern konkrete Anweisungen für die Stuttgarter.

Andere Städte sind in solchen Ausnahmezuständen mit konsequenteren Beispiel vorausgegangen. Am 27. September 2016 verhängte Paris ein Fahrverbot im Zentrum. Mit Erfolg: Laut The Guardian sank die Konzentration von Stickstoffdioxid in der Luft innerhalb eines Tages um bis zu 40 Prozent. Auch die Lärmbelastung sank um die Hälfte. Bürgermeisterin Anne Hidalgo will künftig ein permanentes Autoverbot durchsetzen.

Und damit ist sie nicht die Einzige: Oslos Regierung will bis 2019 private Autos permanent verbieten. Wie Reuters berichtete, geht es dabei um 350.000 Fahrzeuge, die zukünftig nur noch außerhalb des City Centre fahren dürfen. Damit die Großstädter mobil bleiben, werden über 60 Kilometer neue Radwege gebaut und der öffentliche Verkehr ausgebaut.

Paris, Oslo, Dublin, Helsinki – Städte gehen mit guten Beispiel voran

Auch Dublins Zentrum wird autofrei. Die Stadt veröffentlichte im Juni einen 150-Million-Euro-Plan, der vor allem in eine verbesserte Infrastruktur für Radfahrer und Fußgänger investiert. Auch die Finnländer haben konkrete Pläne: Bis 2025 soll das öffentliche Verkehrsnetz so optimiert werden, dass der Kauf eines eigenen PKWs nicht mehr nötig sein wird. „Mobile on demand“ soll der Service heißen. 

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Die Dringlichkeit dieser Maßnahmen ist offensichtlich. Es muss sich dringend etwas ändern. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte zuletzt 2013 vor den gesundheitlichen Folgen der Luftverschmutzung. Zahlreichen Krankheiten – darunter Arteriosklerose, Diabetes und Krebs – können durch verpestete Luft ausgelöst werden. Einer Studie der WHO zufolge sterben jährlich sieben Millionen Menschen an den Folgen der Luftverschmutzung.

Diese Fakten sollten uns aufwecken und die Frage nach Bequemlichkeit und Luxus überflüssig machen. Das Handeln jedes einzelnen ist wichtig – auch wenn wir dafür mal den inneren Schweinehund besiegen müssen. Die Stadt bietet dazu gute Alternativen. Also: Ab aufs Rad!