Feministische Gletscherkunde: Frauen sind die besseren Klimaforscher, sagt ein Wissenschaftler

Paukenschlag in der Klima-Debatte! Ein US-Professor hat eine „feministische Gletscherkunde“ entwickelt.

© Photo by Chris Jackson/Getty Images for Laureus)

Der Kilimanjaro-Gletscher in Tansania. © Photo by Chris Jackson/Getty Images for Laureus)

Mark Carey, Professor für Umwelt- und Wissenschaftsgeschichte an der University of Oregon, ist sicher: Wären mehr Frauen in der Gletscher-Forschung, dann würde es unserem Weltklima besser gehen. In seinem Aufsatz „Glaciers, gender, and science“ kommt der Amerikaner zu dem Schluss, dass der „Boys Club“ der Klimaforscher Schaden angerichtet hat.

Careys Beobachtung, die er aus mehr als 30 Jahren Forschungen zum Klimawandel zieht: Das Geschlecht des Studien-Autors hat Auswirkungen auf das Ergebnis der Klima-Studie. Mehr Feministinnen in der Klimaforschung würden gut tun. In seinem Aufsatz fordert Carey eine „feministische Gletscherkunde“, die die Grundlagen der feministischen Ökologie und moderne feministische Wissenschaftstheorie berücksichtigen soll.

Typisch Männer…

In seinem Aufsatz heißt es: Oft sähen Männer einfach „Eis als Eis“, während Frauen in ihren Forschungsarbeiten die Folgen des weltweiten Gletscher-Sterbens besser im Blick behalten würden. Dem „Science“-Magazin sagte er: „Die Erfahrungen einer Frau in der Katastrophenhilfe, beim Wiederaufbau des Zuhauses, beim Versorgen der Familie nach einer Gletscherwasser-Überflutung der Community sind andere als die der Männer.“

Das Studieren der Gletscherbewegungen ist ein Schlüsselelement in der Klimaforschung: Abschmelzende Gletscher können Überflutungen, Erdrutsche und andere Umweltveränderungen bedeuten.

Die Beziehung zwischen Gletscher und Geschlecht

In der Klimaforschung haben Frauen keinen leichten Stand, sagt Carey. Ihre Ergebnisse würden oft nicht ernst genommen. Im Interview erinnert er an eine Gruppe von Forscherinnen, die 1969 in die Antarktis aufbrachen: „Die Journalisten spekulierten darüber, ob die Forscherinnen in der Antarktis vielleicht einsam werden, oder auf einen „durchgedrehten Seelöwen“ stoßen könnten.“

Careys Aufsatz sorgt in den USA jetzt für Aufsehen – aber nicht wegen Careys „feministischer Gletscherkunde“, sondern dem Preis: Die National Science Foundation, eine unabhängige Einrichtung der US-Regierung, stellte 2013 für die Untersuchung der „Beziehung zwischen Gletschern und Geschlechtern“ umgerechnet mehr als 350 000 Euro zur Verfügung. So mancher Kollege von Careys Kollegen findet das ein wenig zu viel.