Die skurrilsten Fernbus-Geschichten der ze.tt-Leser*innen

Vor kurzem haben wir drei Geschichten über bizarre Fernbusreisen im Ausland vorgestellt. Wir haben euch nach euren skurrilsten Erlebnissen gefragt. Hier eine Auswahl euer Antworten. 

© SIMON MAINA/AFP/Getty Images)

Busse und Lastwagen in der Nähe von Nairobi in Kenia. © SIMON MAINA/AFP/Getty Images)

Ann-Kathrin in Indien: Wo ist der Volvo-Bus?

Die ultimative Überlanderfahrung in Indien ist ja eigentlich Zug fahren. Am besten in einem unklimatisiertem Nachtzug. Wer allerdings allzu kurzentschlossen ist, der muss, so wie ich, auf die langsameren Busse zurückgreifen.

© Ann-Kathrin Heidenreich

An ein Ticket zu kommen ist die erste Hürde. Die bequemste Art ist, einen Travel Agent (eine Art Reisebüro) aufzusuchen. Aber da ich wusste, wo die Bushaltestellen in Jaipur waren, beschloss ich, dort eins zu kaufen. Das kleine Häuschen des Fahrkartenverkäufers fand ich dann auch leicht. Die handbemalten Tafeln, auf denen Ziele und Preise angegeben waren, konnte ich allerdings nicht lesen – sie waren in Hindi bemalt.

Wann denn die regulären Busse nach Delhi fahren würden, fragte ich den lächelnden Verkäufer also. „At 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8….“ Da aber nicht alle Busse gleich lange brauchten, wollte ich gern die beste Klasse ergattern, die die Strecke am schnellsten zurücklegte. Es galt also herauszubekommen, welche das war. Nach einigem Hin und Her und den hilfreichen Kommentaren eines ursprünglich unbeteiligten Zeitungslesers stellte sich raus, dass der schnellste Bus nach Delhi der sogenannte „Volvo-Bus“ war.

Ich kaufte ein Ticket für den nächsten Morgen und war überpünktlich an der Station. Dort hielt ich Ausschau nach meinem Bus. Ich suchte natürlich nach einem Volvo-Bus. Bis sehr kurz vor Abfahrt hatte ich immer noch keinen entdeckt und verzweifelte langsam. Irgendwann sprach ich auf gut Glück einen Fahrer an und fragte ihn, wo der Volvo-Bus nach Delhi zu finden sein.

Blick aus dem Bus auf den Bus. © Ann-Kathrin Heidenreich

Er zeigte wie selbstverständlich auf seinen Tata, die am weitesten verbreitete Automarke Indiens. „Nein, nein“, sagte ich. „Ich suche einen Volvo.“ Dafür hatte ich ja ein teureres Ticket gekauft. „Ja, ja“, sagte der Fahrer. Da die Abfahrtszeit immer näher rückte, der Fahrer einstieg und auf die Hupe drückte und kein anderer Bus zu sehen war, sprang ich auch rein, obwohl ich dem Ganzen nicht so recht traute. Unsicher stolperte ich auf den letzten freien Platz zu. Als wir uns rumpelnd über die Straßen aus der Stadt bewegten, fragte ich zweifelnd meine Mitreisenden, ob wir Richtung Delhi unterwegs sein. „ Yes, yes,“ war stets die Antwort, aber das konnte von „definitv“ bis „Guter Witz“ alles bedeuten.

[Außerdem auf ze.tt: Bizarre Fernbusreisen: Von Hühnern, Hitze und Wodka]

Nach acht Stunden fuhr der Bus tatsächlich in seine Endstation in Delhi ein. Ein Freund von mir holte mich dort ab. Ich setzte zu einer Erklärung an, dass ich leider so spät sei, da ich den Volvo-Bus einfach nicht gefunden hatte, da unterbrach er mich lachend. Ich hätte alles richtig gemacht, erklärte er mir. Volvo sei mittlerweile nur noch die Bezeichnung des besten Buskategorie, es fuhren schon lange kaum noch richtige Volvos.

Fabian Schmidt in Ostafrika – 52 Stunden on the road

© Fabian Schmidt

Wer eine schwache Blase hat, sollte Busfahren in Ostafrika vermeiden. Und wenn man dann doch mal die Gelegenheit hat, im Gebüsch am Straßenrand zu verschwinden – und sei es nur, weil der Bus mal wieder eine Panne hat – dann gibt es ein ungeschriebenes Gesetz: Frauen gehen hinter den Bus, Männer davor.

Busfahren in Afrika ist immer ein Abenteuer, aber niemals werde ich die Reise von Tansania nach Sambia vergessen. Frühmorgens um vier Uhr sollten wir zum Ticket Office in Daressalaam, der größten Stadt Tansanias, kommen. Wir zeigten unsere Tickets vor, der Fahrer schickte uns in den Bus. Dort waren zwar noch keine anderen Passagiere, dafür umso mehr Gepäck, das bereits jetzt den kompletten Gang versperrte.

Nach einigen Stunden ging der Schaffner durch die Reihen, um sich nochmals alle Tickets der Reisenden anzuschauen. Als er sich meines genauer ansah, blickte er uns verwundert an und teilte uns mit, dass dieser Bus nicht nach Sambia fuhr, sondern ins benachbarte Malawi. Nicht gut, aber immerhin zunächst einmal die gleiche Richtung. Wir legten uns einen Plan für unsere weitere Reise zurecht: In einer größeren Stadt in der Nähe der Grenze wollten wir aussteigen, dort die Nacht verbringen und am nächsten Tag mit einem anderen Bus weiter nach Sambia fahren.

© Fabian Schmidt

Wir waren mittlerweile seit 18 Stunden (und einer Pinkelpause) unterwegs, als wir in der Nähe der Grenze ausstiegen, doch – Überraschung! – wir wurden bereits erwartet. Der Schaffner hatte uns einen Agenten organisiert, der sich vor Ort um unsere Weiterreise kümmern sollte. Uns das zu erzählen, hatte er offenbar vergessen. Der Agent brachte uns direkt in eine Lodge, in welche sich zuvor wohl noch keine europäischen Touristen verirrt hatten. Dafür sprach allein das Registrierungsformular, auf dem auch ein Feld für unseren Stamm vorgesehen war.

Während im vorderen Barbereich bis nachts um zwei mit dröhnender Musik gefeiert wurde, hatten wir unser Zimmer gefühlt direkt daneben. Nach drei Stunden Schlaf holte uns der Agent am frühen Morgen wieder ab, um uns zur Grenze und zu unserem Bus zu bringen. Es folgten diverse Fahrten mit den unterschiedlichen öffentlichen Verkehrsmitteln Ostafrikas, bis wir einige Stunden später an der Grenze ankamen, wo wir endlich unseren Bus erreichten. Es war tatsächlich der Bus, mit dem wir ursprünglich hätten fahren wollen. Der stand bereits seit dem vorherigen Abend an der Grenze, was wohl so üblich ist.

Panne. © Fabian Schmidt

Dass es nach unserer Ankunft allerdings immer noch nicht weiter ging, lag an den sambischen Grenzoffizieren. Für die Güter, die der Bus geladen hatte, verlangten diese vom Busunternehmen statt der üblichen 250 Dollar diesmal das Zehnfache. Nach vielen Stunden der Diskussion verloren selbst die einheimischen Mitreisenden so langsam die Geduld. Schließlich sollte jeder Passagier zehn Dollar für die Weiterfahrt bezahlen. Kaum hatten auch wir bezahlt – es war mittlerweile wieder Abend geworden – ging es los.

Dafür legten wir die restlichen 1.000 Kilometer dann im Schweinsgalopp zurück, von einer kleinen Panne mitten in der Nacht abgesehen. Am Morgen darauf, 52 Stunden nach der ursprünglichen Abfahrt in Tansania, erreichten wir endlich unser Ziel, die sambische Hauptstadt Lusaka. Im Gegensatz zu anderen Mitfahrern hatten wir aber noch Glück: Während wir die gesamte Fahrt über Sitzplätze hatten, mussten diese teils 14 Stunden am Stück im Gang, halb auf Reissäcken sitzend, ausharren.

Sophie in Tansania – der Busfahrer vergaß mich an der Raststätte

Portrait
© Sophie Heim

Vor zwei Jahren bin ich von Daressalaam in Tansania nach Lilongwe in Malawi mit dem Bus gefahren. Heute frage ich mich, was ich mir dabei gedacht habe. Alleine, als einzige Weiße und 19-jähriges Mädchen? Eigentlich nichts, ich wollte es einfach ausprobieren.

Insgesamt hat die Reise 74 Stunden gedauert, da unser Bus des öfteren stehen geblieben ist. An der Ländergrenze hat er dann ganz den Geist aufgegeben. Die Ersatzteile mussten aus der nächsten größeren Stadt herangeschafft werden.

Vorher hätte mich der Fahrer fast an einer Raststätte vergessen. Ich musste dem Bus hinterher rennen. Nur dank der schreienden Insassen hielt der Fahrer wieder an. Später verbrachten die erste Nacht an der Grenze im kaputten Bus verbracht, die nächsten zwei dann zum Glück in Hostels.

Malawi. © Sophie Heim

Dumm war nur, das wir am ersten Tag noch so euphorisch waren, dass wir schon nach Malawi rübergelaufen sind, uns also aus Tansania ausgestempelt und das Visum (inklusive obligatorischem Ebola-Test) auf malawischer Seite geholt haben. Da es dort jedoch keine sicheren Übernachtungsmöglichkeiten gab und unser Bus auf tansanischer Seite liegengeblieben ist, mussten wir für die Nacht wieder zurück – und haben am nächsten Tag beim erneuten Überschreiten der Grenze natürlich direkt ein ziemlich großes Problem mit den Polizisten bekommen.

Nach einer gefühlten Ewigkeit hatten wir die Reise dann überstanden. Und mit meinen engsten „Leidensgenossen“ – einer Kenianerin, einer Uganderin und einem Malawen, alle komplett unterschiedlichen Alters habe ich sogar heute noch Kontakt.