Flaute im Bett – Wie Sex-Apps dein Liebesleben verbessern. Oder auch nicht.

Mittlerweile erleichtern Smartphones mit der passenden App fast jede Situation unseres Alltags. Sie können Lebensbereiche organisieren und optimieren – aber verbessern Apps auch Sex?

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Liebe Technik, bitte mach mein Sexleben besser. © Pexels/CCO

Es gibt etliche Gesundheits- und Fitness-Apps, die uns beim Abnehmen und Fitwerden überwachen und mit deren Hilfe wir unser Essverhalten kontrollieren können. Sie versprechen alle dasselbe: Sie wollen unseren Körper verschönern, verbessern, verschlanken. Es war nur eine Frage der Zeit, bis Selbstoptimierunsapps auch unser Schlafzimmer erreichen. Ihre Mission: Das Sexleben aufregender machen.

Ich finde mein Liebesleben eigentlich schön so wie es ist, vielleicht nicht immer super verrückt, in einer Beziehung schleichen sich auch im Bett Routinen ein. Um die zu durchbrechen, habe ich ein paar der Apps selbst probiert.

Würfelspiele und Fruit Salat – Was zur Hölle?

Der Markt der Sex-Apps kommt selbst noch nicht so wahnsinnig optimiert daher. Geboten werden meist eine Reihe an einfallslosen Sex-Quizzes und Wahrheit-oder-Pflicht-Spielen, nicht sehr aufregend.

Die App Fruit Salad Tonight verrät mir durch ihren Namen wenig über ihren Nutzen, sodass sie mich zumindest dadurch neugierig macht. Es begrüßt mich eine Banane auf zwei Beinen und eine Papaya mit Schamhaarfrisur. Ich nenne sie beide Jane, das wurde so vorgeschlagen, und dann geht’s los. Die App möchte, dass ich an einem Spielautomaten herumdrücke, der mir wahlweise Sex-Stellungen, Rollenspiele, oder andere Aufgaben vorschlägt. Bei den meisten nimmt eine Person einen unterwürfigen Part ein, während die andere am Ende als Erlösung Sex anbietet – ähm, naja. Die Aufmachung der App ist kitschig und die Vorschläge, wie zum Beispiel „Stelle die Frage: Welche Superkraft würde unseren Sex verbessern?“ bringt auch einfallslosen Menschen keinen Mehrwert.

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Die nächste App Liebeswürfel, da ist der Name selbsterklärend. Dieses Spiel kenne ich aus der Schulzeit, damals noch mit richtigen Würfeln. Auf dem Smartphone ist es noch unspannender, da ich die Würfel nicht mal selbst werfen, sondern nur auf dem Bildschirm mit Würfelabbildern herumdrücken kann. Auf dem einen steht eine Aktion, auf dem anderen ein Körperteil, mehr gibt es dazu auch nicht zu sagen. Das mein Freund einen netten Mix zwischen meine Lippen küssen und Schenkel streicheln hinbekommt, das traue ich ihm auch ohne Würfel zu.

App für geheime Wünsche

UnderCovers bietet die Möglichkeit, geheime Wünsche miteinander zu teilen. Das alles funktioniert per Swipe, genau wie bei Tinder. Nachdem die erste Person die Sexpraktiken durchgeswipt hat, wird eine Einladung zur App inklusive Code an die andere Person geschickt. Da musste ich gezwungenermaßen stoppen, denn für die App gibt es bisher keine iOS Version.

© Giphy
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Vorausgesetzt beide haben ein Android Phone werden anschließend Matches angezeigt, also nur die Vorlieben, die beide teilen. „Undercovers“ ist meiner Meinung nach etwas für Menschen, denen es schwer fällt, über ihre Bedürfnisse zu sprechen. Hier können sie ihre Fantasien schriftlich, spielerisch mitteilen. Auch wenn ich persönlich kein Problem damit habe, frei zu sagen, was ich gerne mag und was nicht, finde ich die Idee hinter „UnderCovers“ nicht schlecht. Es kann auch etwas Heißes haben, meinem Freund auf der Arbeit schweigsam mitzuteilen, was ich mir gerne von ihm wünsche, wenn wir am Abend wieder zu Hause sind.

Stöhne so laut du kannst

Spreadsheets möchte die Performance im Bett durch Stöhngeräusche, Dauer des Aktes und Stoßbewegungen messen. Zuerst fragt die App nach dem Geschlecht, dann nach dem Matratzentyp: Federkern, Schaumstoff oder Wasserbett. Anschließend soll eine Aussage über den eigenen Charakter getroffen werden. Ich muss mich also fragen: Bin ich eher sophisticated, cosmopolitan, flirty oder randy? Okay, mit dieser idiotischen Einordnung ist die App bei mir schon unten durch. Trotzdem wähle ich flirty.

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Doch der Clou kommt erst noch: Ich soll mein Handy aufs Bett legen und ein bisschen bouncen, damit das Telefon kalibrieren kann. Anschließend soll ich auch noch schreien und stöhnen. Ich komme mir so wahnsinnig dumm vor, als wäre es eine Kennenlernphase zwischen mir und der App. Dann ist das Profil fertig erstellt und die App wartet darauf, dass sie eingeschaltet und neben ihr so richtig laut gevögelt wird. Was die Beschaffenheit einer Matratze und die Lautstärke im Bett mit der Qualität von Sex zu tun haben sollen, ist mir schleierhaft. „Spreadsheets“ verbessert das Sexleben meiner Meinung nach nicht.

Silikon-Ring sagt wie es zu laufen hat

Ein nächster Schritt in Richtung Überwachung beim Sex könnte durch Lovely passieren. Zuallererst ist „Lovely“ ein vibrierender Penisring. Er funktioniert allerdings so ähnlich wie ein Sports Tracker und zählt während des Geschlechtsaktes die Anzahl der Bewegungen und verbrannte Kalorien. Außerdem soll erfasst werden, welche Stellung wie lange durchgehalten wurde sowie die G-Kräfte und die maximale Stoß-Geschwindigkeit. Abrufbar werden die Daten, so der Plan der Entwickler, per App. Lovely sendet via Bluetooth die Informationen ans Smartphone. Die App schlägt daraufhin vor, was darüber hinaus ausprobiert und verbessert werden könnte – aber no pressure, ist klar.

Schritt für Schritt auf dem Sex-Treppchen

Die Sex-App des Online-Erotikshops Amorelie Love Trainer (hier im Google Play Store) ist im Gegensatz zu vielen anderen Apps wirklich aufwendig und liebevoll gemacht. Nettes Sexwissen und witzige Sexfakten werden geliefert, auch klar, Kaufempfehlungen für den Amorelie-Shop. Sonst hat die App viele Parallelen zu einer Fitness-App, nennt Aufgaben „Love Trainings“ und kategorisiert sie nach verschiedenen Levels mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden.

Der virtuelle Personaltrainer fürs Liebesleben will mit Hilfe von Trainingseinheiten die Muskeln aktivieren. Übungen heißen hier: Magic Mountain, Hula-Hoop, oder der Korkenzieher. Sie sind damit vermutlich ähnlich schweißtreibend und spaßig wie Burpees und Handstand-Pushups.

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Es gibt Übungen für Sie, für Ihn und für zwei Personen. Eine Variante für Sie nennt sich „Das Dreieck“. Dabei sollen die Hände die Füße greifen und in der Luft gehalten werden. Die Übung macht angeblich die Hüfte beweglicher. Durch top gedehnte Adduktoren kann ich mit Sicherheit mein Stellungsrepertoire erweitern. Aber dass das nicht der Schlüssel für besseren Sex ist, haben die meisten von uns wohl schon herausgefunden.

Bei der „Gottesanbeterin“ soll man Sex im Ausfallschritt haben, also die Frau, der Mann liegt da wie ein Streichholz. Versprochen wird ein knackiger Po. Ich probiere es aus, mein Freund findet es lustig, ich habe tatsächlich irgendwann ein Ziehen im Po, aber das wars dann auch. Durch die Übung gibt es auf Dauer vielleicht einen straffen Hintern, aber mit Sicherheit keinen Orgasmus.

Bei der „Heiße Stuhl“ wird empfohlen, dass der Mann auf einem Hocker sitzt, während die Frau es sich „auf seinem Schoß bequem macht“ und dabei die Beine auch auf seinen Schultern ablegt. Durch diese Übung sollen beim Sex die Bauchmuskeln durch Sit-ups trainiert werden. Oder eben beide krachen dabei vom Hocker, die Bauchmuskeln sind so schwach, dass nicht die kleinste Bewegung möglich ist und/oder einer von beiden bekommt einen Hexenschuss. Mein Fazit: Sex als Sportprogramm, klar das ist auch eine Variante, aber verbessert wurde unser Sexleben dadurch nicht.

Der Clip der Pornoplattform PornHub zeichnet ein schönes Bild davon, wie sexy die Sex-Apps tatsächlich sind. Ich glaube, ich bleibe im Schlafzimmer lieber offline, auch wenn es dafür dann manchmal routiniert zugeht.