Wie wir Konzentration lernen können

Die Augen aufs Ziel, loslegen, und nichts anderes mehr tun, bis die Arbeit getan ist. Oh, ein Vögelchen.

Frederick Florin/AFP/Getty Images

Jetzt nur nicht ablenken lassen..! Frederick Florin/AFP/Getty Images

Multitasking hat noch nie funktioniert, so viel sei schon mal gesagt. Beim Multitasking ist die Ablenkung schon Teil des Plans. Doch nur noch eine Sache zu machen, das fällt uns zunehmend schwer. Dabei macht uns dieser Zustand kreativ, produktiv und sogar glücklich, fanden Mihaly Csikszentmihalyi und Judith LeFevre heraus (übrigens: Eigentlich sollte ich mal schnell einen Flug buchen). Ihre Theorie: Der Arbeitstag ist am schönsten, wenn wir gefordert werden – und die Anforderungen zu unseren Fähigkeiten passen.

Wenn wir es schaffen, uns zu konzentrieren, können wir in den Flow kommen: Die Zeit verliert an Bedeutung, nichts kann uns ablenken, wir sind glücklich, kreativ, wachsen über uns hinaus und lernen neue Dinge. Geselliger und fröhlicher sind wir in diesem Zustand nicht, aber wenigstens wird die Arbeit gemacht. (Wenn ich so weiter mache, schaffe ich es niemals zu meiner Verabredung.) Wichtig für die Konzentration sind unsere Arbeitsumstände, natürlich. Wir können aber auch trainieren. 

Wie wir Konzentration lernen

Sport machen, sich auch mal eine Pause gönnen, Internet aus – oder wenigstens die Emails (Emails! Habe ich Emails?), Meditation. Das rät in dieser Woche Business Insider. Ich habe wirklich keine Ahnung, wie ich auch nur eines davon umsetzen soll. (Wo ist überhaupt das Paket mit meinen neuen Sportsachen geblieben? Ich sollte kurz den Lieferstatus checken.)

Am Thema Meditation ist allerdings etwas dran. Wir müssen uns nicht in Yoga-Hose in den Sonnenaufgang auf Bali setzen (Ich zähle die Tage, bis die Tage wieder länger werden). Tatsächlich wissen wir: Wer sich eine halbe Stunde am Tag hinsetzt, und sich auf seinen Atem konzentriert, dessen Gehirn verändert sich zum Besseren. Er bekommt mehr von der Grauen Substanz (das glaubt mir doch wieder keiner, dass die wirklich so heißt), die auch für unsere Selbstkontrolle und das Erinnerungsvermögen zuständig ist (das Licht draußen ist gerade wahnsinnig schön).

Einatmen, ausatmen, einatmen, …

Mindfulness ist der Zustand, in dem wir uns ganz auf den Moment fokussieren, auf unsere Gefühle, körperlich wie psychisch, und auf das, was um uns herum passiert. Dadurch grenzt er sich von der Konzentration auf eine Sache ab. Mindfulness (einatmen… ausatmen… ob meine Heizung wohl schon wieder funktioniert? Achja: Mindfulness) zu trainieren kann uns die Konzentration erleichtern.

David Levy hat den Effekt von Mindfulness-Training auf die Konzentration untersucht und festgestellt: Es gibt ihn. „Das Ergebnis ermutigt uns. Es gibt immer mehr wissenschaftliche Belege dafür, dass bestimmte Formen der Meditation die Konzentrationsfähigkeit verbessern und Stress und emotionale Schwankungen reduziert.“ Bislang habe es jedoch kaum Indizien dafür gegeben, dass dieser Effekt auch Menschen mit stressigen Jobs hilft. David und sein Team hatten Personal-Manager Dienstpläne erstellen lassen, auf Zeit. (Was läuft eigentlich gerade auf den Nachrichtenseiten?) Dabei mussten sie mit dem ganz normalen Arbeitswahnsinn klarkommen: Telefon, Internet, Email, Chats.

David stellte fest, dass Menschen nach dem Training seltener auf Ablenkungen reagierten. Und wenn sie bewusst auf eine Ablenkung reagierten, fiel es ihnen danach leichter, sich wieder ihrer eigentlichen Aufgabe zuzuwenden. Achja – und wer geübt hatte, der wusste hinterher noch besser, was er getan hatte, als die gestressten Untrainierten.

Unser Gehirn wird neu vernetzt

Klingt esoterisch, ist aber so: Psychologen der Emory Universität in Atlanta haben festgestellt, dass nach dem Meditationstraining die Verknüpfung zweier Regionen im Gehirn besser kommunizierten. Die eine ist zuständig  für Aufmerksamkeit und Kurzzeitgedächtnis, die andere für unsere emotionale Selbstkontrolle. Die Wissenschaftler Wendy Hasenkamp und Lawrence Barsalou gehen davon aus, dass Meditierende deshalb eher in der Lage sind, sich zu konzentrieren und Störungen zu ignorieren.

Das Training geht übrigens so: Einatmen, ausatmen, einatmen, ausatmen. Und wenn eine Störung kam: Einatmen, ausatmen, einatmen… und immer schön auf das Gefühl im Körper konzentrieren. Wer das durchhält, der kann auch arbeiten.

(Uff. Fertig. Schlimmste Schreibqualen aller Zeiten. Wenigstens hab ich was gelernt.)


Was hat euch gelehrt, euch zu konzentrieren? Schreibt uns in den Kommentaren oder an ip@ze.tt.