„Flüchtlinge fressen“: AirBerlin sagt Sonderflug ab – Aktion findet trotzdem statt

Kurz vor dem Höhepunkt einer kuriosen Kunstaktion des Zentrum für Politische Schönheit sagt AirBerlin einen Sonderflug ab. Die Aktivist*innen wollten syrische Geflüchtete von der Türkei nach Deutschland transportieren. Trotzdem sollen Freiwillige heute Abend an Tiger verfüttert werden.

© JOHN MACDOUGALL/AFP/Getty Images

In Berlin wollen sich heute Abend Freiwillige Tigern zum Fraß vorwerfen. © JOHN MACDOUGALL/AFP/Getty Images

Das können die doch nicht machen? Geflüchtete fressen lassen? In der Öffentlichkeit?

Doch. Das Zentrum für Politische Schönheit (ZPS) will genau das machen – so liest es sich zumindest in deren Ankündigung zur Aktion. Auch der Presse gegenüber bestätigen die Verantwortlichen, man werde Geflüchtete fressen lassen, sofern die Bundesregierung bis heute nicht die Pflichten für Beförderungsunternehmen (§ 63 Abs. 3 AufenthG) aus dem Aufenthaltsgesetz streicht. Auch wir berichteten über die Kunstaktion.

Protestieren wollen die Künstler*innen und politischen Aktivist*innen also vor allem gegen das Verbot von Beförderungsgesellschaften, Geflüchtete ohne gültige Visa in Flugzeugen zu transportieren. Für sie ein sinnloses und willkürliches Verbot, mehr noch: Es führe unmittelbar dazu, dass Geflüchtete dazu gezwungen seien, den gefährlichen Weg über das Mittelmeer einzuschlagen und sich Schlepperbanden auszuliefern.

„Mit dem Transport von 100 syrischen Kriegsflüchtlingen werden wir den Druck auf die Bundesregierung empfindlich erhöhen, zumal die Einreise der Schutzbefohlenen unter dem Schutz der Zivilgesellschaft und vor den Augen der deutschen Öffentlichkeit geschieht. Es geht darum, das tödliche und vollkommen sinnlose Beförderungsverbot für Flüchtlinge abzuschaffen“, sagt Philipp Ruch, künstlerischer Leiter des ZPS in einer Pressemitteilung. 

Tatsächlich pokerten die Künstler*innen: Sie charterten vor einigen Monaten ein Flugzeug bei der Fluggesellschaft AirBerlin, nannten es „Joachim1“ und schalteten sogar eine Internetseite, auf der man den Flug der Maschine nachverfolgen kann. Nur sprachen sie gegenüber Air Berlin nicht die Wahrheit, weshalb das Unternehmen den geplanten Flug stornierte und den Vertrag kündigte. Die Künstler*innen hätten trotz mehrmaliger Nachfragen nicht den Zweck des Fluges erklärt, erst am 25. Juni schrieb das ZPS von den syrischen Geflüchteten.

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Arena der Flüchtlingsfress-Aktion in Berlin. © Daniel Sager

Aus dem Kündigungsschreiben von AirBerlin, das ze.tt vorliegt: „Ferner hat uns die Bundespolizei erst heute Nachmittag einen Internet-Link namens www.flugbereitschaft.de weitergeleitet, welcher u.a. ein Video enthält: nach der Beschreibung des aufwendig produzierten Videos soll eine Maschine ‚Joachim I‘ (… es ist wohl der airberlin-Flug gemeint, da die Flugdaten identisch sind) mit Asylsuchenden an Bord von Antalya nach Berlin fliegen; in dem Zusammenhang sind politische Aktionen sowie ein Kolosseum-Theaterspiel mit dem Titel „Flüchtlinge fressen“ zur Kritik an der Asylpolitik der Regierung geplant.“

Für eine Stellungnahme war AirBerlin bisher nicht erreichbar, die Pressestelle der Bundespolizei möchte sich nicht zur Sache äußern.

Aktion findet trotzdem statt

Die Bundesregierung hatte die Aktion bereits kritisiert. Auch das Innenministerium findet nun in einer Stellungnahme deutliche Worte:

Die 100 syrischen Bürgerkriegsgeflüchtete sollten nach Deutschland transportiert und anschließend, um 19 Uhr, ans Berliner Gorki-Theater gebracht werden. Dort stehen seit knapp vier Wochen die Käfige mit den Tigern.

Was genau dort heute Abend ab 18.45 Uhr passiert, ist nicht klar: Eine syrische Schauspielerin kündigte aber an, sie werde sich in jedem Fall von den Tigern fressen lassen.

ze.tt wird vor Ort sein und berichten.