Fotografin zeigt Alltagsbilder des Gründungsortes der Terrorgruppe Boko Haram

Fati Abubakar hat ein Ziel: Zu zeigen, dass die gewaltgetränkte Geburtsstadt Boko Harams auch glückliche Gesichter birgt.

Foto: Fati Abubakar/Instgram

An einem Montag auf dem Wochenmarkt in Maidiguri. Foto: Fati Abubakar/Instgram

Fati Abubakar kommt aus Maidiguri, die Hauptstadt des Bundesstaats Borno im Norden Nigerias. Sie liebt ihre Stadt. Sie hat viel Gutes dort erlebt. In ihrer Jugend ist sie auf Partys gegangen, besuchte regelmäßig die Schule und feierte Hochzeiten.

Heute ist sie die einzige Fotografin in ihrer Region. Auf dem Instagram Account @bitsofborno fängt sie mit ihren Fotos Geschichten ein, die wir von der Geburtsstadt Boko Harams zuerst einmal nicht erwarten: der Terror hat zwar vieles zerstört, aber nicht jegliches Glück. Die Einwohner*innen Bornos lieben ihre Stadt und schätzen die Arbeit der Fotografin. Kinder, die ihr auf Instagram folgen, feiern sie, rufen ihr nach.

Als die Terrorgruppe Boko Haram Anfang der 2000er erstmals für gewaltsame Aufruhen sorgte, schickten ihre Eltern Fati Abubakar nach London. Dort absolvierte sie ihr Studium im öffentlichen Gesundheitswesen an der London South Bank University.

Was sie aus London beobachten musste, tat ihr weh.

2009 wurde die nigerianische Regierung unter Goodluck Jonathan aktiv gegen die radikal muslimische Sekte Boko Haram. Die Polizei tötete den damaligen Führer Mohammed Yusuf. Kurze Zeit galt Boko Haram für besiegt – was sich nicht bestätigte.

„Westliche Bildung ist Sünde“

2010 bekannte sich Boko Haram zu einer Anschlagsserie auf Christen, bei der mindestens 38 Menschen starben. Die Anschläge lösten schwere Unruhen aus, die nochmals 42 Opfer forderten. Darauf folgten viele weitere blutige Anschläge, die sich gegen Christen und Muslime anderer Ausrichtung richteten. Boko Haram heißt übersetzt „Westliche Bildung ist Sünde“ – das ist die Bedeutung und gleichzeitig das Programm der islamistischen Gruppierung.

2014 sorgte Boko Haram durch die Massenentführung von 230 protestantischer Schüler*innen in Borno nochmals für Aufsehen. Alle offensiven Vorgänge der nigerianischen Regierung blieben erfolglos.

“Alle fokussieren nur noch das Trauma, das Boko Haram hinterlässt,” sagt Fati Abubakar der New York Times. “Sie etikettieren uns als post-traumatisch-belastete Bürger*innen. Aber als ich zurück nach Hause kam, sah ich Menschen, die wieder auf die Beine kamen.“

Abubakar nahm sich vor, die Menschlichkeit ihrer Heimatstadt wieder aufleben zu lassen. Ihre Fotos erzählen die Geschichten von Menschen, die in Maiduguri arbeiten und sich nach einem Leben in Sicherheit sehnen. Jeder ihrer Protagonisten ist auf irgendeine Weise von Boko Haram betroffen.

Kinder zeigen die schönsten Geschichten

Manchmal ist es schwer, zwischen traurigen Gesichtern ein glückliches zu finden. Aber es gelingt Fati Abubakar trotzdem. Die schönsten Geschichten bekommt sie von Kindern erzählt. Als Motiv ihrer Fotos transportieren sie Leichtigkeit und Hoffnung.

“Wenn alle sagen, dass hier bloß Unruhe währt, nehmen alle an, dass hier nichts anderes herrscht als Tod und Verzweiflung“, sagt Fati Abubakar. Sie möchte das Bild ändern – denn es ist an allen Ecken erkennbar: Das Leben nimmt seinen Lauf.