Französische Polizisten zwingen Frau, ihren Burkini auszuziehen

An einem überfüllten Strand in Nizza musste eine Frau unter Polizeianweisung ihren Burkini ablegen. Währenddessen steigen die Burkini-Verkäufe in Frankreich immens an.

© Screenshot | Twitter | Sami Nooh

Die Frau muss sich vor den Augen aller am Strand ausziehen. © Screenshot | Twitter | Sami Nooh

Die französische Polizei setzt das Burkini-Verbot an zahlreichen Stränden in Frankreich offenbar rigoros durch. Wie neue Fotos und ein Video jetzt zeigen, werden Frauen von bewaffneten Beamten dazu angehalten, sich ihrer Ganzkörper-Badekleidung zu entledigen.

Das kann auch erniedrigende Situationen schaffen: Umringt von vier Beamten und unter den Augen aller Strandgäste muss eine Frau sich etwa das Oberteil ihres Schwimmanzuges ausziehen.

Die Franzosen streiten seit Wochen über das Thema. In mindestens zwölf Städten wurden Burkinis an Stränden verboten. In Cannes etwa mussten Frauen eine Geldstrafe von 38 Euro bezahlen. Verschiedene Menschenrechtsorganisationen kritisierten das Vorgehen. Doch ein Gericht hat jetzt bestätigt: Das ist zulässig. Damit ist auch das harte Durchgreifen der Polizei legitimiert.

„Es ist die Übersetzung eines politischen Vorhabens, einer Gegen-Gesellschaft, insbesondere gestützt auf der Unterwerfung der Frau“, sagte Frankreichs Premierminister Manuel Valls. Er erinnerte an die 2004 eingeführte Null-Toleranz-Linie für auffällige religiöse Symbole wie öffentlich getragene Kruzifixe an französischen Schulen und das seit fünf Jahren geltende Burka-Verbot, wie die FAZ berichtet.

Die Auswirkungen sind bezeichnend: Laut Dailymail haben Polizisten einer 34-Jährigen gesagt, sie breche die Strandregeln, wenn sie ihren Körper ganz verhülle. Dabei hielten sie ihr eine Pfefferspraydose ins Gesicht. Eine weitere junge Frau wurde quasi wortlos aus dem Wasser zitiert, indem Polizeibeamte sich demonstrativ an den Strand stellen, wie einem Amateurvideo zu entnehmen ist.


Während viele unter dem Verbot zu leiden haben, profitieren andere: Seit die Diskussion vor einigen Wochen erstmals hochkochte, sind die Absatzzahlen für Burkinis in Frankreich um 200 Prozent gestiegen, wie die Erfinderin Aheda Zanetti aus Sydney mitteilt. Der Grund: Die Debatte ist gleichzeitig Werbung. Sie brachte Menschen zu ihrem Produkt. Sie bestellen nun Ganzkörperschwimmanzüge, um sich vor Sonnenbrand zu schützen – größtenteils handele es sich dabei um Nicht-Muslimas.

Für die 48-jährige Australierin sind die Verbote in Frankreich dennoch problematisch. Sie sagte der BBC, Burkinis seien Ausdruck von Freiheit und eines gesunden Lebens – und keiner Unterdrückung: „Ich weiß, was Hijab bedeutet. Ich weiß, was Schleier bedeutet. Ich weiß, was Islam bedeutet. Und ich weiß, wer ich bin.“

„Ich will, dass meine Mädels mit der Freiheit aufwachsen, wählen zu dürfen“, sagt Zanetti. Wenn sie einen Bikini tragen wollten, sei auch das ihre Wahl. „Kein Mann in dieser Welt kann uns sagen, was wir tragen oder nicht tragen sollen.“