Frauen am Mischpult: Eine Tontechnikerin spricht über Sexismus in der Musikbranche

Der Technikbereich ist bis heute eine klassische Männerdomäne. Das gilt insbesondere auch für das Feld der Tontechnik. Eine Tontechnikerin über Sexismus in der Musikbranche.

Am Mischpult sind Frauen eher selten zu sehen. Dirk Hinz / photocase.de

Dieser Text ist ein Auszug der multimedialen, interaktiven Scrollytelling-Geschichte „Pop ist kein weißer, heterosexueller Mann“ von detektor.fm.

“I’m not a female producer. I’m a producer.”

– Syd Tha Kyd (Odd Future & The Internet)

Hand hoch: Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet hinter “Rapper’s Delight” von der Sugarhill Gang und “The Message” von Grandmaster Flash – zwei der ersten großen Raphits überhaupt – eine Frau steckt? Sylvia Robinson produzierte Anfang der Achtziger die beiden Songs und gründete mit ihrem Mann das Label Sugar Hill Records. Ähnlich macht es heute die Produzentin und Sängerin Syd Tha Kid beim amerikanischen Hip Hop-Kollektiv Odd Future, oder die Berlinerin Melbeatz, jahrelange Produzentin von Kool Savas.

Aber mit dieser Rolle sind sie relativ allein auf weiter Flur. Hinter den riesigen Mischpulten in den Studios sitzen fast nie Frauen, genau wie an den Reglern vor den Bühnen. Von den sozialversicherungspflichtig gemeldeten Tontechnikjobs ist laut einem Bericht des Deutschen Kulturrats 2013 nur jeder fünfte mit einer Frau besetzt gewesen.

Quelle: Deutscher Kulturrat 2016: “Frauen in Kultur und Medien” S. 55

Eine von ihnen ist Michaela Voigt. Sie ist seit beinahe 30 Jahren in der Veranstaltungsszene tätig. Frauen wie sie hätten es nicht einfach, sich durchsetzen. “Den Umgang muss man mögen”, meint Voigt. Die Wahl des Imperativs kommt in diesem Zusammenhang nicht von ungefähr. Denn wenn die meisten entscheidenden Positionen in einer Branche von einem Geschlecht dominiert werden, muss man sich anpassen, sonst fällt es schwerer, aufzusteigen, wie ein Bericht des Instituts für Berufsforschung belegt.

Auf & hinter der Bühne

Als Tontechnikerin gilt es, das Tempo und besonders den Humor auszuhalten.

– Michaela Voigt, Tontechnikerin

Michaela Voigt hat ihren Weg zur Tontechnikerin in Ansbach in Bayern begonnen. Im Teenageralter stand sie das erste Mal an den Reglern eines Mischpults. Von da an war sie angefixt. In der eher beschaulichen bayrischen Kleinstadt bot sich keine Ausbildungsmöglichkeit und beim Rundfunk wollte sie nicht Tontechnik lernen. Zu angestaubt kam ihr der Laden vor. Also ließ sie sich 1986 beim ersten privaten Tontechnik-Institut im deutschsprachigen Raum in München ausbilden. Nebenbei machte sie auch selbst Musik, spielte Gitarre, sang und gründete ihre eigene Band. Heute ist Voigt in der Veranstaltungsbranche tätig und bietet Tontechnik-Workshops exklusiv für Mädchen und junge Frauen an.

Damals wie heute sei die Veranstaltungsbranche sehr von Männern dominiert. Von denen müsse sie sich zwar bis heute immer wieder sexistische Witze anhören, berichtet Voigt, ihr werde als gestandene Tontechnikerin aber auch viel Respekt entgegengebracht.