Frauen lieben den Alpha-Softie 2.0

Laut der Studie einer Dating-Plattform suchen Hetero-Frauen genau einen Typ Mann: den Alpha-Softie 2.0. Bitte wen?

Sieht so der Alpha-Softie aus, den wir Frauen uns alle wünschen? Foto: Pexels | CC0 Lizenz

Beziehungen: softes Alphatier gesucht!

Das Elixier, aus dem perfekte Beziehungen gemacht sind? Die Formel dafür kursiert immer wieder durchs Netz, durch vernebelte Weinabende mit Freund*innen, an der Kaffeetafel mit Oma. Was stellen wir uns also so an? Denn während wir es, so besagt es die Idee der sogenannten Generation beziehungsunfähig, immer schwieriger finden, einen festen Partner zu finden, mit dem sich langfristig etwas aufbauen lässt, gibt es doch scheinbar schon Rezepte, an die wir uns einfach halten sollten, um dem großen Glück näher zu kommen. Wie das aussehen kann?

Nun, fragt man nicht die beste Freundin, die wahrscheinlich sagen würde, jemanden der dich glücklich macht, sondern eine aktuelle Studie von der Dating-Plattform Elite Partner, dann erfährt man Genaueres: Wir Hetero-Frauen, heißt es da, suchen den Alpha-Softie 2.0. Bitte wen?

Diesen hier:

„Alpha-Softie bezeichnet den Typ Mann, von dem viele Frauen heute träumen: Er erfüllt einerseits die herkömmliche männliche Rollenerwartung des klassischen Versorgers und weist andererseits eher weiblich konnotierte Eigenschaften auf, ist familienorientiert, sinnlich und sensibel.“

Dieser Mann, von dem wir Frauen träumen, ist also einer, der beruflich erfolgreich ist, richtig Kohle macht, aber eben auch Bock auf Familie hat. Ich falle um, bahnbrechend ist das. Schon tausendmal gehört – aber macht es das deshalb wahr und richtig? Doch, Moment, es geht noch weiter. Denn mehr Spannendes fördert die Studie zutage: Seit 2012 wollen die Frauen noch mehr, nämlich einen guten Liebhaber. Ja, potztausend! Endlich versteht mal jemand, wie wir Frauen ticken. Also nichts wie ran an die Alpha-Kevins, äh, Alpha-Softies.

Alpha-Softies für alle! Oder lieber: für niemanden

Da gäbe es nur ein Problem. Ich finde mich irgendwie in der Beschreibung nicht wieder und ich würde das auch nicht als Empfehlung an meine Freundinnen weitergeben. Aber vielleicht bin ich ein Freak, das kann gut sein.

Vielleicht aber sehen es ja noch andere Frauen wie ich, die nicht daran glauben, dass eine hohe Anspruchshaltung, wie sie uns in dieser Studie nachgesagt wird, mit einem hohen Einkommen und etwas Kinderfreundlichkeit belegt werden kann. Das mit dem Liebhaber sei mal außen vor genommen, den haben wir natürlich gerne. Aber ob das nun ein Zeichen für einen hohen Anspruch ist, im Bett gut zusammenzupassen? Ich glaube erstmal, das ist das Normalste der Welt. Und das erfreut uns Frauen nicht erst seit 2012. Wirklich, das fanden wir schon vorher toll, sagt meine persönliche Umfrage – und etwas Menschenverstand.

Nee Leute, beim Gedanken an einen Alpha-Softie 2.0 verschließt sich in mir alles. Und das liegt nicht an den Männern, die diese Merkmale vielleicht aufweisen, sondern an der ekelhaften Schublade. Ohne Mist, dieses Label hat wirklich niemand verdient. Es klingt zeitgleich nach dicker Hose und weichem Trottel. Und danach, als müssten wir wirklich noch darüber reden, ob Männer weinen dürfen – Jesus, ja verdammt – oder ob jeder Mann, der Karriere machen will, gleich ein treuloser Chauvi ist, der vor allem sich selbst im Kopf hat.

Wie eindimensional darf’s denn noch werden? Oder macht es das 2.0 besser, was auch immer das heißen soll? Wahrscheinlich war der moderne Mann mit Alpha-Softie auserzählt und das 2.0 lässt alles in neuem, gar abenteuerlichem Lichte glänzen. Ich bin ganz aufgeregt, echt. So aufgeregt, dass mir gerade schon beim Gedanken an diesen 2.0-Mann das Bein eingeschlafen ist.

Ist es so einfach?

Okay, in der Liebe machen wir es uns sicherlich auch gerne mal komplizierter als es ist – aber ich bin mir sehr, sehr sicher, die Allheil-Formel liegt für Hetero-Frauen nicht per se in diesem Männertypus begründet. Da verwette ich einen Thermomix, den ich zwar nicht habe, aber den sich bestimmt laut irgendeiner Studie ebenfalls alle Frauen wünschen. Args.

Ich meine, sicherlich, um miteinander glücklich zu werden, sollten ein paar Parameter stimmen, die man für sich selbst festlegt. Aber mit Kohle und Bock auf Familie ist nun mal nicht alles gesichert, schon gar nicht die Liebe. Und nur weil man hier noch Sensibilität mit in den Topf schmeißt, haben wir auch keine Lösung. Das ist mir alles zu oll und dann auch doch zu einfach. Aber Moment, Lea Fischbach, Diplom-Psychologin, die die Studie von Elite-Partner mit wissenskundigen Kommentaren versieht, weiß noch etwas mehr:

„Frauen entwickeln eine zunehmend emanzipierte Erwartungshaltung in der Liebe, die vor allem durch die Aufwertung ihrer gesellschaftlichen Stellung und einer finanziellen Unabhängigkeit gewährleistet wird. Dieses moderne Selbstbild führt dazu, dass viele von ihnen einen Partner suchen, der die partnerschaftliche, freundschaftliche und erotische Liebe gleichermaßen erfüllt.“

Puh. So, wer fühlt sich nun erleuchtet? Ich nicht. Also so gar nicht. Die hier beschriebene zunehmend emanzipierte Erwartungshaltung lässt mich innerlich verkümmern. Aber das moderne Selbstbild, das komplett basale Bedürfnisse in einer Beziehung zutage führt, gibt mir dann den Todesstoß. Was ist denn nur los mit uns Heteros? Oder wurden hier die Antworten der Befragten einfach nur so knatschblöd ausgelegt?

Denn ja, es stimmt: Ein Mann, der berufliche Ambitionen hat, ist schon was Feines – aber das sagt eben überhaupt nichts über den Kontostand aus, den er haben muss. Das erzählt vielmehr was über Leidenschaft und Ziele, Lust aufs Leben und sich auszuprobieren. Und ja, ich glaube, die meisten wünschen sich einen Partner, der Kumpel, Lover und Liebender ist – und sich nicht ängstlich zitternd hinter der Kommode versteckt, wenn es an den Abwasch geht, man sich über Gefühle unterhält oder das Gespräch irgendwann auf Kinder gelenkt wird. Und das wünscht sich sicherlich auch jeder Mann, der sich für diese Themen interessiert. Denn, Überraschung, nicht nur Frauen haben das Bedürfnis, diese Themen anzuschneiden. Und … ach, lassen wir das. Hier wurde einfach mal wieder die Blaupause für klischeehaftes Geschlechterverhalten verwurstet, um Erkenntnisse zu gewinnen, die kein Mensch braucht.

Vielleicht legen wir uns also besser darauf fest, dass es eben doch keine feste Formel für eine gute Beziehung gibt, sondern dass das ziemlich individuell ist. Und dass es nicht einem modernen Selbstbild entspricht, eine Beziehung zu führen, die verschiedene Anteile in uns anspricht, sondern eine Selbstverständlichkeit. Also: tschüss, Alpha-Softie 2.0. Hallo, Mensch.


Von Silvia Follmann auf EDITION F.

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