Frauen sind immer noch viel zu wenig im deutschen Fernsehen zu sehen

Die bislang umfassendste Studie zu Geschlechterdarstellungen in Fernsehen und Film zeigt, dass wir immer noch fern von Gleichberechtigung auf den Bildschirmen sind.

So gerecht wie hier sind die Rollen nicht immer verteilt. © Carsten Rehder/dpa

Über kaum ein Thema wurde in den vergangenen Jahren so viel diskutiert, wie über die Gleichstellung von Mann und Frau. In vielen Bereichen hakt es noch – auch im Fernsehen und Film, wie eine Studie der Universität Rostock herausgefunden hat.

Für die Studie analysierten die Beteiligten über 3.000 Stunden TV-Programm aus dem Jahr 2016 und über 800 deutschsprachige Kinofilme aus den vergangenen sechs Jahren. Sie schauten sich dabei ganz genau an, wie viele Rollen in fiktionalen Produktionen und Unterhaltungsformaten von Männern oder Frauen gespielt wurden und wer als Expert*in befragt wurde.

Männer dominieren fast alle Formate

Das Ergebnis zeigt: Frauen machen gerade mal ein Drittel der Hauptrollen im Fernsehen aus. Insbesondere im Kinderfernsehen dominieren Männer das Programm. Hier ist nur eine von vier Figuren weiblich. Einzige Ausnahme: Telenovelas und Daily Soaps. Die Geschlechterverteilung ist dort repräsentativ. Leider bedeutet das im Umkehrschluss: Wenn Frauen auftauchen, dann häufiger im Kontext von Beziehung und Partnerschaft als Männer.

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In Sachen informative TV-Programme und nonfiktionale Unterhaltung finden sich ebenfalls deutlich mehr männliche Moderatoren, Journalisten und Experten. Bei Formaten wie etwa Quiz- und Unterhaltungsshows, Kochshows, Musik- und Tiersendungen oder Castingformaten liegt der Männeranteil der Sprecher*innen bei 96 Prozent. Auch bei Informationsformaten wie Nachrichtensendungen, Magazinen oder Reportagen wird nur ein- von viermal eine Frau als Expert*innen herangezogen.

Nicht nur Geschlechter- sondern auch Altersgap

Die ungleiche Verteilung verstärkt sich zudem über die Altersgruppen der Geschlechter hinweg. Stichwort: Altersgap. Über alle Sender, Formate und Genres hinweg kommen bis zu einem Alter von Mitte 30 Jahren Frauen und Männer in etwa gleich oft vor. Danach geht es bergab: Je älter die Frau, desto seltener ist sie zu sehen. Ab 50 Jahren ist nur noch eine von drei Personen im deutschen Fernsehen eine Frau.

Die Untersuchung bildet die bislang umfassendste Studie zu diesem Thema und vor allem die aktuellste. Die vorangegangene liegt bereits über 20 Jahre zurück, in Bezug auf Kinderfernsehen über zehn. Initiiert hatte die Untersuchung übrigens eine Frau, die man aus dem Fernsehen kennt: Maria Furtwängler, die Tatort-Kommissarin Lindholm spielt.