Free Melania? Wie alle auf ein Fake-Meme reinfielen

Gestern waren die Timelines voll mit einem Gif: Melania Trumps Miene versteinert, als ihr Mann sich von ihr abwendet. Der Fall war klar: Die beiden lieben sich nicht. Doch so einfach ist das nicht.

Melania braucht Hilfe, das schien nach einem Gif klar. © Youtube

„Free Melania“, „Rettet Sie!“, „Krass!“ – gemeinsam mit diesen Kommentaren teilten gestern viele Menschen ein Gif von der Amtseinführung:

© GIPHY

Wie herrlich dieses Gif in das Weltbild von vielen passte! Zeigt es doch, wie Melania für einen kleinen Moment die Kontrolle über ihre Gesichtszüge verliert – und somit die Fassade, die sie die ganze Amtseinführung über aufrecht erhalten wollte, bröckelte. Plötzlich sah Melania aus wie eine einsame, traurige, vielleicht sogar verängstigte Frau, die a) entweder in einer unglücklichen Beziehung feststeckt oder b) von ihrem Mann als Objekt betrachtet und an der kurzen Leine gehalten wird.

Was auf dem Gif nicht zu sehen ist: Während des Moments, in dem es entstand, redeten gerade religiöse Vertreter. Alle Anwesenden waren zu dem Zeitpunkt respektvoll und andächtig. Gerade erst war ein Rabbi an der Reihe, nun erzählte ein christlicher Vertreter, dass es ein Zeichen von Gottes Segen sei, dass es anfing zu regnen, als Trump seinen Amtseid ablegte. Daraufhin nickte Trump seiner ihn anlächelnden Frau zu – die danach, wie alle anderen Anwesenden, wieder versuchte, einen der Situation angemessenen Gesichtsausdruck an den Tag zu legen. Zu sehen hier ab 02:52:09.

Anhand dieses Gifs interpretierten zahlreiche Menschen im Netz gestern die Beziehung von Donald Trump und seiner Frau. Dabei weiß natürlich nur sie selbst, ob sie ihren Mann liebt, ob sie glücklich ist, Hilfe braucht, sie sich objektifiziert fühlt.

Das Gif ist ungefähr acht Sekunden lang. Acht Sekunden aus acht Stunden Amtseinführung. Eigentlich irrwitzig, zu glauben, dass das Gif nicht aus dem Kontext gerissen sei.

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