Fuck yeah! Wer schimpft, ist klüger und attraktiver und gesünder und sowieso alles

Endlich ist es raus: Schimpfen macht alles besser und wer sich anständig ausdrückt, verliert. Lasst euch also nicht mehr den Mund verbieten, sondern gebt euer dreckiges Bestes. Scheiße, wie geil ist das denn?!!!1!!!elf!!

Nimm das, Welt! © Hilda Solis via flickr | cc by-nd 2.0

Schimpfen ist nicht nur eine Form von verbaler Aggression, sondern kann manchmal auch hilfreich sein. Mit Vulgärsprache lässt sich Stress abbauen, Schmerz besser ertragen und eine Menge Spaß betreiben. Ordinäre Begriffe sind allerdings nur ordinär, weil sie in der gepflegten Umgangssprache tabuisiert sind. Gerade das kurzzeitige Brechen solcher Tabus kann ganz schön amüsieren.

Schimpfen hat auch einen dramatischen Touch. Wer schimpft, möchte seinen Standpunkt in möglichst schonungsloser Art und mit einer gewissen In-Your-Face-Manier darlegen. Wer schimpft, sagt normalerweise genau das, was er sich denkt. Ohne sich große Sorgen um die Konsequenzen zu machen. Wer schimpft, handelt im Affekt.

Mehr noch: Schimpfen drückt Leidenschaft und Selbstbewusstsein aus. Auch wenn es vielleicht schroff rüberkommt, die Nachricht kommt zumindest laut und unmissverständlich bei dem*der Empfänger*in an. Ich selbst bin leidenschaftlicher Alltagsflucher und schimpfe mehr als es meiner Mama und meinem Chef lieb ist. Sämtliche Bemühungen, ein würdevoller und besonnener Mensch zu sein, sind bisher in die Hose gegangen. Oder wie ich eigentlich sagen würde: Sie waren für’n Arsch!

Schimpfen tut gut

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Bereits seit einigen Jahren untersuchen Wissenschaftler*innen den Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Kraftsprache und psychischen Verhaltensmustern. Die bisherigen Ergebnisse bringen gute Nachrichten: Für uns Vermaledeienden spricht viel mehr als für die gesegneten Bravköpfe da draußen, die penibel genau auf ihre Wortwahl achten.

Schimpfen ist meist mit starken Gefühlen verbunden und dient als emotionale Bewältigungsstrategie

„Wir sind dazu geneigt, vermehrt tabuisierte Wörter zu verwenden, wenn wir emotional sind. Wir fühlen uns dadurch stärker“, sagt Richard Stephens von der Keele University in England. „Ist jemand sehr von einer Sache überzeugt, hilft der gelegentliche Einsatz eines Schimpfwortes, um diese Sache zu betonen.“

Schimpfen führt zudem zu einer verminderten Schmerzempfindlichkeit. Im Jahr 2011 testete Stephens an 67 Studierenden, wie lang sie ihre Hände in Eiswasser halten konnten. Bei einem ersten Versuch durfte die Versuchsgruppe schimpfen, was das Zeug hielt und ihre Emotionen frei äußern. Der Test wurde daraufhin ein zweites Mal durchgeführt. Diesmal durften die Teilnehmer*innen nicht ordinär werden.

Das Ergebnis war wie erwartet: Die obszön schreienden Studierenden konnten ihre Hände im Durchschnitt 40 Sekunden länger im Eiswasser halten. Sie gaben an, grundsätzlich weniger Schmerzen empfunden zu haben als beim zweiten Versuch.

Niemand ist sexier als jemand, der mittels Kraftausdrücke Aufmerksamkeit fordert

Schimpfer*innen fühlen sich nicht nur selbstbewusster, sondern wirken offensichtlich auch attraktiver auf andere. Einer Umfrage zufolge empfinden sowohl Männer als auch Frauen schimpfende Menschen als sexy. Allerdings nur, wenn es in einem angemessenen Kontext erfolgt.

Vor allem das richtige Fluchen im Bett kommt gut an. Die befragten Männer und Frauen, aber speziell die Männer, finden ihre Partner*innen beim Sex noch heißer, wenn sie sich dabei dreckig äußern. Freilich will auch das gelernt sein, denn nicht jede*r kann gleich gut fluchen. Manche haben nicht das Zeug dazu – und dann wird es schnell mal peinlich unangenehm. Am besten schon mal vor dem Spiegel üben.

Schimpfende Menschen stauen keinen Stress und Emotionen auf

Es ist bereits hinreichend bekannt, dass jemand, der seine Emotionen und Frustrationen frei äußert, gesünder lebt als diejenigen, die all ihren Ärger runterschlucken und sich selbst beim Wachsen eines Geschwürs zusehen.

Stellt euch einen Luftballon vor, in den ständig mit Frust angereicherte Luft gepumpt wird. Irgendwann zerplatzt er mit einem lauten Knall. In meiner Analogie stellt dieser Knall den emotionalen Amoklauf dar, den wir logischerweise vermeiden möchten. Lieber immer wieder mal ein bisschen Frust in Form von Schimpfwörtern rauslassen, damit der Ballon und somit euren Gefühlshaushalt ganz bleibt.

Presst ihr in emotional herausfordernden Situationen ein extra lautes „VERDAMMTER FUCK!“ zwischen den Zähnen hervor, folgt augenblicklich eine kleine Erleichterung. Ich weiß es aus eigener Erfahrung. Nichts dient der Stressbefreiung so sehr, wie lautes, hemmungsloses Fluchen. Wir zeigen damit nicht nur, wie sehr uns das behandelte Thema beschäftigt, sondern befreien uns auch ein wenig von dem Ärger, der damit verbunden ist. Fluchen hat in diesem Sinne einen therapeutischen Effekt, der eine bleibende positive Wirkung auf unsere Psyche hinterlässt.

Untersuchungen zeigen, dass ein gelegentlicher Verbalausbruch ehrlicher Emotionen unsere Gehirne daran hindern, langfristig zu viel Cortisol auszuschütten – ein Stresshormon, das dafür verantwortlich ist, wenn wir uns auf diverse Arten furchtbar fühlen.

Schimpfende Menschen sind eloquenter

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Die US-amerikanischen Psycholog*innen Kristin L. Jay vom Marist College und Timothy B. Jay vom Massachusetts College of Liberal Arts versuchten herauszufinden, ob regelmäßiges Fluchen ein Indikator für die individuelle Intelligenz sein könnte. Das Experiment ging so:

Erst sollte jede*r Teilnehmer*in innerhalb einer Minute so viele Schimpfwörter wie möglich nennen. Danach so viele Nicht-Schimpfwörter mit einem bestimmten Anfangsbuchstaben sowie Tiere – ebenfalls in einer Minute. Das Ergebnis war, dass diejenigen, welche die Schimpfkunst fließend beherrschten, sowohl ein größeres Vokabular als auch ein solideres Sprachverständnis aufwiesen.

Das bedeutet nicht, dass euch vieles Schimpfen intelligenter macht oder klingen lässt. Auch das Gegenteil ist nicht der Fall. Wenigschimpfer*innen leiden nicht unter akuter Spracharmut. Die Ergebnisse zeigen bloß, dass ein hohes Sprachverständnis nicht unbedingt auf anständigem Vokabular beruht. Wird euch also das nächste mal derartiges vorgeworfen, könnt ihr eurem Gegenüber getrost „Verpiss dich“ ins Gesicht schreien.

Manchmal tut es eben ganz gut, der Welt den Mittelfinger ins Gesicht zu strecken. Lasst euren Ärger freien Lauf, schreit euren Chef an, beschimpft die Auto- und Radfahrer, die euch gefährlich nahe kommen, sagt der Tante an der Supermarktkasse gründlich eure Meinung. Schafft ihr es daraufhin auch noch, vor etwaigen reaktiven Faustschlägen in Deckung zu gehen, lebt ihr um einiges gesünder.

Außerdem auf ze.tt