Fünf Illustrationen zeigen, ob Ost- und Westdeutschland wirklich wiedervereinigt sind

Am 9. November 1989 fiel die Mauer. Steht sie 27 Jahre später vielleicht immer noch – in unseren Köpfen? Wir baten fünf Illustrator*innen aus Ost und West uns ihre Sicht auf das wiedervereinte Deutschland zu zeichnen.

„Ich denke, in meiner Generation ist das kaum noch ein Thema“, sagt mir die 32-jährige Illustratorin Juliane Grossmann. Die gebürtige Erfurterin arbeitet unter dem Künstlernamen Linienliebe und hält Deutschland für nahezu wiedervereinigt. In ihrem Bild verbinden sich die langen Haare zweier Frauen zu einem geflochtenen Zopf, der das Gemeinsame in unserem Land symbolisieren soll. Nur hie und da hängen noch ein paar Klischees und Vorurteile als Strähnen aus der Frisur.

"Ich bin der Meinung, dass wir wiedervereinigt sind, daher auch die sich gleichenden Frauen und ihre verbundenen Haare. Dennoch sind in unseren Köpfen noch immer Klischees und Vorurteile verankert, die wir immer noch nicht ganz ablegen konnten." © Juliane Grossmann
„Ich bin der Meinung, dass wir wiedervereinigt sind, daher auch die sich gleichenden Frauen und ihre verbundenen Haare.
Dennoch sind in unseren Köpfen noch immer Klischees und Vorurteile verankert, die wir immer noch nicht ganz ablegen konnten.“ © Juliane Grossmann
© Christine Illustration
© Christine Illustration

Christine Kurz hat die Wiedervereinigung Deutschlands als kleines Mädchen direkt miterlebt. Sie wuchs in einem Dorf in Hessen nahe der Grenze auf. „Als Kind war es oft ein bedrückendes Gefühl und kaum verständlich, wie ein Land durch so eine Grenze zig Jahre geteilt sein konnte“, sagt die Illustratorin, die heute in Berlin wohnt. „Ich habe an diesem geschichtsträchtigen Ort nie das Gefühl gehabt, dass es noch eine Teilung Deutschlands gibt. Berlin ist sicherlich das beste Beispiel für mich, wie Deutschland zusammengewachsen ist.“

Die Banane sieht sie zum einen als Symbol für den Warenmangel in der ehemaligen DDR zum anderen steht sie für die Einführung der Gesamt-Marktwirtschaft in der heutigen Bundesrepublik.

[Außerdem auf ze.tt: Deshalb heißt Deutschland in jeder Sprache anders]

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© Tino Gerdesius

Tino Gerdesius ist Ost-Berliner. Der Illustrator hält Deutschland ebenfalls für wiedervereint: „Heute können wir den Himmel sehen, und gemeinsam die Freiheit genießen, ohne uns über Mauern erheben zu müssen“, sagt er.

Sein Bild zeigt einen Mann, der ein Kind so über die Mauer hebt, dass es auf die andere Seite blicken kann. „Wenn man über die trennende Mauer hinwegschaute, so wie es dem Kind möglich ist, und optimistisch an eine Zeit nach der Trennung und dem Kalten Krieg glaubte, konnte man die leuchtende Zukunft sehen“, sagt Tino. 

Elke Lichtmann zeichnet seit ihrer Teenager-Zeit in Leipzig Cartoons, Comics und Karikaturen. Die 29-Jährige sieht die Wiedervereinigung als individuelles Gefühl, das jede*r durch die Erfahrungen, die er/sie mit „Ossis“ oder „Wessis“ gemacht hat, unterschiedlich empfindet.

In ihrem Bild hat sie eine Hochzeitsgesellschaft für uns festgehalten, bei der nur das Brautpaar wirklich glücklich zu sein scheint. Sie sagt: „Ich kenne mehrere ‚gemischte‘ Paare in meinem Alter – Ende 20, Anfang 30 – , die sich nicht um die Mauer scheren, aber deren Eltern und Großeltern erst mal wenig begeistert sind, weil sie noch eine Menge Vorurteile gegen ‚die anderen‘ haben.“

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© Elke Lichtmann

Lea Schneider ist ein „Voll-Wessi“ sagt sie mir augenzwinkernd. Sie ist „a waschechte Münchnerin“, wohnt aber mittlerweile ebenfalls in Berlin. Hier arbeitet sie als Lea Zeichnet und beschäftigt sich keine Sekunde damit, wo jemand herkommt: „Ob Ost oder West ist mir egal. Hauptsache, ich hab nen Späti und nen Supermarkt ums Eck.“

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© Lea Zeichnet Bild der Mauer © Paul Sableman Lizenz: CC BY 2.0

Dieser Video-Artikel ist Teil unserer Serie „Was ist deutsch?“. Mehr zu Serie findest du hier.