Fünf Regeln, die euch helfen werden, besser miteinander zu reden

Wir geben uns zu wenig Mühe, wenn wir mit unseren Mitmenschen sprechen. Dabei können wir mit ein paar einfachen Regeln schon viel erreichen.

Ein Anfang ist es, überschüssige Emotionen loszuwerden. © Andrew Branch / Stocksnap

In der Artikelreihe „Wie reden wir eigentlich miteinander?“ beschäftigen wir uns mit verschiedenen Formen und Theorien der Kommunikation. Viele dieser Methoden werden in der Psychologie gelehrt – oft sind sie so simpel wie logisch. Sie lassen sich ohne Aufwand in unser tägliches Leben integrieren. Wir von ze.tt denken, dass eine vernünftige Debattenkultur wichtig für unser Miteinander ist.

Wir denken viel zu wenig darüber nach, wie wir miteinander reden – und geben uns viel zu wenig Mühe, unsere Gespräche zu verbessern. Allzu oft sagen wir Dinge einfach so in den Tag hinein, ohne die Konsequenzen zu bedenken oder das Echo ertragen zu wollen.

Das mag sich wie ein hartes Urteil anhören. Ist es aber nicht, im Gegenteil. Seit ich mich für diese Reihe tiefer mit Kommunikation beschäftige, merke ich zunehmend, wie vielschichtig und fragil sie ist, wie viel Potenzial für Missverständnisse und Streitigkeiten in unseren Gesprächen stecken.

Es ist beeindruckend, welchen Dynamiken selbst die einfachsten Gespräche unterliegen. Achtet im Alltag mal darauf: Ein – vermeintlich – falscher Gesichtsausdruck, ein falscher Ton, ein falsches Wort genügt oft und eine Situation eskaliert. Oder jemand fühlt sich mindestens angegriffen, missverstanden und mauert in der Folge. Das gilt für Diskussionen im Job, wie für Beziehungs- oder Familiengespräche und vielleicht sogar für den Moment, in dem wir morgens beim Bäcker eine belegte Stulle bestellen.

Wie es künftig besser wird

Das hat einen ganz einfachen Grund. Es gibt etliche unsichtbare Faktoren, die ein Gespräch bestimmen, aber selten wirklich zur Sprache kommen: Wie ist die Grundstimmung der jeweiligen Gesprächspartner*innen? Hatten sie einen guten oder weniger guten Tag? Mit welchen Meinungen, welchen Vorurteilen gehen sie ins Gespräch? Sind sie aufgrund ihrer Vorgeschichte in irgendeiner Form belegt, positiv oder negativ? Haben sie in einer ähnlichen Gesprächssituation schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht und trainierten sich Automatismen an? Wie stehen sie zueinander, wie wichtig ist es ihnen, gelassen miteinander umzugehen? Wie gut haben sie sich selbst im Griff, wie gut können sie sich für die jeweils anderen zurücknehmen?

Das sind lediglich die emotionalen Pakete, die alle von uns ohnehin schon ins Gespräch mitnehmen. Wir sind, wenn man so will, vorbelastet. Immer. Im klassischen Smalltalk, im Bürogespräch und sehr oft sogar im Beziehungsgespräch wird das zu wenig berücksichtigt. Was deshalb oft passiert, ist Oberflächengekratze. Meistens liegen uns unsere eigenen Probleme so quer und wir sind emotional so aufgeladen, dass wir uns gar nicht richtig auf die anderen einlassen können. Wie oft das bei mir schon zu Missverständnissen und ungewollten Streits führte – ich kann ein Lied davon singen.

Daran habe ich gemerkt, wie viel zu beachten ist, wenn ein Gespräch nicht sinnbefreit sein oder in die Hose gehen soll, sondern bestenfalls entspannt und konstruktiv verlaufen. Müsste ich den wichtigsten Punkt aus allen bisherigen sieben Texten unserer Reihe herausstellen, wäre es deshalb:

Weg mit der überschüssigen Emotionalität.

Durchatmen, lockerer werden, öfter mal innerlich mit den Schultern zucken, öfter mal grundlos lächeln. Relax, alles halb so wild. Das gilt in beide Richtungen, ob wir nun Sender*in oder Empfänger*in im Gespräch sind. Das beginnt schon morgens, auf dem Weg zur Arbeit oder Uni. Dabei kann man gut üben, sich von Erwartungen und vermeintlichen Problemen freizumachen. Das heißt nicht, ab jetzt wie ein gefühlskalter Roboter durch die Welt zu gehen, sondern sich einfach generell weniger in Themen hineinzusteigern. So werden wir nach und nach viel offener für neue Aspekte und Meinungen werden. Und sparen uns emotionale Energie für Momente auf, in der wir sie wirklich brauchen.

Aus den Recherchen für die Reihe kann ich außerdem fünf Kernregeln aufstellen, die für bewusste Gespräche meiner Meinung nach unabdingbar sind:

  1. Wir sollten lernen, aufrichtig und aktiv zuzuhören. Das bedeutet, sich in einem Gespräch und besonders in Konfliktsituationen von eigenen Emotionen freizumachen und sich voll in das Gegenüber hineinzuversetzen. So beginnen wir, wirklich zu verstehen, was die Botschaft hinter der Botschaft ist. Wir machen so gleichzeitig das einfachste Zugeständnis überhaupt, nämlich anderen einfach zuzuhören und lernen dazu.
  2. Wir sollten uns einerseits viel mehr Mühe geben, klar zu formulieren, was wir wirklich wollen. Und andererseits viel öfter unaufgeregt nachfragen, wenn wir etwas nicht verstanden haben. Das betrifft zum Beispiel Terminabsprachen. So beugen wir Missverständnissen vor.
  3. Wir sollten nicht mehr unterschätzen, welche Macht unsere Mimik in einem Gespräch hat. Und künftig nicht mehr versuchen, das Offensichtliche abzustreiten. Die Wahrheit erfährt das Gegenüber nämlich sowieso, durch unsere erste mimische Reaktion auf eine Aussage – schuld daran ist das Emotionszentrum im Hirn, das Informationen schneller als alle anderen Hirnregionen verarbeitet und sofort Signale an die Gesichtsmuskulatur sendet.
  4. Wir sollten Streits positiver wahrnehmen, als Chance. Dazu gehört – so paradox es klingt – pragmatischer und aufmerksamer zu streiten. Ein paar einfache Tipps: das eigene Konfliktverhalten reflektieren, im Streit nur bei einem Thema bleiben und üben, unemotionaler zu widersprechen.
  5. Wir sollten unseren Umgang mit Kritik überdenken – und sie nur dann anbringen, wenn wir auch gleichzeitig vernünftige, konstruktive Lösungsvorschläge parat haben. Sonst ist das nur Genörgel, das ins Leere laufen wird. Verallgemeinerungen und Floskeln haben da außerdem nichts zu suchen. Und: Wer kritisieren will, muss umso mehr Verständnis für die andere Person aufbringen.

All diese Punkte führen dazu, dass wir Gespräche künftig viel achtsamer wahrnehmen, nicht mehr nur als Austausch von Informationen oder Befindlichkeiten.

Wer sie befolgt, kann Missverstehen und sinnlosen Konflikten das Wasser abgraben. Und noch viel mehr: Wir werden unsere Mitmenschen dadurch besser verstehen. Wer bewusster mit anderen spricht, kann viel über sie und sich selbst lernen. Das rückt Empathie wieder stärker in den Vordergrund unserer Kommunikation.

Denn ein tieferes Verständnis füreinander führt auch auf direktem Weg zu einem besserem Miteinander.


Wer mehr über gelungene Kommunikation erfahren will, findet hier eine Auswahl an Themen. Schickt mir gerne auch eine Mail an till.eckert@ze.tt, wenn ihr Fragen habt oder euch wünscht, dass wir noch weitere Aspekte bearbeiten.