Füße massieren im autonomen Future Truck?

Der Future Truck kann sich nicht nur selbst fahren, sondern erlaubt dem Transportmananger (ehem.: Fahrer), sich um anderen Kram zu kümmern. Fahren könnte zur langweiligen Nebensache werden. Könnte.

Screenshot Livestream der Jungfernfahrt .

Der autonome LKW braucht doch noch viel Aufsicht Screenshot Livestream der Jungfernfahrt .

Heute um 11 Uhr schickte Daimler einen außergewöhnlichen LKW auf Jungfernfahrt auf die A8 bei Stuttgart. Das Spannende an dem Fahrzeug: Es ist der weltweit erste autonom fahrende Lastwagen, der einmal in Serie gehen soll. An Bord saßen beim heutigen Test Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Würtenberg, und Wolfgang Bernhard, Vorstand der Daimler AG.

Die zwei nahmen die Rolle der sogenannten Transportmanager ein. Fahrer im klassischen Sinne wird es in den autonomen Lastwagen nicht mehr geben. Die Transportmanager sollen laut Hersteller fortan seelenruhig im Fahrerraum sitzen und sich mit anderweitigen Sachen beschäftigen können. Zum Beispiel Telefonieren oder Simsen (wird das jetzt wieder erlaubt?), Brettspiele spielen oder sich gegenseitig die Füße massieren.

Der LKW von Daimler, Future Truck genannt, regelt selbstständig seine Geschwindigkeit, hält Abstand, sucht sich den besten Weg aus und trifft generell erschreckend viele Entscheidungen auf eigene Faust. Bloß bei Baustellen oder anderen Hindernissen muss mensch noch eingreifen. Dementsprechend (an-)gespannte Gesichter muss wohl auch Kretschmanns Sicherheitspersonal gemacht haben. Wer kann denn derzeit ahnen, auf welche Ideen so ein autonomes Auto kommt?

Wenn es aber offensichtlich noch Situationen gibt, in denen ein Transportmanager eingreifen muss, muss sie oder er doch erst recht andauernd auf die Straße glotzen, um diese Situationen vorauszusehen. Da ist laut Hersteller vom „rollenden Arbeitsplatz mit Chancen auf neue berufliche Inhalte“ die Rede, obwohl man die Straße in Wahrheit keine Sekunde aus den Augen lassen und reaktionsschnell sowie hochkonzentriert bleiben sollte.

Beim heutigen Test handelt es sich nämlich bloß um Stufe 2 des automatisierten Fahrens, das immer noch ein ständiges Überwachen des Computers verlangt. Wird es einmal enger oder muss eine Ausfahrt erwischt werden, macht der Optimus Prime-Verschnitt von selbst nämlich gar nichts. Mehr Automatisierung soll kommen, ist aber rechtlich noch nicht erlaubt.

So bald wird’s also doch nichts mit Füße massieren im rollenden Arbeitsplatz. Gut, der Future Truck heißt nicht umsonst Future Truck, soll er doch erst in 10 Jahren serienmäßig auf den Markt kommen.