Geld ohne Auflagen: Finnland und Niederlande testen bedingungsloses Grundeinkommen

Finnland überweist 2.000 arbeitslosen Menschen Geld aufs Konto, in den Niederlanden sind es immerhin 250. Wie viel Geld bekommen die Teilnehmer*innen? Und was erhoffen sich die Initiator*innen? Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Tests. 

Finnland im Sommer: Radfahren oder Arbeiten? You decide. © Follow Your Nose / flickr

Wer bekommt das Geld?

In Finnland kümmert sich das Sozialversicherungsinstitut Kela auf Anweisung der Regierung um das Experiment mit bedingungslosem Grundeinkommen. Kela wählt zufällig 2.000 Menschen aus, die im November Arbeitslosengeld oder -unterstützung bekommen haben, berichtet die Deutsche Presseagentur (dpa). Die Proband*innen erfahren erst kurz vor Silvester davon. Sie müssen zwischen 25 und 58 Jahren alt sein. Ablehnen können sie nicht. Sie erhalten dann von Januar 2017 an für zwei Jahre monatlich 560 Euro. Das entspricht genau der Höhe des Arbeitslosengeldes und liegt wesentlich unter dem durchschnittlichem Einkommen von 2.700 Euro.

In den Niederlanden arbeiten die Universität Utrecht und die Regierung zusammen. Hier nehmen 250 arbeitslose Menschen am Experiment teil. Das Grundeinkommen beträgt 960 Euro. Die Testgruppe ist unterteilt. Man kann am Monatsende weitere 150 Euro erhalten, wenn man Freiwilligenarbeit leistet. Eine andere Gruppe erhält die 150 Euro im Voraus, muss sie aber am Monatsende zurückgeben, wenn sie keine Freiwilligenarbeit leistet. „Menschliches Verhalten ist nicht vorhersehbar. Wir wollen wissen, was Menschen motiviert und was am besten funktioniert“, sagte Loek Groot, Professor an der Universität, dem Atlantic.

Wer bezahlt das?

Sowohl in Finnland als auch in den Niederlanden wird das Experiment mit öffentlichem Geld bezahlt.

Was erhoffen sich die Initator*innen davon?

Häufig wird das bedingungslose Grundeinkommen als Weg gesehen, steigende Ungleichheit zu bekämpfen oder der zunehmenden Automatisierung der Arbeitswelt entgegenzuwirken. Befreit von finanziellen Sorgen soll ein Freiheitsraum entstehen, aus dem heraus der Mensch für sich lebt und arbeitet – und nicht für das Geld.

Das finnische Experiment hat weniger große Ambitionen. Das zeigt alleine schon der Betrag, der sich nicht vom regulären Arbeitslosengeld unterscheidet. Es soll Menschen ermutigen, die jetzt Arbeitslosengeld bekommen, einen Nebenjob anzunehmen. Viele Empfänger*innen von Sozialleistungen nähmen keine kleinen Jobs an, weil sie dann nach Abzug der Steuern vielleicht schlechter dastünden, sagte Marjukka Turunen vom finnischen Sozialversicherungsinstitut Kela der dpa. Das Grundeinkommen muss nicht versteuert werden, auch wenn man in einem Nebenjob viel dazuverdient.

Wir denken, das könnte ein großer Anreiz sein, wenigstens einen Halbtagsjob anzunehmen.

– Marjukka Turunen, Kela

Zudem soll Bürokratie abgeschafft werden. Wer jetzt arbeitslos ist, müsse ständig Formulare ausfüllen und Anträge stellen, sagt Turunen. Das sei bei dem Grundeinkommen nicht notwendig.

Auch Loek Groot von der Universität Utrecht sieht eher administrative Vorteile und erhofft sich von seinem Experiment Einsparungen für die Staatskasse der Niederlande. „Das jetzige Wohlfahrtssystem verschwendet zu viel Geld und tut zu wenig, um seinen Empfängern zu helfen“, sagt er. Groot glaubt, dass ein garantiertes Einkommen ein effektiverer Ansatz sein könnte.

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