Generation Beziehungsunfähig: Tinder ist unsere Rettung!

Tinder hat einen schlechten Ruf. Sind Dating-Apps wirklich der Teufel, der unsere Generation beziehungsunfähig gemacht hat? Oder sind sie vielleicht der effizienteste Weg, den wir je hatten, einen Partner zu finden? Das behauptet zumindest eine neue Studie.

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Wir sind "Generation Beziehungsunfähig" – wirklich? © Pexels/CC0 License

Der Fluch des 21. Jahrhunderts: Dating-Apps

Tinder ist eins der heißdiskutiertesten Themen in meinem Freundeskreis. Während wir uns sonst in vielen Dingen – die AFD ist scheiße, die Wohnungspreise in Berlin viel zu hoch – einig sind, führt die Debatte um Tinder regelmäßig zu emotionalen Szenen.

Die Gruppe spaltet sich in Verfechter*innen und absolute Gegner*innen der App. Die Argumente dagegen: „Bei Tinder findest du nur Menschen, die schnellen, unverfänglichen Sex wollen.“ Was ja per se nichts Schlechtes sein muss. Nur taugt die App aus Sicht der Tinder-Hater absolut nicht, um eine ernsthafte Beziehung zu finden.

Ihr Urteil: „Tinder hat die Romantik zerstört und uns zur Generation Beziehungsunfähig gemacht.“ Aber ist das wirklich so?

In einem Artikel auf vice.com behauptet die Autorin Katherine Gillespie, dass das Unsinn sei. Unterstütz wird ihre These von einer neuen Studie aus Australien, die 366 junge Menschen zu ihrem Datingverhalten über Tinder und andere Dating-Apps befragt hat. Gegenüber vice.com gab Dr. Mitchell Hobbs, der Leiter der Studie, an, dass die große Mehrheit der Befragten die Idee vom monogamen Leben und von Langzeitbeziehungen unterstützte. 72 Prozent aller Teilnehmer*innen der Studie waren auch, während sie eine Dating-App nutzten, monogam orientiert.

Eine Studie rettet den Ruf von Tinder

Die Ergebnisse dieser Studie deuten also darauf hin, dass der Ruf von Dating-Apps schlechter ist als sie es verdient haben. Hobbs geht allerdings noch einen Schritt weiter. Seine Ergebnisse zeigten zudem, dass Tinder und Co. unser Liebesleben nicht nur nicht zerstörten, sondern darüber hinaus sogar immens vereinfachten. Nie zuvor konnten wir uns so effizient auf die Suche nach der Liebe machen.

„87 Prozent der Leute gaben an, dass sie durch die App mehr Möglichkeiten hätten, potenzielle Partner zu finden. Ungefähr 66 Prozent empfanden, dass die Apps ihnen größere Kontrolle über ihre romantischen und sexuellen Begegnungen gibt. Es (Dating-Apps A.d.R.) ist eindeutig eine gute Sache.“

Vielleicht sind, wie Hopps behauptet, die digitalen Datingangebote unserer Zeit tatsächlich nur die perfektionierte Form von Strukturen, die in unserem Leben schon seit Generationen vorherrschen. Ist Tinder vielleicht wirklich nur die modernste Form der Kontaktanzeige, die einsame Seelen schon 1950 in Zeitungen inserierten? Schon damals gab man seine Interessen und Vorlieben an und kreierte damit einen Filter für alle potenziellen Partner*innen.

Dating ist, was wir draus machen

Hobbs räumt ein, dass die Beschwerde, dass Dating-Apps voll von Menschen sind, die nur ungebundenen Sex wollen, angebracht ist. Das liege aber nicht an den Apps, sondern an ihren Nutzer*innen.

Es ist sicherlich unbestritten, dass Dating-Apps Vor- und Nachteile haben. Trifft man Idioten bei Tinder? Keine Frage, zuhauf! Und ist die Reduzierung auf eine Entscheidung für einen Swipe nach links oder rechts auf der simplen Basis eines Fotos oberflächlich? Auf jeden Fall (– dafür spricht übrigens auch, dass die Autokorrektur, während ich diesen Text schreibe, immer wieder aus Dating-App, Rating-App machen will).

Aber, Hand aufs Herz, wie viele Menschen kennt ihr, die ihre große Liebe kennengelernt haben, weil sie auf der Straße aus Versehen in sie reingerannt sind? Und, wie viele Menschen kennt ihr mittlerweile, die ihre aktuelle Beziehung über Tinder und Co. kennengelernt haben?

Im Endeffekt muss jede*r selbst für sich entscheiden, ob er*sie auf diese Art und Weise daten möchte. Ich kenne Leute, die auf diese Weise genau das gefunden haben, was sie suchten: Schnellen Sex, viele Dates, eine neue Beziehung. Und ich kenne Leute, die ein ganz wunderbar ausgefülltes und zufriedenes Singleleben führen, ganz ohne ihr Smartphone.

Tinder ist auf keinen Fall die Lösung all unserer zwischenmenschlichen Probleme. Herzschmerz und Einsamkeit wird es wohl immer geben. Aber Dating-Apps sind auch nicht eine Erfindung des Teufels. Sie können uns helfen, das zu finden, was wir gerade suchen. Und ganz ehrlich, wenn man sich Dating-Videos aus den 1980er Jahren anschaut, können wir froh sein über den Fortschritt, den Dating-Apps uns gebracht haben.


Von Helen Hahne auf EDITION F.

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