Genitalverstümmelung: Warum Frauen die Beschneidung angetan wird

„Das hat man schon immer so gemacht“ gilt als einer der Gründe für Beschneidung. Neue Forschung zeigt: Es ist nicht die öffentliche Meinung, wegen der Frauen beschnitten werden. Es sind die Werte in der eigenen Familie. 

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Niemals endendes Leid: Die Beschneidung ist etwas, das Mütter ihren Töchtern antun. © Spencer Platt/Getty Images

Eine „Reinigung“ soll die Beschneidung sein, und ein Schutz, damit die Frau kein Zwitterwesen wird. „Heute wirst du zur Frau“, mit diesen Worten werden Kinder beruhigt, erzählt eine Zeit-Reporterin. Die Nachbarn gratulieren, es gibt Süßigkeiten und dann kommt die Frau mit dem Messer und schneidet dem Kind Klitoris und Schamlippen ab. Gegen die enthemmte Sexualität und damit das Mädchen später mal einen Mann findet.

Soziale Normen wurden als Grund für diese Praxis angeführt. Die Wahrheit, so beschreiben es Anthropologen aus Zürich und dem Sudan im Fachmagazin Science, ist übler. Die Wahrheit ist den kleinen Mädchen viel näher. Es ist nicht das ganze Dorf. Ihre eigenen Familien sind es, die die Beschneidung fordern.

Ein Blick auf die Füße offenbart die bittere Wahrheit

Die Ökonomin Sonja Vogt ist eine der Autorinnen der Studie. Sie beschäftigt sich mit sozialen Normen in Gruppen. Im Sudan hat sie sich die Füße der Frauen angeschaut. „In den sudanesischen Dörfern, die wir uns angeschaut haben, bekommen die Mädchen Henna auf ihre Füße, nach dem sie beschnitten wurden. Daran haben wir die Beschneidungen gemessen.“ Sie stellte fest: „Familien, die beschneiden, und solche, die es nicht tun, leben Tür an Tür.“ Vom Zwang der Gemeinschaft könne deshalb keine Rede sein. Es ist der engste Kreis, die Familie, die sich für eine Beschneidung entscheidet. Soziale Normen zu ändern sei deshalb wenig erfolgversprechend.

Noch immer werden im Schnitt 8000 Mädchen pro Tag verstümmelt, schätzt Unicef. Das sind drei Millionen Jährlich. Die Folgen sind oft tödlich: Entzündungen, Komplikationen bei der Geburt, es können sich Fisteln bilden, das Risiko für eine HIV-Infektion ist höher. Viele Opfer sind für den Rest ihres Lebens traumatisiert – und tun es doch wieder ihren Töchtern an.