Gesetze bremsen Häuser aus Müll in Deutschland

Man nehme alte Autoreifen, Aludosen und ganz viel Erde – und mit etwas Geschick baut man daraus ein Earthship. Seit diesem Jahr steht ein solches Erdhügel-Haus auch in Deutschland. Weitere sollen folgen – doch Behörden bremsen eine Umsetzung wie in den USA. 

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So ein Haus wollen wir auch haben. © Screenshot/ detektor.fm

Ein Selbstversorger

Ein Earthship ist ein Haus, das in die Erde eingelassen zu sein scheint und das unter anderem mithilfe alter Autoreifen gebaut wird. Es kann vollkommen autark sein. Das heißt, es beheizt sich selbst, erzeugt eigenen Strom und hat eine eigene Wasserversorgung.

Dazu wird es Richtung Süden gebaut und ein Gewächshaus mit einer großen Fensterfront vorgelagert. Tagsüber, während die Sonne scheint, wird die dadurch gewonnene Wärme im Haus gefangen. Darüber hinaus lädt sich währenddessen eine Thermalbatterie auf, die die gespeicherte Wärme wieder abgibt, wenn keine Sonne mehr scheint. Gedämmt wird die Rückseite des Hauses mit Wänden aus Autoreifen und viel Erde.

Strom über erneuerbare Energien

Strom bekommt das Haus im Normalfall durch eine Photovoltaik- oder Windkraftanlage. Es lässt sich aber auch an das reguläre Stromnetz anschließen.

Das gilt auch für die Wasserversorgung, die öffentlich bereitgestellt werden kann (und in Deutschland aufgrund rechtlicher Vorgaben auch bereitgestellt werden muss). In der Theorie aber – und in den USA und Australien auch in der Praxis – fängt das Öko-Haus Regenwasser auf seinem Dach auf und versorgt sich damit selbst. Das Regenwasser wird dann in Zisternen unter dem Haus gespeichert und durchläuft verschiedene Filter, in einer letzten Stufe einen Keramikfilter, der auch Bakterien und Viren herauslöst. Damit ist es trinkbar.

Gesetzliche Bestimmungen in Deutschland

In Deutschland hingegen darf das so aufbereitete Regenwasser nur zum Waschen in der Waschmaschine, zum Bewässern und zum Spülen der Toilette genutzt werden.

Prinzipiell hat das Gebäude auch ein eigenes Abwassersystem. Das sogenannte Grauwasser, das aus der Dusche und der Waschmaschine abgeht, wird in der hauseigenen Pflanzenkläranlage im Gewächshaus vor dem Earthship gereinigt. Es durchläuft mehrere in der Erde eingelassene Pflanzkübel und wird dann am Ende durch eine Tauchpumpe direkt in die Toilettenspülung geleitet.

Das Earthship stammt aus den USA

Entwickelt hat das Erdhügelhaus der Amerikaner Michael Reynolds. Der Architekt hat 1971 sein erstes Earthship in der Wüste New Mexicos gebaut: ein Haus aus Müll, das ganz unabhängig ist oder zumindest sein kann. Inzwischen gibt es diese Gebäude überall auf der Welt – seit diesem Jahr auch in Deutschland, zwischen Stuttgart und Nürnberg. Bauherr ist die Gemeinschaft Schloss Tempelhof.

Die Kosten für ein Earthship liegen zwischen 1500 und 2500 Euro pro Quadratmeter, je nach Anspruch und Ausstattungswünschen – das ist etwas mehr als für ein herkömmliches Haus.

Das besondere Gebäude stellt detektor.fm-Reporterin Insa van den Berg im Interview mit Henry Farkas von Earthship Biotecture Deutschland vor.