Gnocchi, Quark und Integration: Frankfurter*innen laden Geflüchtete zum Essen ein

Wie bringt man Geflüchteten ihren neuen Heimatort näher? Am besten funktioniert das über gemeinsames Essen. Deshalb organisiert ein Team in Frankfurt die sogenannten Welcome Dinner, bei denen Menschen Geflüchteten ihre Tür für ein gemeinsames Abendessen öffnen.

Mehrere Gänge wie in Deutschland sind für die drei Welcome-Dinner-Gäste eine ungewöhnliche Art zu essen. © Patrick Bauer

Mehrere Gänge wie in Deutschland sind für die drei Welcome-Dinner-Gäste eine ungewöhnliche Art zu essen. © Patrick Bauer

Sahra, Lea und Matteo wuseln hektisch durch die Küche. Matteo, 26, Jurastudent, knetet Teig für Gnocchi, Lea, 26, Kinder- und Jugendpsychotherapeutin, rührt einen Nachtisch aus Quark und Himbeeren zusammen und Sahra, 23, Englischstudentin, mischt Knoblauch in die Guacamole. Alle sind aufgeregt. In einer Stunde kommen die Gäste.

Die stammen nicht aus dem Freundeskreis, der Familie oder der Nachbarschaft. Es sind Fremde. Und ihre Gastgeber*innen kennen nur drei Namen: Ayman, Mounira und Rajaa; ein Ehepaar samt Schwiegermutter. Die Frankfurter*innen laden die Geflüchteten heute zum Abendessen ein. Zum Welcome Dinner.

Die finden seit gut einem Jahr in Frankfurt statt. Das Konzept ist immer das Gleiche: Zwei bis drei Menschen öffnen ihre Wohnung zum Abendessen. Das Team von Welcome Dinner sucht zwei bis drei Gäste aus und gibt die Kontaktdaten weiter. Manche kochen zusammen, andere, wie Sahra, Lea und Matteo, bereiten das Dinner vor. Die ersten Welcome Dinner fanden 2014 in Schwedens Hauptstadt Stockholm statt. Die Idee wurde dann in vielen Städten Europas von Freiwilligen aufgenommen. So auch in Frankfurt.

Wie kann man Geflüchteten helfen?

Felix Trompell gehört zum Team und ist Mitgründer des Welcome Dinners Frankfurt. Der Sozialarbeiter und Theologe ist in einer Kirche aktiv und arbeitete im Herbst 2015 mit unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten. „Ich wurde immer wieder von Freunden gefragt: ‚Was kann ich tun?’, aber ich wusste selbst nicht so recht, wo man Flüchtlingen überall helfen kann“, erzählt er.

Ich liebe diese Stadt und ihre Multikulturalität.“

Deshalb organisierten sie im Oktober und November 2015 einen Kurs. Anderthalb Monate lang trafen sie sich einmal wöchentlich in der Kirche. „Jede Woche kommt eine Person aus einer Flüchtlingsinitiative, aus Mentoringprogrammen oder Flüchtlingscafés“, sagt Trompell. Dabei stießen sie auf das Konzept der Welcome Dinner. „Das war in Hamburg ein Riesenerfolg, und das wollten wir auch für Frankfurt. Wir wollten die ganze Stadt bereichern.“

Vom Welcome Dinner zum Weihnachtsessen

„Ich liebe diese Stadt und ihre Multikulturalität“, erzählt Trompell, „wir wollten das weiter stärken. Weil es doch ein tolles Gefühl ist, wenn du als Flüchtling in eine Stadt kommst und die ist an dir interessiert und will eine Beziehung zu dir aufbauen.“

In einer Crowdfunding-Aktion sammelten sie 2.000 Euro für Webseite, Flyer und Logodesign. „Wir hatten das Geld schnell zusammen und im Juni 2016 hatten wir unseren Kick-Off.“ Seitdem laden Frankfurter*innen Geflüchtete zu sich nach Hause ein. Manchmal bleibt es bei einem Abend, manchmal entstehen Freundschaften. „Wir hatten schon Dinner, da wurden die Gäste danach zur Weihnachtsfeier bei der Familie eingeladen“, sagt Trompell stolz.

Sahra, Lea und Matteo kochen für ihre Gäste. Andere, die beim Welcome Dinner ihre Wohnung öffnen, kochen gemeinsam mit den Geflüchteten. © Patrick Bauer
Sahra, Lea und Matteo kochen für ihre Gäste. Andere, die beim Welcome Dinner ihre Wohnung öffnen, kochen gemeinsam mit den Geflüchteten. © Patrick Bauer

It’s a match!

Um Geflüchete zu erreichen, gehen sie in Sprachschulen und verteilen Flyer. Frankfurter*innen finden sie vor allem über die sozialen Medien und den Freundeskreis. Auf der Webseite kann sich jeder als Gast oder Gastgeber*in registrieren. Das Team von Welcome Dinner besteht mittlerweile aus acht Personen, die sich um ein passendes Matching bemühen.

Alle, die bisher teilgenommen haben, sind begeistert. Das Feedback ist positiv. „Es ist ja super einfach: Ich nehme mir einen Abend Zeit, koche was und lerne Menschen kennen“, sagt Trompell.

So funktioniert Integration: Manchmal werden die Gastgeber*innen später selbst zu Gästen. © Patrick Bauer

Es geht weiter

2017 wollen sie nochmal richtig durchstarten: Das Ziel ist zwei Dinner pro Woche zusammenzubringen. Gerade jetzt sei ein guter Zeitpunkt für das Welcome Dinner. „Viele Flüchtlinge können mittlerweile etwas Deutsch und sind hier angekommen. Woran es fehlt, sind Kontakte zu Leuten aus Frankfurt. Wir wollen diese Kontakte herstellen.“

[Außerdem auf ze.tt: Geflüchtete zeigen Berlinern ihre Stadt]

Bei Sahra, Lea und Matteo hat es gut geklappt. Sie wollen in Kontakt bleiben. „Wir wurden direkt zum Essen eingeladen bei Ayman, Mounira und Rajaa“, sagt Lea am nächsten Tag. Das gemeinsame Essen sei eine einzigartige Möglichkeit gewesen sich kennenzulernen. Wer mag was? Wie isst man bei euch?

Ayman erzählt noch, wie er sich erst an deutsche Essgewohnheiten gewöhnen musste. „In Deutschland gibt es mehrere Gänge: Salat, Hauptspeise, Nachspeise. Bei uns kommt alles zusammen auf den Tisch“, erzählt er. Ayman und Mounira werden ihnen das bald zeigen. Dann sind die Frankfurter*innen die Gäste.