Go Home, Psychologie! Deine Studien sind nicht prüfbar

Viel Sex macht auch nicht glücklich und Pendeln psychisch krank, die Impfpflicht steigert die Angst vorm Impfen und früh eingeschulte Kinder haben häufiger ADHS: Die Forschung fördert regelmäßig spannende Infos über unsere Psyche zutage. Nur: Die Wissenschaft ist gar nicht so korrekt, wie wir glauben.

Da kann man ja verrückt werden!! Die Wiederholbarkeit von Forschungsergebnissen lässt stark zu wünschen übrig.

Da kann man ja verrückt werden!! Die Wiederholbarkeit von Forschungsergebnissen lässt stark zu wünschen übrig.

Viele der psychologischen Experimente, die in Fachjournalen erscheinen, lassen sich nicht mit gleichem Ergebnis wiederholen. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie der University of Virginia. Für die Untersuchung haben 270 Forscher aus der ganzen Welt 100 Befunde geprüft, die seit 2011 veröffentlicht wurden. Lediglich 36 Experimente konnten sie exakt replizieren.

Das ist ein großes Problem. Denn: Als empirisch bestätigt gilt nur das wissenschaftliche Ergebnis, das sich

  • unter gleichen Versuchsbedingungen wiederholen lässt
  • und immer gleich ausfällt.

Die Forschung spricht von Reproduzierbarkeit. Dass so viele Ergebnisse psychologischer Studien offenbar nicht diesem wissenschaftlichen Standard entsprechen, weckt starke Zweifel an der Arbeit der Forscher.

Auch gescheiterten Experimenten ein Forum geben

Das Problem der Wiederholbarkeit ist nicht nur eines der Psychologie. Schon vor einem Jahr kritisierten US-Forscher, dass sich auch viele biomedizinische Studien nicht wasserdicht bestätigen ließen. Sie sprachen von von einer „Krise der Wiederholbarkeit“. 2011 waren beispielsweise lediglich sechs von 53 große Studien in der Krebsforschung replizierbar, schreibt Reuters.

Um aber auch solchen Forschungen ein Forum zu geben, die nicht zu befriedigenden Ergebnissen kommen, gibt es in der Biomedizin das „Journal of Negative Results in Biomedicine“. Das öffentlich zugängliche Journal soll Forscher motivieren, auch gescheiterte Experimente zu veröffentlichen.

Die neue Studie wird die Diskussion über die Qualität wissenschaftlichen Arbeitens auslösen. Und sie womöglich sogar steigern.