Wir töten Biene Maja

Wenn wir weitermachen, wie bisher, sind Bienen bald vom Aussterben bedroht. Dann wird es richtig eng – auch für uns.

© Joe Raedle/Getty Images

Kleine, freche, schlaue Biene Maja © Joe Raedle/Getty Images

Bienen sind faszinierende Kreaturen. Sie arbeiten in Teams, kommunizieren durch Tänze in der Luft, merken sich den Weg zu weit entfernten Blumen, pflegen hingebungsvoll ihre Jungen und sind eigentlich ganz zutraulich.

Wenn es ganz dumm läuft, stechen sie mal. Eigentlich sind Bienen aber sehr entspannte Tiere, fliegen von Blume zu Blume, bestäuben Blüten, produzieren Honig. 70 Prozent der Nutzpflanzen können nur durch die Bestäubung von Insekten – zum Großteil von Bienen – Früchte bilden, die wir dann essen. Die Biene ist deswegen das drittwichtigste Nutztier in der Landwirtschaft, nach Rind und Schwein. Trotzdem machen wir den Bienen das Leben seit Jahrzehnten immer schwerer.

Es ist wie ein Kampf, der jährlich von Frühjahr bis Herbst ausgefochten wird. Ein Kampf, bei dem die Bienen meistens verlieren. Rund 36 Milliarden von ihnen schwirren allein in Deutschland durch die Luft. Um den Winter zu überleben, müssen sie sich ordentlich Vorrat zulegen. Normalerweise überlebt ein Zehntel aller Bienen den Winter trotzdem nicht. Das ist leider normal. Inzwischen sind es aber deutlich mehr, die jeden Winter sterben: bis zu 30 Prozent in den Industrieländern.

Warum?

Es gibt keine einfache Antwort auf diese Frage. Ein gefährliches Gemisch an äußerlichen Umwelteinflüssen schwächt die Bienen. An diesen Einflüsse sind wir schuld.

Pestizide

Das Gift, das regelmäßig auf Feldern gesprüht wird, wirkt bei Bienen wie ein Nervengift. Zu den Giften zählen auch sogenannte Neonicotinoide, die wie Nikotin wirken und die Bienen zusätzlich noch süchtig machen. Das heißt, Bienen fliegen gezielt die Pflanzen an, die mit dem Gift besprüht wurden. Durch die Pestizide verlieren Bienen die Orientierung, können nicht mehr mit ihren Artgenossen kommunizieren und kümmern sich nicht mehr um ihren Nachwuchs. Greenpeace hatte daher das Verbot von sieben verschiedenen Pestiziden gefordert. Im Dezember wurden immerhin drei der Bienen-Killer in Europa verboten. Das Verbot läuft aber diesen Dezember aus.

Monokulturen

Um möglichst viel Ertrag mit möglichst wenig Aufwand zu erwirtschaften, pflanzen Bauern auf gigantischen Flächen nur eine Sorte an. Oft werden alle Wildpflanzen in der Umgebung, auch am Feldrand, vernichtet. So haben die Bienen zwar eine kurze Zeit lang einen Überschuss an Nahrung, doch sobald die Felder abgeerntet sind, finden sie nichts mehr. Außerdem ist die Nahrung auf einem Feld, auf dem zum Beispiel nur Raps wächst, nicht abwechslungsreich genug, um die Bienen fit zu halten.

Varroa-Milbe

Geschwächte Tiere sind anfälliger für Krankheiten und Parasiten. Ein besonders fieser Blutsauger ist nur zwei Millimeter groß, beißt sich an den Bienen fest und befällt auch ihre Brut. Die Varroa-Milbe kam ursprünglich aus China, wurde aber inzwischen auf der ganzen Welt verbreitet. Weil vor allem in den USA mit ihren riesigen Getreidefeldern mittlerweile viele Bienen fehlen, fahren Imker ihre Bienenvölker hunderte Kilometer weit, um Pflanzen zu bestäuben. Auf diese Weise werden Krankheiten in alle Winkel des Landes getragen. Und der Transport schwächt die Tiere zusätzlich.

Wir alle

Weil es günstiger ist, kaufen wir unseren Honig im Supermarkt und nicht beim Imker. Supermarkthonig wird oft importiert. Wir pflanzen auch kaum noch Blumen auf unseren Balkons oder im Garten. Wer einen Garten hat, rupft das Unkraut raus. Dabei stehen Bienen zum Beispiel auf Löwenzahn. Und natürlich ist kaum noch jemand Imker. Das Durchschnittsalter deutscher Bienenhalter liegt bei über 60 Jahren. Der Nachwuchs fehlt.

Ach ja – und VW

Stickstoffmonoxid in Diesel-Abgasen stört das Geruchssystem der Bienen. Dadurch fällt es ihnen schwerer, Nahrung zu finden.

Wenn sich daran nichts ändert und das Bienensterben weitergeht, haben wir ein echtes Problem. Ohne Bienen werden drei Viertel der Ernte ausfallen, schätzen Experten. Die Regale im Supermarkt wären dann ziemlich leer.

Dann fehlen zum Beispiel Kaffee und Kakao (Schokolade!), Nüsse und Blaubeeren, Äpfel und Erdbeeren, Gurken und Tomaten. Obst und Gemüse also, das uns mit wichtigen Vitaminen und Mineralien versorgt. Die Nahrungsmittelpreise würden explodieren. Und die Landschaft wäre ziemlich grau – schließlich gäbe es ja keine Blumen mehr.

Klar, es ist viel leichter, zu sagen: Ich allein kann doch sowieso nichts machen. Aber wie so oft, können ganz viele ganz viel ändern. Also sollte jeder gleich damit anfangen. Zum Beispiel:

Blumen pflanzen

Am besten einheimische Blumen wie Astern, Margeriten und Günsel, aber auch Kräuter wie Salbei und Thymian. Wer dafür noch Bio-Saatgut verwendet, macht es richtig. Für Blumen ist Platz auf jedem Balkon, im Garten sowieso, aber auch auf Grünstreifen neben dem Fußgängerweg. Stichwort: Urban Gardening.

© ChinaFotoPress/Getty Images
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Garten verwildern lassen

Ein wilder Garten sieht sowieso richtig schön aus. Und die wilden Pflanzen, die da wachsen können, sind eine gute Anlaufstelle für Bienen. Außerdem hat man mit einem wilden Garten weniger Arbeit.

Bio und lokal kaufen

Damit unterstützt du Bauern vor Ort, dein Essen wird nicht um die halbe Welt transportiert und es werden keine Pestizide eingesetzt. Bauern aus der Umgebung liefern übrigens auch Kisten mit Gemüse und Obst zu dir nach Hause.

Honig vom Imker kaufen

Wer beim Imker kauft, unterstützt die lokale Bienenhaltung. Und damit auch die Bestäubung von Pflanzen in der Umgebung.

Imker werden

Das kostet zwar etwas Zeit und Geld, dafür hilfst du aber mit, die Welt zu retten. Und hast deinen eigenen Honig. Immerhin verdrückt jeder Deutsche anderthalb Kilo pro Jahr.

Dann muss auch niemand ein Abschiedslied auf Maja singen.