Großbritannien verbietet sexistische Werbung

Geschlechterstereotype verpesten seit Jahrzehnten die Medienwelt. Großbritannien macht jetzt vor, wie wir mit sexistischer Werbung umgehen sollten: sie ein für alle mal verbannen. Ein Kommentar.

Sexistische Kackscheiße, die viele nicht mehr sehen wollen. Screenshot: Twitter

Was für ein Befreiungsschlag! Die britische Werbeaufsichtsbehörde The Advertising Standards Authority (ASA) hat sexistischer Werbung den Kampf angesagt. Das berichten mehrere Medien, unter anderem The Guardian. Sie will zukünftig Plakate oder Werbespots verbieten, die:

  1. bestimmte Verhaltensweisen einem bestimmten Geschlecht zuordnen (wie: Frauen putzen, Männer denken) und Geschlechterklischees damit reproduzieren
  2. sich über Menschen lustig machen, die bestimmten Geschlechterklischees nicht entsprechen
  3. Frauen oder Mädchen sexualisieren und zum Objekt machen
  4. Männer als unfähig darstellen, sich um den Haushalt oder die Kinder zu kümmern

Zudem will die Behörde Bodyshaming und unrealistische oder unangemessene Darstellungen von Körperbildern wie dürre oder gephotoshoppte Models bestrafen und entsprechende Werbungen verbieten lassen.

Werbung beeinflusst das Selbstbild

Eigentlich ist es keine Neuigkeit, dass Werbung das Selbst- und Körperbild beeinflusst – und oft genug nicht im positiven Sinne. Und doch müssen Behörden wie ASA oder auch Organisationen wie Pink Stinks in Deutschland immer wieder darauf aufmerksam machen.

„Unser aktueller Bericht zeigt, dass bestimmte Formen von Geschlechtsstereotypen in der Werbung Erwachsene und Kinder schädigt“, sagte die federführende Autorin Ella Smillie zu The Guardian. „Solche Darstellungen schränken ein, wie Menschen sich selbst und andere sehen und welche Lebensentscheidungen sie treffen. Härtere Standards werden diesen Schaden adressieren und sicherstellen, dass unsere moderne Gesellschaft besser repräsentiert wird.“

[Außerdem bei ze.tt: Kampagne soll Sexismus in der Schule bekämpfen – aber so einfach ist das nicht]

Aber auch Kritik aus der Bevölkerung sorgte zuletzt immer häufiger dafür, dass sexistische Werbung entfernt wurde. So zum Beispiel das Plakat eines Proteinshake-Herstellers, das im Frühjahr 2015 eine schlanke Frau mit der Aufschrift „Are you beach body ready?“ zeigte. Nachdem über 400 Beschwerden bei der ASA eingingen und eine Petition über 70.000 Unterschriften gesammelt hatte, wurden alle Plakate der Kampagne entfernt – auch wenn ASA sie zuvor als nicht unangemessen einstufte.

No one looks like that. Not even her. #thisoppresseswomen #beachbody #bikinibody #beach #bikini #women #feminism

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Der Vorstoß der ASA bedeutet übrigens nicht, dass nie wieder Frauen beim Hausputz oder Männer beim Handwerken zu sehen sein sollen, doch werde die Art der Darstellung kritischer betrachtet. Es gehe darum, veraltete Rollenbilder zu vermeiden.

Schluss mit sexistischer Werbung – überall

Sexistische Werbung hat uns von jeher die Hirne vernebelt. Endlich wollen es die Menschen nicht mehr hinnehmen, dass es nur eine Art der Darstellung gibt, die einerseits selten die Realität widerspiegelt und zudem immensen Druck auslösen kann.

Großbritannien macht vor, wie es geht. Deutschland hinkt noch etwas hinterher. Zwar wurde sexistische Werbung bereits in manchen Bezirken in Berlin verboten. Doch es wird Zeit, dass andere Städte nachziehen. 2014 forderte Justizminister Heiko Maas, sexistische Werbung in ganz Deutschland gesetzlich zu regulieren. Viel passiert ist allerdings nicht: Im April 2016 hat der SPD-Bundesvorstand ein Verbot sexistischer Werbung auf ihre Agenda gesetzt. Im September verkündete die SPD dann ihr Vorhaben, den Werberat für zwei Jahre zu beobachten und das Gesetz voranzutreiben, sofern sich nichts bessert.

Bleibt zu hoffen, dass Großbritannien in dieser Sache als Vorbild für unsere Politiker*innen wirkt und wir bald von rosa Ballerinas, putzenden Hausfrauen und nicht-existenten Frauenkörpern verschont bleiben.