Hamburg putzt Dreck weg, den ein paar Wahnsinnige hinterlassen haben

Tausende Hamburger*innen haben am Sonntag damit begonnen, die vom Wochenende verwüstete Schanze aufzuräumen. Weil: muss ja.

Hamburg zeigt gerade, wie echte Solidarität aussieht. Wer auch immer am Ende die Verantwortung für das tragen muss, was am Wochenende passierte – das Leben in der Stadt muss weitergehen.

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Genau deshalb haben sich Tausende Hamburger*innen am Sonntag getroffen. Sie halfen ihren Nachbar*innen im Schanzenviertel dabei, ihr Wohnumfeld aufzuräumen. Dort waren die Ausschreitungen am Wochenende besonders heftig.

Im oben eingebetteten Video ist zu sehen, wie ausgelassen die Stimmung unter den Putzenden war. Als sei ihnen die ganze G20-Last von den Schultern gefallen – und wer könnte das nicht nachvollziehen – reinigen sie fröhlich Ladenfassaden, räumen Müll, Scherben, Unrat von Straßen und Gehwegen und fegten diese sauber. Ein Anwohner hielt ein Schild mit der Aufschrift „Hört auf zu putzen – es ist hier jetzt sauberer als sonst – WTF?!“ hoch. Andere spielten Musik.

Die fleißigen Bienchen folgten einem Aufruf über Facebook. „Wir zeigen Solidarität mit unseren Nachbarn“, sagte Thorben Harms aus dem Stadtteil Barmbek der dpa. Mohamed und Walaa, Geflüchtete aus Syrien, sagten: „Wir wollen etwas für Hamburg tun“. Aus Dankbarkeit für die Aufnahme in der Stadt. „Das schuldet man den anderen, die das alles hier ausgebadet haben“, sagte Björn Düßler aus dem angrenzenden Stadtteil Eimsbüttel. Er nahm wie viele zusammen mit Frau und Kind an der Putzaktion teil.

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Während die betroffenen Viertel nach und nach wieder wohnlich und sauber werden und zumindest die Hansestadt sich langsam wieder erholt, bleibt die alles überschattende Frage unbeantwortet: Wie, um alles in der Welt, konnte das geschehen? Die deutsche Politik, allen voran der Hamburger Senat, wird dafür wohl eine ganz eigene Aufräumaktion brauchen. Über einem Balkon in der Schanze etwa hing ein großes Transparent mit der Aufschrift: „Herr Scholz, wir müssen reden.“

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