Hilfe für Erdbebenopfer in Italien: Geflüchtete spenden ihr Taschengeld

Das Erdbeben in Italien, bei dem über 240 Menschen ihr Leben verloren, zeigt neben der Gnadenlosigkeit der Natur auch: Wenn es wirklich darauf ankommt, sind Menschen füreinander da.

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Jede Hand wird gebraucht. © dpa

Es habe sie im Bett von einer Seite auf die andere geworfen, erzählt ein junges Pärchen. Ein Mann sagt, es sei gewesen, als habe es die Natur geradezu darauf angelegt, ihn aus seinem Stuhl zu schleudern. Das schwere Erdbeben im Appenin-Gebirge in Mittelitalien in der Nacht zum Dienstag kostete laut italienischem Zivilschutz über 240 Menschen das Leben.

Italien steckt geologisch in einer Falle: Tiefe Gesteinssegmente drücken permament aufeinander. Rund sechs Kilometer westlich der Ortschaft Accumoli in der Gebirgsregion Latium hielt das Gestein dem Druck nicht mehr stand – und zerbarst in elf Kilometer Tiefe. Das Erdbeben der Stufe 6,2, das so entstand, hatte eine Wucht von 15 Millionen Tonnen TNT-Sprengstoff. Zum Vergleich: Mit nur wenigen Kilogram an der richtigen Stelle ließe sich bereits ein mehrstöckiges Gebäude sprengen.

So helfen Menschen aus aller Welt

In der betroffenen Region wurde der Notstand ausgerufen. Die Vereinten Nationen haben ihre Unterstützung angeboten. Überall auf der Welt schließen sich Menschen zusammen, um zu helfen.

Italienische Restaurantbesitzer in New York spenden von jedem Gericht 5 US-Dollar an das Rote Kreuz. Auch das Italienische Museum im New Yorker Stadtteil Little Italy rief zu Spenden auf und will binnen kürzester Zeit eine halbe Millionen US-Dollar zur Verfügung stellen, wie dessen Leiter Joseph Scelsa mitteilte. „Ich bin Amerikaner in dritter Generation, italienisch-amerikanisch, und ich fühle mich immer noch tief mit Italien verbunden“, sagte er. „Wir sind bestürzt darüber, was passiert ist.“

Weitere Spenden werden von der kanadisch-italienischen Community in Kanada gesammelt. „Ich bekam viele Anrufe von unseren Außenstellen in Montreal und weiteren in Kanada, alle fragten nur: ‚Wie können wir helfen?'“, sagt Bob Sacco, Präsident der Föderation der kanadischen Arbeiterverbände.

Auch in Italien selbst werden fleißig Spenden gesammelt: Etwa 75 Geflüchtete, die einer Unterkunft in Gioiosa Ionica in Süditalien leben, wollen einen Teil ihrer wöchentlichen Asylgelder abgeben, insgesamt 200 Euro pro Person. Die Geste soll weniger eine finanzielle, sondern eher eine symbolische sein. John Majolo, der das Asylheim leitet, sagt: „Hier wollen Menschen, die Unterstützung erfahren haben und sich in Italien willkommen fühlen, etwas zurückgeben und ihre Solidarität zeigen.“

Prominente werden ebenfalls spenden. Die Sängerin Lady Gaga kündigte an, dass ihre Familie den Erdbebenopfern in Italien helfen werde.

„Caritas international“ hat einen Soforthilfefonds in Höhe von 50.000 Euro bereitgestellt. „Wir wollen unseren Partnern vor Ort damit schnell und unbürokratisch zur Seite stehen“, sagte der Italien-Referent des Hilfswerks des Deutschen Caritasverbandes, Gernot Krauß. Alle eingehenden Spenden werden an die Caritas Italien weitergeleitet.

Für den Fall, dass weitere Hilfe vor Ort benötigt wird, hat Zypern angeboten, speziell ausgebildete Hilfskräfte und medizinisches Personal nach Italien zu schicken. Noch möchte die italienische Regierung die Bergungskräfte und Hilfskontingente aber aus eigener Kraft stemmen.

Zuletzt war Italien 2009 von einem schweren Erdbeben erschüttert worden. Experten gehen davon aus, dass die Auswirkungen des neuerlichen Bebens ähnlich dramatisch sein könnten. Damals kamen mehr als 290 Menschen ums Leben, rund 17.000 Menschen verloren ihr Zuhause.

Wer die italienischen Hilfskräfte finanziell unterstützen möchte, kann das hier beim Deutschen Roten Kreuz oder hier bei der Caritas tun.