Hitler-Droge – geht’s noch?

Nach einem Drogenfund bei Grünen-Politiker Volker Beck titelte die Bild heute: „Grüner mit Hitler-Droge erwischt!“ Das ist nicht nur völlig polemisch, sondern gerade im Fall von Volker Beck eine Farce.

Screenshot: Stefan Niggemeier/Twitter

Hitler im Titel klickt anscheinend immer, wenn es nach der Bild geht. Screenshot: Stefan Niggemeier/Twitter

Am Dienstag wurde Volker Beck bei einer Polizeikontrolle mit 0,6 Gramm einer „betäubungsmittelsuspekten Substanz aufgefunden“ erwischt. Es soll sich bei der Substanz um Crystal Meth handeln. Am Mittwoch legte Beck daraufhin seine Ämter als innen- und religionspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion sowie den Vorsitz der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe nieder.

Und heute dann diese Schlagzeile in der Bild: „Grüner mit Hitler-Droge erwischt!“

Dieser Titel, liebe Bild, ist aus zwei Gründen völlig daneben und unnötig polemisch.

Erstens: Er rückt Volker Beck in die Nähe von Nazis und Rechtsgesinnten. Das ist besonders im Fall des Grünen-Politikers eine Beleidigung.

Seit Jahren kämpft Beck gegen Antisemitismus. 2015 bekam er dafür die höchste Auszeichnung, den Leo-Baeck-Preis, des Zentralrats der Juden verliehen. Er setzt sich außerdem seit Jahren für Minderheiten ein, vor allem für die Rechte gleichgeschlechtlicher Paare:

Er zeigte außerdem immer wieder Solidarität mit Sinti und Roma…

… und trat rechter Gewalt entgegen:

Zweitens: Die Nazis haben Crystal Meth nicht erfunden, wie die Bild-Zeile suggeriert. Ein japanischer Chemiker hat Methamphetamin im 19. Jahrhundert erstmals hergestellt. In Deutschland kam der Stoff unter dem Namen „Pervitin“ in den 30ern auf den Markt und wurde zu einer der begehrtesten Drogen des Dritten Reichs, wie die taz schreibt.

Doch selbst, wenn Hitler sie genommen hat, ist die Betitelung als „Hitler-Droge“ komplett absurd. Nach dieser Logik atmen wir heute noch „Hitler-Luft“, bewegen uns auf „Hitler-Straßen“ und sprechen die „Hitler-Sprache“.