Hörst du auch beim Lesen eine Stimme in deinem Kopf?

Wenn du diesen Satz still liest, und trotzdem eine Stimme in deinem Kopf hörst, bist du nicht verrückt, sondern offenbar Teil einer Mehrheit, wie eine Wissenschaftlerin jetzt sagt.

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Die Stimme im Kopf beim Lesen ist ein Phänomen, auf das die Wissenschaft bisher keine Antwort hat. © Pexels

Sie begleitet uns bei jedem Satz, den wir lesen. Flüstert uns unentwegt jedes Wort zu: die innere Lesestimme. Jetzt beschäftigt sich auch die Wissenschaft mit diesem Phänomen: Die Psychologin Ruvanee Vilhauer forscht an der University of New York im Bereich der Sozialpsychologie. Jetzt hat sie einen Aufsatz über die innere Stimme veröffentlicht: „Inner reading voices: An overlooked form of inner speech“. Ihr Ergebnis: ein Großteil der Menschen hört beim Lesen eine Stimme im Kopf, die ihnen das erzählt, was sie gerade lesen.

Die Psychologie hat die Stimme im Kopf bisher ignoriert

So ein ungewöhnliches Phänomen brachte Vilhauer wohl auch auf die Idee, einfach selber ungewöhnlich zu forschen: Statt selber Interviews mit Versuchspersonen durchzuführen, sammelte sie einfach Erlebnisberichte in einem anonymen Forum.

Auf Yahoo Answers, dem größten englisch-sprachigen Forum der Welt, sammelte sie Erfahrungsberichte von Lesern mit und ohne Stimme im Kopf. 160 Beiträge analysierte Vilhauer für ihre Arbeit.

Ihre Beobachtung: Nicht jeder hört sich selbst beim Lesen. Rund 83 Prozent der Q&A-Mitglieder konnten von der geheimnisvollen Stimme berichten, fast 11 Prozent haben sie jedoch noch nie gehört. Der Rest gab keine eindeutige Antwort.

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Wenige Antworten und viele offene Fragen

Eine kurze Umfrage im Kollegenkreis ergab: Auch bei ze.tt hören die meisten Kollegen eine Stimme im Kopf, die zu ihnen spricht – natürlich nur beim Lesen. Schnell drängen sich mehrere Fragen auf:

Ist das eigentlich gesund, sich selbst beim Lesen zu hören? Warum hören manche Menschen beim Lesen nichts? Kann man sich deshalb krankschreiben lassen? Wer sich als Psychologe mit dem Phänomen der inneren Stimme beschäftigt, wird auch diese Fragen irgendwann klären müssen. Bisher ist sie aber vor allem eins: unerforschtes Terrain.

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Wie klingt die Stimme in unseren Köpfen?

Wissenschaftler scheinen eine Antwort aber immerhin schon gefunden zu haben: 2011 kam ein niederländisches Forscherteam zu dem Schluss, dass die ominöse Lesestimme vermutlich so wie die Sprechstimme des Lesers selbst klingt.

Dieser Einschätzung widersprechen aber einzelne Foren-Teilnehmer, die Vilhauer ausfindig gemacht hat. Diese Menschen wollen einen klaren Unterschied zwischen ihrer Sprechstimme und inneren Lesestimme beobachten können. Ganz schön mysteriös das Ganze…

Höchste Zeit, die Wissenschaftlerin Vilhauer bei ihrer Feldforschung zu unterstützen.