Hollywood plant ein Remake von „Toni Erdmann“ – bitte nicht!

Aus der Kategorie „Dinge, die die Welt nicht braucht“: Einen erfolgreichen Film aus dem Ausland kopieren, anstatt ihn im Original zu zeigen.

Sandra Hüller als melancholisch-ambitionierte Tochter. © Komplizen Film

Endlich ist ein deutscher Film im Rennen um den Oscar – das erste Mal seit sieben Jahren – und schon versucht Hollywood, sich ein Stück vom Kuchen abzuschneiden. Der deutsche Film Toni Erdmann soll nun tatsächlich in den USA neuaufgelegt werden, das vermeldet das Branchenblatt Variety. In den Hauptrollen: Kristen Wiig und Jack Nicholson.

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Ein Remake, hurra! Wer braucht nicht eine schlechte Kopie von einem guten Original? Versteht mich nicht falsch: Ich kritisiere nicht die schauspielerische Leistung von Wiig und Nicholson. Ich sehe sie aber lieber in anderen, noch nicht da gewesenen Rollen. Ich will nicht sehen, wie Nicholson imitiert, was Peter Simonischek schon so grandios gemacht hat. Und auch Wiig war lustig in Bridesmaids, aber sie wird nie diese eine melancholisch-ambitionierte Tochter so authentisch wie Sandra Hüller spielen können.

Original ist immer besser

Generell lebt Toni Erdmann nicht nur von der besonderen tragikomischen Vater-Tochter-Beziehung, sondern auch vom unerträglich trockenen deutschen Humor. Zum Beispiel, wenn Ines (Hüller) mit einer Gabel versucht, den Reißverschluss ihres Kleides am Rücken zuzubekommen – und sich dann aus Verzweiflung das ganze Ding vom Leib reißt und ihre Gäste nackt begrüßt. Selten habe ich so sehr Tränen gelacht im Kino – in einem unerklärlichen Wechselbad aus Fremdscham und Mitleid. Ein aufgedrehtes manisch-amerikanisches Pendant wird diese Irritation nicht hervorrufen können.

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Auch wenn der Erfolg anderer Remakes ausländischer Filme, wie dem japanischen The Ring und Stieg Larssons Millennium-Trilogie, die Absichten Hollywoods stützt (?), stellt sich doch die Frage: Traut die Traumfabrik dem US-amerikanischen Publikum keine Originale zu? Wozu gibt es Synchronisation und Untertitel?

Im Hip-Hop sind der Remix und das Sampling gängige kulturelle Praxis. Aus Altem entsteht Neues, ohne den Ursprung zu verlieren. Hollywoods Remakes bringen das Gegenteil: Gute Filme nachzuspielen, anstatt neue Inhalte zu ergründen, zerstört kulturelle Vielfalt.


Bist du anderer Meinung? Kennst du ein Remake, das besser als sein Original ist? Schreib mir gerne lieb und nett per Mail.