How-to-Imkern: So kannst du Bienen züchten

Bienen auf dem Balkon? Klingt erstmal gefährlich und verrückt – ist aber eine verdammt tolle Sache! Und gar nicht so schwierig wie gedacht. Ein kleiner Guide für angehende Hobby-Imker.

© Dan Kitwood/Getty Images

Urbanes Imkern auf dem Dach. © Dan Kitwood/Getty Images

Mit einem Bienenstock die Welt retten

Vielen bricht bei dem Gedanken an Bienen kalter Angstschweiß aus. Dabei sind Bienen sehr friedfertige Geschöpfe, die von ihren Menschen kaum Notiz nehmen, so lange die sich nicht an ihrem Stock zu schaffen machen. Gleichzeitig sind sie für das Ökosystem von entscheidender Bedeutung: Bienen bestäuben bei ihrer Suche nach Pollen Pflanzen und sorgen so für deren Vermehrung. Ohne Bienen keine Pflanzen. Ohne Pflanzen kein Futter für Tiere und kein CO²-Abbau. Ohne Luft und Nahrung keine Menschen. Bienenhaltung ist also tatsächlich ein Beitrag zum Erhalt unseres Planeten.

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Auch deswegen beschloss eine befreundete WG, Bienen auf ihrem Balkon zu halten. „Uns interessieren Lebensmittel und wir spielten immer wieder mit dem Gedanken, das eine oder andere selbst zu produzieren. Warum also nicht auch Honig?“ Inzwischen geht ihr urbanes Imker-Dasein ins dritte Jahr und sie haben einige Erfahrungen gesammelt, die auch dir den Start erleichtern können.

Bienenkiste

Bevor du dir ein Volk besorgst, brauchst du ein Beutesystem. Das ist einen Ort, an dem die Bienen leben und Waben mit Honig und Larven füllen können. Es gibt viele verschiedene Varianten, je nach Erfahrungsgrad und Vorlieben der Imker. „Wir haben damals mit der Bienenkiste angefangen. Die ist sehr simpel zu bauen und für Anfänger gut geeignet. Die Eingriffe in den Stock sind auf ein Minimum begrenzt und die Bienen bauen ihre eigenen Waben.“

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Die Bauweise der Bienenkiste macht es jedoch kompliziert, wenn man am Volk arbeiten muss. Das ist zum Beispiel im Winter erforderlich (Behandlung auf Milben, Fütterung für die Überwinterung), im Frühjahr (Überprüfung des Zustandes des Volkes nach der Überwinterung) und im Sommer (Honigentnahme).

Während in konventionellen Systemen die künstlichen Waben einfach herausgezogen und überprüft werden können, ist ein von den Bienen selbst angelegter Vorrat kaum einsehbar. Dafür können die Bienen vergleichsweise natürlich leben. Du solltest dir vorher genau überlegen, was dir bei der Haltung wichtiger ist.

Ausrüstung

Imker-Zubehör. © Björn Adam

Dann brauchst du natürlich noch die richtige Ausrüstung. Die Investition in Schutzkleidung lohnt sich allemal. Auch wenn die Bienen ruhig und friedlich sind, kann es bei Eingriffen in den Stock hin und wieder zu Stichen kommen. Beispielsweise wenn man beim Hantieren mit der Kiste aus Versehen in eine Biene fasst. In der WG liegt der aktuelle Rekord bei insgesamt 13 Stichen in drei Jahren.

Bienenvölker kaufen

Bienen schwärmen von Anfang Mai bis Ende Juni. Dabei werden in bestehenden Völkern neue Königinnen geboren, die sich dann mit einem Teil des alten Staates auf den Weg machen, um eine neue Heimat zu finden. Imker fangen diese Jungvölker ein und verkaufen sie weiter.

Bienen zwischen Waben. © Björn Adam
Bienen zwischen Waben. © Björn Adam

Bienenvolk anmelden

Die WG fand ihre Völker zusammen mit den Bienenkisten über Kleinanzeigen. Solltest du dir ein Volk anschaffen, musst du dieses übrigens anmelden. Nicht etwa, weil Bienen besonders gefährlich wären, sondern zur Seuchenprävention innerhalb der Bienenpopulationen. Nachdem du eine Kiste vorbereitet und ein Volk gefunden hast, beginnt die Eingewöhnungsphase, in der die Bienen ihre Waben bauen und sich häuslich einrichten.

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Bienenhilfe

Es lohnt sich zudem, nach Imkervereinen Ausschau zu halten. Hier kannst du erfahrene Imker als Paten gewinnen oder Ansprechpartner finden, die dir Ratschläge für Pflege und Behandlung der Bienen geben können.

Bienenpflege

Bienen sind anspruchsvoller, als du vielleicht glaubst. Bei schlechtem Wetter und im Spätherbst müssen sie mit Zuckerlösung „gefüttert“ werden. Einmal jährlich steht außerdem eine Behandlung mit Ameisensäure gegen die Varroamilbe an. „Bienen sind ganz schön anfällig für alle möglichen Störfaktoren. Uns sind inzwischen drei Völker weggestorben. Das erste Volk war bereits sterbend, als wir es kauften, das zweite wurde von Parasiten hingerafft und dem dritten fehlte nach einer tollen Schwärmperiode eine befruchtete Königin. Damit waren unsere Imkerbemühungen bisher deutlich komplizierter, als wir uns damals vorgestellt hatten und eigenen Honig konnten wir auch nicht ernten.“

Bienenheim. © Björn Adam
Bienenheim. © Björn Adam

Nachbarschaft

Außerdem trägst du Verantwortung gegenüber anderen Anwohnern. Daher solltest du möglicherweise betroffene Personen vorwarnen und für das Thema sensibilisieren. Für das Einfangen eines jungen Schwarmes ist der Besitzer des Ursprungsvolkes zuständig. Da junge Schwärme sich meist nicht weit entfernen, ist ein guter Draht zu den Nachbarn hilfreich. So löst du nicht direkt eine Massenhysterie aus, wenn sich dein Bienenschwarm mal verirrt.

Gute Gründe es zu versuchen

Meine Freunde haben bisher nichts bereut: „Bienen sind wirklich spannende Tiere und ich würde jedem, der mit dem Gedanken spielt raten: Go for it! Es ist auf jeden Fall eine tolle Erfahrung – selbst, wenn man sie nur beobachtet und sich an ihrem Gesumme und Flügen erfreut.“

Ist dir allerdings die Honigernte sehr wichtig, solltest du dir gleich zwei oder drei Völkern anschaffen. Zudem wird dein Balkon den ganzen Sommer nach Honig riechen. Ich finde, das allein reicht schon als Argument.