Huh! Hah! Der ESC und seine Skandale

Am Samstag ist wieder ESC. Bei den größten Skandalen in der Geschichte des Wettbewerbs ging es um Diktatoren, Massenmörder und eiskalte Betrüger.

Screenshot: Youtube / Euroencyclopedic

Der Beitrag des portugiesischen Sängers Paulo de Carvalho war 1974 Startschuss für einen Aufstand in seinem Land. Screenshot: Youtube / Euroencyclopedic

Lieder, die nach Politik klingen

Die Ukrainerin Jamala hat sich dieses Jahr was Drolliges einfallen lassen: Sie singt über die Besetzung ihres Landes, ihr Refrain ist sogar auf Krimtatarisch. Damit aber niemand auf die Idee kommt, dass es sich um einen aktuellen Kommentar handelt, nannte ihr Team ihren Song „1944“ und erklärte, dass es um die Deportation der Krimtataren damals unter Stalin gehe.

Raffiniert, doch bei weitem nicht der erste ESC-Beitrag mit politischer Note. Einmal hat ein Titel sogar eine Revolution ausgelöst: 1974 war Portugal noch eine Diktatur unter Marcelo Caetano. Im Untergrund hatten sich Widerständler organisiert und einen Umsturz geplant. Auf ein geheimes Zeichen hin wollten die Revolutionäre die Rathäuser stürmen. Und dieses Zeichen war: „E Depois do Adeus“, der damalige ESC-Beitrag Portugals. So wurde der Song zwar zum portugiesischen „Wind of Change“, aber beim Wettbewerb hat’s nichts genützt. Sänger Paulo de Carvalho wurde nur 14. von 17 Teilnehmern.

Kandidaten, die nicht wollten

Wenn es um Deutschland geht, ist natürlich der Skandal aus dem letzten Jahr unvergessen. Im Moment seines Sieges entschied Andreas Kümmert, dass ihm der Stress während der zwei Wochen langen Proben, Interviewmarathons, Empfänge und Konzerte in der Eurovisions-Blase zu viel werden würde.

Die Zweitplatzierte Ann-Sophie rückte nach. Sie bekam zwar letztendlich keine Punkte in Wien, aber ihre Reaktion war ein souveräner Ruhepol im „Skandal!“-Gezeter um Kümmert. In der Pressekonferenz direkt nach der turbulenten Vorentscheidung wünschte sie sich Respekt für ihn. Sie glaube, es sei sehr schwer, einen Traum zu haben und dann zu merken, dass dieser Traum Schattenseiten hat, die man nicht zu zahlen bereit ist.

Kandidaten, die nicht sollten

Statt freiwilligem Verzicht gab es auch immer wieder Streit weil Kandidaten gegen ihren Willen ausgeschlossen werden sollten. 1979 hat es zum Beispiel eine heftige Debatte gegeben wegen der Band, die damals von Deutschland nach Jerusalem geschickt werden sollte. Ausgerechnet im jüdischen Israel sollte für Deutschland eine Gruppe auftreten, die über die Massenmorde eines wilden Despoten fröhliche Lieder singt? Doch der Streit hatte ein Happy End: Die Fans setzten sich durch, die Band wurde Vierte – und bis heute ist „Dschinghis Khan“ ein beliebter Oldie in Israel.

Abstimmer, die sich abstimmten

Ah! Die Abstimmungen! Tolle Verschwörungstheorien sind da möglich: Den ersten Skandal gab es gleich beim allerersten ESC. Luxemburg hatte damals nur knapp genug Geld, um 1956 überhaupt einen Teilnehmer nach Lugano in der Schweiz zu schicken. Das Problem: Damals gab es noch keine Abfrage der Punkte per Telefon oder Video, die Juroren mussten also auch vor Ort sein. Die Luxemburger baten die Schweiz, in ihrem Namen abzustimmen. Und schwuppdiwupp gewann am Ende die Schweizer Kandidatin Lys Assia. Unterlagen darüber, wie damals konkret abgestimmt wurde, gab es praktischerweise keine.

Sieger, die keine waren

Noch uriger war’s 1978: Damals übertrugen die arabischen Länder bereits den ESC, doch beim Auftritt Israels wurde gerne mal Werbung eingespielt. Blöd dann, dass sich während der Punktevergabe Israel nach und nach als Sieger herauskristallisierte. Pfiffig aber wiederum, dass Jordanien einfach eine Sendestörung vortäuschte. Die Übertragung wurde abgebrochen und kurz darauf behaupteten die jordanischen Moderatoren einfach, dass Belgien gewonnen hatte.

Wir widmen die komplette Woche mehrere Beiträge in den kommenden Tagen dem ESC. Zum ersten Halbfinale morgen schauen wir auf Trash-Perlen und Top-Favoriten dieses Jahres.