Hund, Hahn und Papagei: Death-Metal-Bands lassen ihre Haustiere singen

Schnappt euch ein Tier, lasst es laut schreien und hinterlegt das Ganze mit viel E-Girtarre und Schlagezeug. Voilá, fertig ist eure Band.

Amyart5/Youtube

Und jetzt alle! Amyart5/Youtube

Heavy Metal hat ungefähr so viele Subgenres wie es in Berlin Dönerläden gibt – unendlich viele. Wer glaubt, dass Pornogrind, Crust Punk, Death’n’Roll oder Funeral Doom Titel von Horrorfilmen sind, irrt sich. Es handelt sich dabei genauso um Unterkategorien von Heavy Metal wie Haloumi, Gemüse oder Falafel Zutaten im Döner sind. Die Basis bleibt immer das Brot, die inhaltliche Zusammensetzung ändert sich.

Während ungeschulte Ohren wohl eher wenige Unterschiede zwischen den verschiedenen Metalkategorien erhören können, gibt es doch einige Feinheiten, die diese unterscheiden. Stoner Metal ist typischerweise sehr basslastig und kommt in langsamen Tempo daher. Bei Black Metal wird dagegen laut gekreischt, ist hochgradig verzerrt und sehr schnell. Ja, und dann gibt es noch eine Kategorie, die es gar nicht gibt: nämlich Death-Metal-Bands mit Tieren als Leadsänger.

Dass niemand früher auf diese Idee gekommen ist, ist insofern verwundernswert, als dass Heavy-Metal-Sänger ohnehin mit aller Kraft versuchen, wie wütende oder sehr verwirrte Tiere zu klingen. Warum also nicht gleich ein echtes Tier schreien lassen … wegen der Authentizität und so. Nichts komplettiert das ohrenzerfetzende Heavy-Metal-Getöne besser, als Tiere, deren natürlichen Kommunikationsstil wir als Geschrei wahrnehmen. Für sie ändert sich ja nichts und die menschlichen Stimmbänder bleiben geschont.

Genau das hat sich wahrscheinlich auch eine Band aus Baltimore mit dem knallhart klingenden Namen Hatebeak gedacht, deren Leadschreier Waldo heißt, mittlerweile 21 Jahre auf dem Buckel hat und ein Graupapagei ist – eine Gattung, die als hochintelligent und sprachbegabt gilt. Waldos Kollegen sind Blake Harrison, der den Vogel hatte, und Mark Sloan. Sie begleiten ihn mit E-Gitarre und Schlagzeug und verwandeln anschließend den Lärm in Musik. Menschen, die Instrumente spielen? Laaangweeiliig!

Waldo ist klarerweise der eigentliche Star der Band und krächzt gekonnt seine Papageiengeräusche ins Mikro. Sprechen kann er zwar auch, aber seine Spezialität ist zweifelsohne lautstarkes Kreischen bis einem die Ohren bluten.

Albumcover.Screenshot
Albumcover Screenshot

Hatebeak wurde 2004 von den beiden Menschen aus Liebe zu Heavy Metal gegründet und ist als reines Studioprojekt angelegt. Auf Touren und live Gigs wird aufgrund der hohen Lautstärke, die Waldo nicht vertragen würde, bewusst verzichtet. Eine tiefgründige Message steckt laut eigenen Angaben nicht hinter dem Projekt. Das einzige Ziel war es, auf diese Art und Weise die Messlatte für extreme Musik ein wenig höher zu legen. Daraus entstanden sind Titel wie „Number of the Beak“ (Titel des aktuellen Albums und angelehnt an Iron Maidens „Number of The Beast“), „The Thing That Should Not Beak“ (Metallicas „The Thing That Should Not Be) oder „God of Empty Nest“ (Morbid Angels „God of Emptiness“).

Bevor sich Hatebeak 2009 vorläufig trennten, nahmen sie noch eine Platte mit Caninus auf, eine Heavy-Metal-Gruppe, deren Leadschreier zwei Pit Bull Terrier sind. Bis dato ist „Bird Seeds of Vengeance“ mit bald 700.000 Views Hatebeaks meistgeklicktes Video auf Youtube. 2015 wurde die Trennung jedoch wieder abegsagt und das aktuelle Album veröffentlicht, natürlich wieder mit Waldo als Frontbird.

Caninus wurde 2003 in Brooklyn gegründet und drehte sich voll und ganz um die beiden mehr oder weniger passend benannten Hunde Basil und Budgie (Basilikum und Wellensittich). Die zwei Weibchen kamen wie die restlichen Bandmitglieder aus Brooklyn, New York und zählten ihren Style zum Grindcore-Genre. „Zählten“ deswegen, weil sich die Band im Januar 2011 nach dem Tod von Basil auflöste. Ein ähnlich gut brüllender Hund konnte offensichtlich nicht aufgetrieben werden.

Im Gegensatz zu Hatebeak wollte Caninus eine klare Message verbreiten: Tierrechte, Vegetarismus, Veganismus. Da die beiden Hündinnen selbst adoptiert wurden, sprachen sich die menschlichen Bandmitglieder ebenso klar für die Adoption von Tieren aus.

Solltet ihr einmal selbst Lust bekommen, Heavy Metal mit tierischen Lauten zu machen, schnappt euch ein Tier, schneidet ein bisschen War Metal, Blackened Death Metal oder je nach Belieben eine kleine Dosis Red And Anarchist Black Metal dazu – ja, die gibt’s wirklich – und ihr seid bereit für Ruhm und Ehre im Showbusiness.