Hunde streicheln – Schweine essen?

In Südchina läuft jedes Jahr im Sommer zehn Tage lang ein spezielles Event für Feinschmecker: Das Hundefleisch-Festival. Aber warum finden wir es eigentlich okay, Schweine und Lämmchen zu essen – und Hunde nicht?

Schweinchen

Schweinchen © Pixabay / CC0

Seit 2009 treffen sich Bürger*innen in Südchina zum gemeinsamen Schlachten und Verspeisen mehrerer tausend Hunde. Weltweit berichten Medien und Tierschutzorganisationen über diese grausame Praxis und verurteilen das Festival als barbarisch. Dabei sparen sie jedoch weitgehend aus, dass im größten Schlachthof Europas täglich 10.000 Schweine geschlachtet werden – und das 365 Tage im Jahr.

Ich frage mich: Warum sollten dänische Schweine weniger öffentliche Empörung verdient haben als chinesische Hunde?

Vorsicht, dieses Video enthält heftige Bilder:

Fleisch ist Fleisch

China lag zugegebenermaßen noch nie sonderlich viel am allgemeinen Tierschutz. Die chinesische Regierung ist unter anderem verantwortlich dafür, dass alle internationalen Kosmetikmarken ihre Rohstoffe an Tieren testen müssen, um auf ihrem Markt zugelassen zu werden. Ein Großteil der winterlich-omnipräsenten Billig-Pelzkragen hing vorher an einem Tier, das vermutlich in China gefangen, totgeschlagen und gehäutet wurde.

Ja, das Hunde-Schlachtfest ist brutaler Mumpitz, der auf jeden Fall angeprangert werden soll. Trotzdem muss ich jetzt mal Klartext reden: Fleisch bleibt Fleisch.

Hunde streicheln, Schweine essen

Ein großer Teil der Empörung bezieht sich hierbei offenbar nicht auf die Lebensumstände der Tiere, sondern allein darauf, dass es sich um Hunde handelt. Wir wollen keine Hunde und Katzen essen. Wir jammern ihnen lieber die Ohren mit unseren Befindlichkeiten voll und ziehen ihnen lustige Strassjäckchen an. Zum Essen sind in unserem Kulturkreis andere Tiere da.

Für asiatische Kulturen gilt: Du kannst alles essen, was Beine hat. Für unseren Kulturkreis gilt: Du kannst alles essen, was in einer Strassjacke nicht niedlich aussieht.

Inwieweit das fairer oder logischer sein soll, erschließt sich nicht wirklich.

Das 1×1 des Karnismus

Jede Kultur, jede Region hat also eigene Maßstäbe dafür, welche Tiere essbar sind und welche auf jeden Fall nur von Barbaren geschlachtet und verspeist werden. Ein nicht unerheblicher Teil der Welt isst beispielsweise kein Pferdefleisch. Bei uns gehört es nicht nur in traditionelle Gerichte (Stichwort: rheinischer Sauerbraten), sondern ist auch eine leckere Überraschung in der Tiefkühllasagne.

In Island isst man Hai und Wal, in Australien Känguru, in Italien und Frankreich Singvögel, Schnecken und Frösche, und in Vietnam angebrütete Enteneier – überall gibt es ein Gericht, in dem ein Tier verarbeitet wird, das viele andere als absolut nicht essbar kategorisieren würden.

Diese Unterteilung von Tieren in essbar, nicht-essbar, Haustier, Nutztier, Unterhaltungstier und so weiter, nennt man Karnismus.

Echte Tierschützer essen kein Fleisch

Es ist gut, dass internationaler Aufruhr entsteht, wenn in einer Stadt mit knapp sechs Millionen Einwohnern 10.000 Hunde unter schlimmsten Bedingungen und innerhalb weniger Tage geschlachtet und verspeist werden.

Gleichzeitig entbehrt es aber eben nicht einer gewissen Ironie, dass kaum einer dieser Empörten losgeht, um Schweine aus einem Schlachthof zu befreien. Die werden in konventionellen Betrieben und Höfen auch unter schlimmen Bedingungen hochgezogen und geschlachtet.

Am einfachsten und effektivsten verhinderst du Tierleid, wenn du keine Unternehmen, Marken und Branchen unterstützt, die von industrieller Tierhaltung und Schlachtung leben.

Das kann unter Umständen soweit gehen, dass du nie wieder Wiener Schnitzel isst oder Lederschuhe kaufst – aber dafür müssen dann auch keine Kälber, Küken, Lämmer oder Ferkel für dich leiden und sterben.

Ich finde, das klingt durchaus vernünftig.

Tierliebe
© Giphy