Ich fühle nichts beim Thema Holocaust – was stimmt nicht mit mir?

Auf der „Reise nach Polen” besuchen jedes Jahr tausende junger Israelis ehemalige Konzentrationslager und Gedenkstätten. Viele sind überwältigt von ihren Gefühlen, manche spüren nichts. Wie fühlst du dich bei dem Thema Holocaust?

Der Holocaust erinnert mich daran, dass wir alle Menschen sind und ein Recht darauf haben, frei und glücklich zu sein. Nach so einer Katastrophe können wir nur nach vorne sehen.

– Stav Swarz, Schülerin

„Was erwarten die Leute von mir, wenn sie dieses Video sehen? Dass ich traurig bin, dass ich weine?“, fragt Stav. Zusammen mit anderen Jugendlichen aus Israel sitzt sie auf dem Fußboden ihres Hotelflurs. Es ist der letzte Tag ihrer Klassenfahrt nach Polen.

Stav und ihre Mitschüler*innen versuchen, das Erlebte zu verarbeiten. In den letzten Tagen haben sie viel durchgemacht: Friedhöfe, Gaskammern, Kindergräber, Gedenk-Zeremonien standen auf dem Programm. Über allem schwebte die Erwartung der Lehrer und Eltern: „Jetzt, wo ihr die Orte des Grauens mit eigenen Augen seht, müsst ihr verstehen und fühlen, was euren Vorfahren angetan wurde.“

Aber so einfach ist es nicht. „Ich versuche es zu begreifen, aber es gelingt mir nicht, es zu fühlen“, sagt ein Freund von Stav. Im Wald, als sie die Hinrichtungsstätten von tausenden Juden besucht haben, habe er etwas gefühlt. Aber sonst fühle er nichts, fügt er hinzu. Bei Stav und auch anderen aus ihrer Klasse kommen Selbstzweifel hoch: Was stimmt nicht mit mir? Bin ich zu kaltherzig? Warum kann ich nichts fühlen?

Nach über 70 Jahren wird es immer schwieriger, sich emotional mit dem Holocaust zu verbinden. Geht’s dir auch so? Gib uns deine Antwort auf www.uploading-holocaust.com

Eine Woche lang sind Avishag, Shlomi, Ron und ihre Mitschüler*innen auf den Spuren ihrer Vorfahren, die in Polen durch das Nazi-Regime ums Leben kamen. Sieben Tage, vier Konzentrationslager, drei Massengräber, zwei Gettos, 14 Gedenk-Zeremonien, 200 Teenager in einem Hotel.

In einer fünfteiligen Reihe zeigen wir diese besondere Klassenfahrt, die als Suche jedes Einzelnen nach Spuren seiner Familiengeschichte beginnt, doch mehr und mehr zu einer Art gemeinsamer Pilgerfahrt wird, die es den Teilnehmern ermöglicht, den Verlust und das Leid ihrer Vorfahren nachzuvollziehen. Alle Videos dieser Reihe bestehen ausschließlich aus Youtube-Material von israelischen Jugendlichen.


#uploading_holocaust ist eine gebrueder beetz filmproduktion, in Koproduktion mit udiVsagi production, BR und rbb, gefördert durch das Medienboard Berlin-Brandenburg, Nationalfonds Österreich, Zukunftsfonds Österreich und der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildung.

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